Nur scheinbare Gegnerschaften

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(v1.0*) Gerade kam der Gedanke rein, die Systemteilnehmer und ihr Handeln mal grüppchenweise näher darzustellen, da erkennbar ist, dass Gegnerschaft allein kein Garant dafür ist, um damit – ohne den gewohnten Rahmen der Konventionen verlassen zu wollen – irgendwann ein wirksames Ergebnis zu erzielen.

Betrachtet man die von den Akteuren eingenommenen Rollen: Reichspro- und antagonisten, Corona-Gegner und Befürworter, Regierungs- und Parteidarsteller, all jene in der Rolle der klagenden Vorwurfsvollen und Schuldzuweiser, bekannte Medien und jene, die sich in der Rolle der Alternativen zu finden meinen, sie alle „zappeln“ irgendwie herum, während sie versuchen, die grundsätzlichen Veränderungen, die sie auf der einen Seite unwissentlich forderten, gleichzeitig zu umgehen versuchen.

Gleichzeitig kann man allen für ihr Handeln nur danken, denn in der Umkehrung findet sich der Ausweg.

Wer dachte schon darüber nach, dass sich das Fundament ändert und nicht gewohnt nur die Darsteller für die Rollen der „Vermieter“ und „Mieter“ ausgetauscht werden, während die Reparaturen wieder einmal den „Nachmietern“ überlassen werden sollen.

Die gewohnten Akteure müssen vor dem Volke weiter die Rolle der Bösen einnehmen, damit auch die, die sich bisher nur auf dem Komfortsofa mit reichlich Unter-Haltung zu beschäftigen wussten, endlich mal den Arsch bewegen.

Sie alle bewegen sich mehrheitlich im Rahmen ersonnener Gegnerschaft, während die einen einfach weitermachen, beschweren sich die anderen darüber. Die Rollen der Untergebenen und Erhabenen sind klar verteilt. Gewohnter Austausch ist Unfug, die Infragestellung beider Positionen mehr als nur sinnvoll.

Die letzten fünf Jahre haben aus eigener Erfahrung deutlich gezeigt, dass nur all jene Veränderungen gewünscht sind, an die man sich bereits in der Vergangenheit gewöhnt hat. Es soll nur so neu sein, dass es wie das Bisherige ist.
Das macht in der Tat wenig Sinn, da der Blick nach gestern und dessen Wiedergeburt weiter das Denken nach vorne beeinträchtigt, beeinträchtigt durch den anerzogenen Umgang mit dem Signal „Angst vor Veränderung“.

Im Sinne klassischer Politikperspektiven hätte ich vor einiger Zeit der Politik den Vorzug gegeben, und jene, die das Vorgestern verkörpern, mit allen Mitteln bekämpft. Irgendwann erkannte ich, dass die Vorgestrigen aus ihrer Sicht recht haben, schaut man sich die rechtlichen Handlungshintergründe der letzten 120 Jahre im Detail an.
Doch irgendwann kam der Moment, wo ich erkannte, dass zwischen der gewohnten Politik und der von vorgestern prinzipiell kein Unterschied besteht, da sich beide nur aus den üblichen Rollenspielchen konstituieren, was am Ende beide zu Systemanhängern und zu Verkäufern von Scheinwelten werden lässt.

Jene, die sich darin üben, gerecht sein zu wollen, während sie sich gegenseitig der Ungerechtigkeit bezichtigen. Beide sind nur Anhänger eines vom Menschen geschaffenen Rechtssystems, dem positiven Recht!

Das macht sie zunächst unbrauchbar und erst durch die Infragestellung ihrer Handlungsgrundlage, erlangen sie selbst die Bedeutung, die ihnen und ihrem System, in dem sie agieren, zusteht: Die Rollen, die sie spielen, dienen zum Erkennen, wie es nicht funktioniert.

Es ist von wesentlicher Bedeutung, wenn man etwas erkennt, was von seinem Prinzip her nicht funktioniert. Erst dann kann man darüber vordenken, wie es funktioniert, wenn man das Prinzip in Frage stellt.

Das beste Beispiel ist die Bestrebung einem Staat, der sich aus Personen (Rollen, Hüllen) konstituiert, eine menschliche Eigenschaft verleihen zu wollen, die sogenannte Selbstbestimmung.
Dies alles, während der Fokus der Insassen weiter auf arbeiten und Geld verdienen und wieder ausgeben, also auf dem üblichen Hinterherrennen hinter mit Zahlen bedrucktem Papier gerichtet bleibt, und sich andere dabei als gerechte Führer der unvernünftig und gewissenlos Verbliebenen sehen und gesetzlich-vollmundig von Eigentum und Besitz zu sprechen meinen.

Wer also im Rahmen der Weiterführung der Fremdbestimmung von Selbstbestimmung zu reden meint, weiß nicht, was er sagt und sollte – offenkundig – mal den Arzt wechseln.

Wer versucht einem Glaubensgebilde die Souveränität zugestehen zu wollen, versucht sich letztlich nur „selbst über den Tisch zu ziehen“.

Seine Absicht besteht unbewusst darin, jene Denk- und Verhaltensweisen weiter aufrechtzuerhalten, an die man sich gesellschaftlich gewöhnt hat und a) die Grundlage des weltweiten Geschäftsmodells bilden und b) gleichzeitig die gegenseitige Ausbeutung von Natur und Mensch ermöglichen.
In einem derartigen Szenario fühlen sich nur jene in der Rolle der Kaufleute und der Betreuer wohl. Beides künstliche Funktionen innerhalb der alten Ordnung. Wie lange möchte man den Scheiß noch mitmachen?

Konsequente Aufklärung über die Notwendigkeit der Entwicklung von Vernunft und Gewissen, bringt die Konventionen und Traditionen, an denen sich nur allzu gerne festgeklammert wird ins Wanken und damit auch das System.

Wer meint, andere nur lange genug kritisieren zu müssen, lenkt sich nur allzu leicht vom Wesentlichen selbst ab, denn solange Unvernunft, Gewissenlosigkeit, strafvermeidende Gehorsamsbereitschaft und übliche Verdrängungsverhalten zur Anwendung gelangen, wird sich die Situation für alle Systemanhänger nur weiter verschärfen.

„Es ist, als hätten wir vergessen, wer wir sind… Forscher, Pioniere… nicht nur Verwalter.“
„Als ich ein Kind war, kam’s mir vor, als gäbe es jeden Tag irgendetwas Neues, ein Gerät oder eine Idee, als wäre jeden Tag Weihnachten… Aber sechs Milliarden Menschen, stell’ dir das mal vor… und jeder Einzelne wollte alles haben.“ Dialog „Copper und Grandpa Donald“, Interstellar, 2014

Ein Mensch geht arbeiten, um etwas zu produzieren, damit dies auf dem „Markt“ verkauft wird, was wiederum ein anderer erst dann kaufen kann, wenn dieser den Preis dafür entrichtet, durch ein Zahlungsmittel, was gegen Zinsen (Kosten des Geldverkehrs) von einem Kaufmann, dem Bankkaufmann aus dem Nichts erschaffen wird und der Käufer durch Arbeiten erst zu erwirtschaften hat.

„Ja, aber ich muss doch auch leben“, verkünden die Denk- und Verhaltensweisen ihrem Menschen.

Hat man erst einmal das ganze Gerangel aus Re-Gierenden und Gierigen, ihren artigen Befürwortern und auch den Gegnern, als reines Systemverhalten erkannt, kann man die „Waschmaschine der Gegnerschaft“ getrost hinter sich lassen und es mit entspanntem Blick betrachten.

Bei allem handelt es sich lediglich um eine mentale Angelegenheit, wo die Denk- und Verhaltensweisen, Konventionen und Glaubenssätze den Akteur in seinem Handeln beeinflussen und nicht das, was er mitunter gegenteilig zu verkünden meint.

Dabei geht es nicht einfach darum, alles nur schönreden zu wollen, denn das wäre nur kindliches Denken.
Es geht darum, das Beobachtete in einen neuen Sinnzusammenhang zu stellen: Was kann ich aus der Situation lernen? Was ist die Ursache für diese Situation?
Auf diese Weise entwickelt sich langsam ein Bild der Zusammenhänge, was über die übliche Ansammlung von Informationen hinausgeht.
So manches Thema, was von den „Egal-welche-Medien“ präsentiert wird, entpuppt sich dabei mehr und mehr als reiner Nebenschauplatz für die eigene Entwicklung. Die passende Handlungsweise dazu lautet: Prioritäten setzen.

Dabei geht es darum, jenes zu lernen und zu entwickeln, wo man sich selbst und die globale Gemeinschaft wiederfinden mag. Es ist im Kern eine Aufgabe, die größer als man selbst ist und erfordert ein großes Maß an eigener Opferbereitschaft.

„Würden sie ein Opfer bringen?“ „Ja, meinen Nachbarn.“ „Nein, würden sie selbst ein Opfer bringen?“ „Ja, meinen Nachbarn. Sie müssen mir nur sagen, wohin ich ihn bringen soll.“

Der Mensch hat die Fähigkeit, nur so zu tun, als ob. Doch ist das „so tun, als ob“ nichts anderes als ein Spielen, von dem er sich bis zum heutigen Tage nicht wirklich verabschiedet hat, während er sich gegenseitig die Märchenstunde erzählte, es gäbe keine Alternative, weil man dafür ja auch belohnt würde.
Authentizität im offenen Raum, ist der Umkehrschluss des gewohnten Spielverhaltens.

Schwerlich zu verdauen, dass man möglicherweise doch nur einem großen Schwindel erlegen ist, während der „Schein“ einem das Gegenteil vormachen soll.

Nachdem ich über 30 Jahre versucht hatte, ein Teil von einer Gesellschaft sein zu wollen, was mir im Grunde nie wirklich gelungen ist, ist es besser die klassische Gesellschaft und ihre Verhalten dazu zu verwenden, um ihr System mit seinen vielen Fiktionen, öffentlich in Frage zu stellen.

Ich will es so ausdrücken, jene die sich als Systemkritiker oder Querdenker verstehen, sind keine wirklichen. Am besten kann man das daran erkennen, weil sie wollen, dass „Merkel weg muss“.

Ich müsste mich zu sehr verbiegen und mir vormachen, dass Macht, Geld, Gold, Eigentum, Besitz, Hab und Gut etwas wert seien, verbunden mit der Vorstellung, dass mir etwas oder jemand gehören würde.

Letzteres erzeugt jenen Missstand in einer Beziehung, der nur zerstörerisch wirkt: das Machtspiel. Selbst wenn man sich über Verteilung der Rolle des Untergebenen und seines Gegenstücks einig sein mag, handeln beide im Sinne der Abkehr vom Leben.

An dieser Stelle tritt die Verwerflichkeit des Systems der alten Ordnung deutlich zu Tage. Selbst dann, wenn man sich über die Positionen noch so einig sein mag.

Das ist alles nicht schlimm, weil der Mensch erst einmal lernt, wie seine Beziehung zum Leben nicht funktioniert.

Vielleicht denkt er irgendwann mal darüber nach, wie es anders sein kann, ohne dass er wieder auf den Dachboden geht, um in einer alten Kiste nur nach den Orden der Vergangenheit wühlen zu wollen.

Ist es nicht von besonderer Bedeutung, dass man sich um das Fundament Gedanken macht, worauf das gemeinsame Haus jetzt und in Zukunft stehen soll? Denn nur auf einer Fiktion lässt sich nur eine andere Fiktion stellen. Es ist notwendig, über den gewohnten Horizont zu hinauszublicken.

Auf diese Weise kann sich der Mensch ausdehnen, ohne dass er einem anderen schadet, wenn er sich selbst entwickelt, statt nur im Haben.

Anmerkung: Wer sich das alles nicht vorstellen kann, liegt dies nur daran, dass ihm sein „Ich“ sagt, was er sich vorstellen darf.

Vorreiter all dieser Gedanken waren einst all jene in der Rolle der Rechts- und Reichsaufklärer. Ihnen sei für ihr Tun und ihre Beharrlichkeit in der Sache gedankt, denn sonst wären wir heute nicht hier.

Dennoch ist die Aufgabe von größerem Umfang, als man sie in einer „staatlichen Wiedergeburt“ erkennen mag.

Der Dank gehört auch all jenen, die alles daran setzen, notwendige Veränderung verhindern zu wollen, da in der Umkehr ihres Handelns der Ausweg zu erkennen ist.

So am Rande.