Die Psychologie der Veränderung

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(v1.0*) Gern wird ja behauptet, man habe die Deutschen nach dem Krieg umerzogen. Dem kann ich mich nicht anschließen, da man die Deutschen einfach nur sich selbst überlassen hat, in dem, was sie gut können. Veränderung ist nicht so ihr Ding, denn man müsste sich da ja auch umgewöhnen und das ist halt auch sehr anstrengend. Wer will das schon?

Der Gewohnheitsbedürftige bekommt, damit alles „passend“ für ihn „leicht“ kontrollier- und erfassbar bleibt, auch immer nur das erzählt, was ihm gefällt oder über das er sich fremdgesteuert zu beklagen weiß.

„Der Hörer hört gerne seine Meinung von jenen, die er dazu auserkoren hat, sie ihm erzählen zu dürfen.“

Nicht nur der Deutsche ist Fremdbestimmung gewohnt und nicht nur sein „Volk“ hat sich mit Unsäglichkeiten bekleckert. Er war halt derjenige, auf dem man stets mit dem Finger zeigen konnte, wenn „Böse Buben“ oder „Böse Wichte“ gebraucht wurden. Nun ja.

Hörigkeit, wie sie in der Gesellschaft als „normal“ erachtet wird, bringt – neben dem allseits beliebten Faschismus – noch weitere Erscheinungen mit sich, Parteien und „edle Ritter“, die für die schwachen zu kämpfen meinen und es immer nur gut mit allen meinen, während sie mal lieber was „Gutes“ für sich tun sollten.

Wie soll sich da ein Mensch entwickeln, wenn er immer wieder einen Vertreter ins Feld schickt oder sich immer wieder ein „Hold“ ins Rampenlicht der Unterworfenen stellt, um für sie „in die Bresche zu schlagen“.

Auf der anderen Seite muss man auch nur genug Vorgesetzte zur Verfügung stellen, es finden sich immer wieder welche, die sich „zum Schutze“ oder „zum Trotze“ irgendwelchen künstlichen Regeln unterwerfen und damit das noch besser funktioniert, erfindet man auch gleich die passenden Rollen, dazugehörige Privilegien, um künstliches Ansehen zu erzeugen.

Der gewohnte Denker hat eine Menge Götter, da bleibt ihm kein Blick auf das Wesentliche, das Leben selbst, was den ganzen Klumpatsch nicht kennt.

Warum es das alles gibt? Damit sich der einst verletzte Mensch dahinter verkriechen kann, vor sich, vor anderen, vor seinen „Feinden“, vor der Veränderung, vor dem Leben.
Das alles hat ihm ordentlich den Kopf vernebelt und wurde zu seiner einzig von ihm anerkannten Realität.

Hübsch kompliziert wurde alles und für jeden Tinnef gibt es einen Experten, einen Markt der Probleme, die alle unbedingt gelöst werden „müssen“.

„Wir sind der richtige Partner für ihre Probleme.“

Vor allem, weil es nur Symptome sind, lässt sich so ein Geschäftsmodell recht gut und ertragreich in die Länge ziehen.

Die Bekämpfung von Symptomen ist nur die kleine Ausgabe vom Krieg, der heute reichlich verteilt gehandhabt wird, während die „Feinde“ aus allen Lücken hervortreten und sich nur mit entsprechend komplizierten und vor allen großen und teuren Lösungen erst in den Griff bekommen lassen. Ein Irrglaube.

Für ein gutes Geschäft braucht nur die entsprechenden Feinde, die einem den Tag zu vermiesen versuchen, das Erreichte gefährden oder nach dem Leben trachten.

Wer für sich beansprucht erzeugt auch seinen möglichen Verlust. So lebt so mancher in der Vorstellung, sich gegen andere schon mal vorsorglich in eine gesicherte Verteidigungsposition bringen zu wollen, indem er sich, seine Nächsten und auch schon die kommenden Generationen seiner „Iche“ vor Barbaren, Parasiten, Schmarotzern, Räubern und sonstigem Gesindel zu schützen meint.

Der Irrglaube, dass einem etwas oder jemand gehören würde, hat die so Beherrschbaren fest im Griff. Verlustangst herrscht nur, weil die Vorstellung existiert, man „habe“ etwas, was einem gehören würde.

Hinter alle dem steckt das Verhalten unbedingter Erhaltung noch vor notwendiger Veränderung, denn Veränderung bedeutet umgewöhnen, um- und weiterdenken. Weiterdenken und weiter (wie bisher) denken, sind hier zwei paar Schuhe. Warum nicht mal alles von Grund auf neu machen, neu denken?

„Gestern war alles besser“, so heißt es mitunter. Doch was ist das Heute aus der Sicht von Morgen, wenn nicht auch nur ein Gestern?
Der Ursprung dafür findet sich in der anerzogenen Gehorsamsbereitschaft, um von der Autorität später anerkannt und belohnt zu werden. Eine Belohnung für rückwärtsgewandtes Denken und Handeln – also konservative Denk- und Verhaltensweisen.
Dabei wird sich gern nur darum gestritten, welches Gestern man später der Masse zu verkaufen vorhat. Keinesfalls darf es jedoch das Vorgestern sein.

„Nehmt euch so viel, wie ihr tragen könnt.“

Zu leicht ließ sich der Gewohnte einkaufen und auf Pöstchen und Titelchen ein, die für sein Ansehen sorgten, die Macht über andere ließ ihn aufblühen. Und noch immer gibt es genug, die das Prinzip nicht verstanden haben.
Allen voran all jene, die das Arbeiten als Lebenselixier für sich erkannt haben und der finanziellen Freiheit hinterherrennen, während sie nicht wissen, dass ihnen das Erreichte gar nicht gehört, noch sie über den Wert bestimmen, den sie in Form von bedrucktem Papier in Händen halten.

Die einen Kaufleute geben das vermeintlich Wertvolle als „Dar-Lehen“ heraus, die anderen entlohnen gerne damit„ihre“ Mitarbeiter, während andere Kaufleute darüber bestimmen, wie viel man dafür bekommt, siehe: ca. 14 Millionen Reichsmark für einen Laib Brot.

Am Ende kehrt alles zu seinem wahren Wert: Zurück zum Nichts, aus dem es einst entstand. Warum sollte es dazwischen anders sein?

Der Mensch verleiht den Dingen die Bedeutung, nicht die Dinge selbst. Die Veränderung von Bedeutungen ist im Kern das, wo Wandel stattfindet und damit auch, was in der Materie ist.

„Entstehen. Sein. Vergehen.“

Die Tage hieß es, dass 40 Millionen Amerikaner ihre Miete nicht mehr bezahlen können. Ein Phänomen, was man im Kern nicht mit Geld, sondern nur ohne Geld zu lösen in der Lage ist.

Arbeiten, um später mit Zahlen bedrucktes Papier zu erhalten und davon noch Steuern zu entrichten, mit denen Strukturen aufrechterhalten werden, die noch nicht einmal einen Teil zur Gesellschaft beitragen, als nur die Auswirkungen systemimmanenter Unvernunft und Gewissenlosigkeit im Griff halten zu wollen, welche auch die Grundlage für das beliebte Geschäftsmodell sind.

Auch die sieben Todsünden leiten ihren Ursprung von diesen beiden unterentwickelten, menschlichen Eigenschaften ab, die von Generation zu Generation das Spiel aufrechterhalten, mit mittlerweile verheerenden Auswirkungen. Doch wie heißt es nicht selten: Man ist ja allein und kann ja sowieso nichts machen.

An diesem Punkt wird die Opferrolle der Teilnehmer weiter zu Markte getragen. Doch schaut man sich um, so ist das Eis, wo die Volkskuh draufsteht, ziemlich dünn geworden.

Scheinbar ist man gemeinsam doch nicht so stark, doch zumindest reicht es gegen das Leben selbst, von dem man sich einst gehorsam abgewendet hat und in die Hände der künstlichen Autoritäten begab.