Einander begegnend – eine Weile begleitend

Ob als Mann oder Frau, begegnet man eines Tages einem Menschen, mit dem man tiefe Verbunden- und Vertrautheit erlebt – erfährt. Vielleicht das erste Mal oder sogar schon oft.

Und je weniger Bedingtheiten man sich selbst und einander aufbürdet und bei sich selbst bleibt, je erfüllender erleben wir das, was wir mit Liebe bezeichnen mögen.
Liebe – dieses Etwas, was man nur schwerlich in Worte zu fassen vermag, jedoch dies dann am besten zu gelingen scheint, wenn man sich von ihr berührt fühlt.

„Wenn ich sage, dass Liebe etwas ist, dass wir nicht erfunden haben… Sie ist… wahrnehmbar, kraftvoll…Sie muss etwas bedeuten…Vielleicht bedeutet sie noch etwas anderes. Etwas, dass wir nicht… noch nicht verstehen können.

Vielleicht ist sie irgendein Beweis, ein Artefakt einer höheren Dimension, die wir gar nicht bewusst wahrnehmen können. Ich fühle mich durchs Universum zu jemandem hingezogen, den ich zehn Jahre lang nicht gesehen habe. Wohlwissend, dass er wahrscheinlich tot ist.

Liebe ist das Einzige, was für uns spürbar ist und die Dimension von Zeit und Raum überwindet. Vielleicht sollten wir darauf vertrauen, auch wenn wir es noch nicht verstehen können.“ Dr. Amelia Brand, Interstellar

Es sind jene Bedingtheiten, die wir uns selbst einander durch „liebevolle Verträge“ auferlegen. „Ich tue alles für ihn, alles für sie.“ – und irgendwann sind die getanen Dinge „für den anderen“ so reichlich geworden, dass entstandenes Wirrwarr sich wieder auflösen mag. Man nennt es Streit. Geschehen, da ein wesentliches Prinzip nicht beachtet wurde: die Bedingungslosigkeit.

„Tue alles stets für Dich selbst – so gut wie Du es vermagst. Der andere mag sich selbst darin wiederfinden wollen.“

Aus jenen Bedingtheiten werden Ketten der Gewohnheit. Der Mensch als zu besetzendes Gebiet. Und wenn man im Außen den Versuch bedingter Liebe und Zugehörigkeit durch Anpassung an jene Vorstellungen des anderen zu erfüllen versucht, macht man sich selbst zum Opfer – sich dabei zunehmend selbst entfremdet.

Die Bedingtheiten zunächst einmal zu erkennen und über die Bedeutung von Bedingungslosigkeit nachzudenken, ungeachtet ihrer praktischen Umsetzung, ist bereits jene Herausforderung und Beginn an der Arbeit an sich selbst. Und nur hier kann man sich selbst im Wege stehen – niemand sonst.

Die letzten Tage kam so ein Gedanke, da mich vor langer Zeit eine Frau darauf aufmerksam gemacht hatte: „Man müsse erst mit der alten Beziehung abgeschlossen haben, bevor man sich in eine neue begebe.“

Das hat mir einfach keine Ruhe gelassen. Denn jenes Erlebte (Erliebte) lebt ja in einem weiter, wenn auch nicht mehr so präsent, zeigt es sich jedoch in jenen Momenten spontaner Erinnerung, im täglichen Handeln oder sei es nur durch einen Windhauch.

In diesen Momenten wurde mir klar, dass auch hier ein „entweder oder“ nur eine unbrauchbare Bedingung und „Lösung“ darstellt. Zumindest habe ich dies für mich so erkannt. Was mich erkennen ließ, kann ich nicht einfach aus mir herausschneiden, verdrängen oder abschütteln.

Wenn ich zurückblicke und mir jene Momente nochmals vor Augen erscheinen, bleibt ein Lächeln. Jede Frau auf ihre eigene Art und Weise. Doch sind jene Gedanken, Momente und Erinnerungen fern von Leid, Besitzanspruch oder Fokus. Sie begleiten – berühren.

Liebe ist etwas, was einen selbst erfüllt, sich lautlos in Raum und Zeit verteilt – einhergehend, jene Leichtigkeit innerer Berührtheit.

„Liebe ist“, heißt es sehr oft. Nicht selten fallen sich Menschen euphorisiert um den Hals. Jedoch lässt sie sich nicht als pauschale Werbefloskel und Marketingstrategie verdingen, um als Zweck gelegentlich die Mittel heiligen zu sollen.

Sie ist – etwas anderes. Tiefer gehend – jedoch nicht kompliziert.

Nur die Bedingtheiten, mit denen wir uns binden, festzuhalten, zu sichern versuchen, machen es kompliziert, bis sie solange ausbleibt – oder wir uns trauen – in der Regel nur uns selbst trauen mögen.