Der rote Faden – Teil 1: Vorgedanken

Wie formuliert man Gedanken, „die dem Volk aufs Maul geschrieben sind“, wenn der übliche Dialog fehlt, so dass etwas aufgenommen, mit einem „Aha!“ verstanden werden und man von beiden Seiten her konstruktiv darauf aufbauen kann? Und wo fängt man damit an?

Da fällt mir „spontan“ das Recht ein, was man in der Regel mit Gerechtigkeit verbindet. Dass die Realität jedoch anders ausschaut, kann sich mittlerweile eine wachsende Mehrheit Betroffener vor Augen führen.

Und wenn die empfundene Ungerechtigkeit später noch per Urteil im „gelben Umschlag“ die Türschwelle überschreitet, scheint die Welt zunehmend komisch zu werden und alsbald ist das Maß ist voll – zumindest für den Betroffenen.
Ich habe das jetzt extra „eingedampft“, sonst kommt man „vom Stöckchen aufs Hölzchen“ – ein beliebtes Verhalten vom Ich.

Beginnt man sich mit der Wirksamkeit von Gesetzen zu beschäftigen, weil einem das Gefühl nicht mehr loslässt, dass irgendetwas nicht stimmt, erkennt man später – vereinfacht ausgedrückt – eine willkürlich-opportune Motivation dahinter.
Entweder gibt man sich geschlagen und geht mit einem Gefühl der Unterdrückung durchs Leben und mit der Erkenntnis, dass es nur die Macht ist, die zählt und die Gesetze nur Handlungsermächtigungen darstellen oder man beginnt zu „kämpfen“, was sich irgendwann in einem wirkungslosen Beschäftigen erschöpft.

Man kann das System mit seinen eigenen Mitteln aushebeln, indem man seine Paradoxien ausdeckt und diese in den öffentlichen Raum stellt. An diesen Stellen fängt darüber hinaus der Infragestellungsprozess an, der einen selbst dazu bewegt, sich zu fragen, wenn es überhaupt nicht funktioniert, wie könnte es dann funktionieren.
Um hier gleich einen Dämpfer zu geben: Es nützt nichts, nur die Gesetzesgrundlagen und Regelwerke gegen andere auszutauschen. Das ist nicht weit genug gedacht. Es ist also erst einmal eine mentale Angelegenheit. Gestern bleibt gestern. Punkt.
Ein unterwürfiges Verhalten gegenüber anderen Autoritäten an den Tag zu legen, ist ebenfalls überholt.

Um es hier auf den Punkt zu bringen, alles was sich der Mensch unter der Knute seines konditionierten Ichs geschaffen hat, ist lediglich der traurige Versuch, sich nur von dem eigenen Erwachsenwerden schützen, bzw. dieses Erwachsenwerden unterdrücken zu wollen und wendet sich so ganz nebenbei gegen das Leben und seinem Entwicklungsprozess an sich.

„Verhaltensmuster ändern sich nie, sie sterben immer nur aus. Ich hoffe, jeder kapiert, was ich damit sagen will und welche Chance auch darin für ihn selbst enthalten ist.“

Zu den Verhaltensmustern gehört die Art wie der Mensch aufwächst, wie er konditioniert wird, wie er mit seinesgleichen umgeht, wie er sich gegenüber der Natur sieht und verhält, wie er sich selbst sieht und präsentiert, mit welchen Ordnungsprinzipien (Belohnung für das Artigsein und Bestrafung gegen das Artigsein) und Regelwerken (Konventionen, Geld- und Rechtssystem) er sich umgibt.
Alles Bisherige entstammt seinen Konditionierungen und dem Versuch, das Alte (das Gewohnte) auf „Biegen und Brechen“ (mit allen Tricks und Mitteln) beibehalten zu wollen.

Also: Ohne Infragestellung der eignen Verhaltensmuster, die im „Ich“ abgelegt sind  und es selbst repräsentieren, kommt somit immer nur die alte Sauce dabei raus. Aus diesem Grunde wird es dann in der Regel auch ganz still, weil es ab da ans „Eingemachte“ geht. Denn auch die Konventionen, Geld- und Rechtssystem mit seinen künstlichen Regelwerken sind davon abgeleitet.

Unter dem Aspekt künstlicher Rechtsgrundlagen, kann man – weit vorgewagt – sogar die zehn Gebote in das Regal der Geschichte stellen, wenn man erkennt, dass es nur Regeln sind, die die eigentliche Verhaltensursache des Menschen, verantwortlich für den aktuellen Systemzustand nur täuschend umhüllen – zu vertuschen und zu verschleiern versuchen. Dies nur, damit der Mensch nicht darüber nachdenken will, muss, soll oder mag.

Dabei unterliegen auch die zehn Gebote einem „Neusprech“, um die unnatürliche Ordnung der Hierarchie nur weiter aufrecht zu erhalten – auf der anderen Seite beinhalten sie auch die Steilvorlage zur Aufgabe der Infragestellung durch den Menschen selbst.
Wobei wir mit den zehn Geboten nun auch bei den Anfängen gesetzlicher Grundlagen und ihrer grundsätzlichen Existenz angelangt sind:

„Der symptomhaften Regulierung (durch fortgeführte Fremdbestimmung) gesellschaftlich tolerierter Unvernunft und ihrer Beibehaltung, um die Existenz Recht sprechender und gerechter Vorgesetzer und deren autoritäre Position beibehalten zu wollen.“

Wenn man die eigentliche Funktion der Vernunft in sich selbst erkennt und entwickelt, bedarf es keiner zehn Gebote mehr. Das regelt sich dann „von selbst“.

„Es regelt sich nichts von selbst“, bekomme ich dann gewöhnlich zu hören, wobei der Satz in der Regel aus dem gewohnt konditionierten Ich kommt, was sich dagegen wehrt, dass es mehr gibt, als nur seine Vorstellung von Kontrolle.

„Ja, aber…“ „…ist damit auch die Rechtfertigung des „Ichs“, weiter in einem Umfeld gegenseitiger Befeindungen weiter bestehen zu wollen. Denn wenn alle „gleich“ sind, braucht sich niemand zu verändern. Die Nummer geht jedoch gerade zu Ende und so mancher entpuppt sich als rückfällig.“

„For you partake of that last offered cup,
Or disappear into the potter’s ground.“

Johnny Cash, The Man Comes Around

Das einzige Weg weiterzukommen ist, sich auf diesen Umdenkprozess einzulassen, sich also selbst zu verändern. Da steht einem komischerweise auch niemand im Weg, außer man selbst. Denn sich mit Feindbildern zu beschäftigen lautet: Sich von eigenen Ich „bei Laune halten“ zu lassen und sich so seinen Regeln (den wirkenden Konditionierungen) zu unterwerfen.

„Ja, aber wir müssen doch eine Grundlage haben, woran sich alle zu halten haben.“ „Ja, im Außen ist man gern bei der Sache, solange sich der Mensch selbst nicht mit seinem Wesen, seinen Konditionierungen und mit seiner beibehaltenen Unvernunft zu beschäftigen braucht und weiter an der alten Weltordnung festzuhalten gedenkt.“

Die vielbesagte Vernunft ist dabei nicht die gewohnte Interpretation, nur genug von allem sicher zu haben, sondern der intuitiv getriggerte Prozess zwischen bedingungslosem Geben und bedingungslosem Empfangen. Erst in der Bedingungslosigkeit entpuppt sich auch der Ort der eigentlichen Gerechtigkeit und dem Richter in einem selbst, verantwortlich für das eigene Handeln.

Man braucht also nicht nur gewohnt „gegen das System“ zu sein, wenn man es durch den Prozess der Infragestellung unterwandern kann, indem man in sich selbst die Verhaltensmuster entwickelt, die man im Außen von anderen fordert.

Zunächst beruft man sich auf Althergebrachtes, um an ein anderes „Rechtssystem“ glauben zu wollen, was dem betroffenen Individuum mehr „Gerechtigkeit“ verheißt und die Ungerechten ihrer „Bestimmung“ zuführt. Gerechtigkeit ist hierbei mit Sieg über den anderen und mit einem Gewinnen verbunden.

Rache ist dabei das älteste Verhalten, wo sich ein Mensch gegenüber den Prinzip der natürlichen Ordnung (durch Selbstregulierung) erhebt und über einen anderen Menschen richtet.

Ich gehe an dieser Stelle nicht auf die vielen Fälle näher ein, kann jedoch aus heutiger Sicht sagen, dass die Aufgabe des Menschen nicht darin besteht, ein geschaffenes Rechtssystem nur durch ein anderes ersetzen zu wollen, wenn der Grundtenor in beiden von ihm (künstlich) geschaffenen Rechtssystemen der gleiche ist und sich durch Belohnung und Bestrafung und Fremdbestimmung durch „andere, gerechte Vorgesetzte“ zum Ausdruck bringt. Somit auch die Begründung, dass es im Kern keiner Gerichte bedarf.

„Ja, aber die „anderen“ muss man doch kontrollieren.“ „Es kommt darauf an, aus welcher Sicht die anderen, die „anderen“ sind, die zu kontrollieren es notwendig scheint. Wie gesagt: das Zauberwort lautet: Vernunft. Das Gewissen ist dabei der Regelmechanismus mit entsprechender „Signalwirkung“.“

Über die Entwicklung der Vernunft transformiert sich der Mensch von der Fremd- hin zur Selbstbestimmung – stark vereinfacht ausgedrückt.

„Wenn man einen Berg besteigt, dann kann man den anderen zwar davon erzählen, wie es da oben ist. Jedoch muss sich jeder selbst aufmachen, um seine eigene Erfahrung zu machen.“

Es geht darum, dass es aus dem Innen heraus (vor)gelebt wird, und nicht irgendwo auf einem alten vergilbten Zettel steht. Dabei sollte man darauf achten, wenn man es im anderen nicht erkennt, ist es das Zeichen dafür, dass es in den Programmierungen des eigenen Ichs nicht oder nur rudimentär vorhanden ist.

Es geht also um Selbstentwicklung, -findung, -liebe, -vertrauen, -wert, -bewusstsein, -disziplin und -bestimmung. Selbst ist in einem selbst und kann nur dort entwickelt werden. Denn man kann etwas nur wahrnehmen, was man selber in sich trägt.

An dieser Stelle macht auch die „Hochzeit von Kana“ Sinn, wenn das Selbstbewusstsein das Wasser (alte Programmierungen des Ichs, Fremdbestimmung) in Wein (Selbst-) verwandelt. Man sieht erst die Erkenntnis, dann nachesen und nicht vorher was lesen, was einem dann den Kopf vernebelt, weil man in der Regel materiell unterwegs ist und überall nur „Materie“ sieht.

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