3020 – oder: Was nicht weit genug gedacht war,…

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(v1.1*) … bekämpfte sich ganz früher recht gerne. Denn: Der andere war immer der Böse, der Gegner, der Feind.

Meine liebe Bekannte aus Recklinghausen sagt hin und wieder, was ich so schreibe, kommt sowieso erst in tausend Jahren.

So habe ich mich heute mal dazu entschieden, „von dort“ einen Blick zurück in die aktuelle Vergangenheit zu wagen. Der Leser ist dennoch nur wenige Schritte davon entfernt.

Ein Phänomen der damaligen Zeit, war dieses sich ständige bekämpfen wollen, weil es immer nur darum ging, Meinungen und Sichtweisen gegen andere ausgetauscht sehen zu wollen.

Doch solange wie man dafür kämpfte, um den „Gegner“ zu überzeugen oder niederzumachen, wurde dabei nicht erkannt, dass die Sichtweisen, der sich bekämpfenden Akteure, insgesamt nicht weit genug gedacht waren.
Der sich im Urschleim seiner Entwicklung bewegende Mensch, war ausgestattet mit Taktik, Strategie und Waffen aller Art – jedoch auch mit Klagen, Jammern, Greinen, Demonstrieren und sich beschweren – Ventilfunktionen für das selbstgeschaffene Leid.

Denn wäre es weit genug gedacht gewesen, wären den Gegnern keine vernünftigen Argumente mehr dagegen eingefallen – außer „natürlich“ – nur grundsätzlich einfach dagegen zu sein.
Und so blieb den Teilnehmern im Rahmen ihrer gewohnten Verdrängungsabsicht nur die übliche Diskussion. Statt konstruktivem Dialog, gab es nur gewohntes Gegeneinander.

„Ist das nicht das Ziel? Der Grund, warum wir kämpfen, um das Kämpfen zu beenden? Damit wir nach Hause kommen?“ „Tony Stark“, Avengers: Age of Ultron, 2015

Einer Situation in der Gegnerschaft zu begegnen sorgte dafür, dass alle eines gemeinsam hatten: Sie blieben auf ihrer Bewusstseinsebene einfach nur stehen.
Nur wenige Akteure machten sich die Mühe, sich selbst(!) wirklich entwickeln zu wollen.

Für die meisten bestand „Entwicklung“ darin, das Erreichte nur weiter zu mehren, zu sichern und zu verteidigen, was ihnen zu gehören schien. Wer besaß war gleichzeitig besetzt, doch dies sah kaum jemand.

Man hatte sich damals nie Gedanken darüber gemacht, dass der natürliche Entwicklungsprozess des Menschen im Sein, in ein Haben des Menschen umerzogen worden war. Dies von den eigenen Leuten, die einem nahestanden.

Doch suchte man die Schuldigen in der Politik, in der Gesellschaft und in den Konditionierungs- und Bildungseinrichtungen, die sich die bereits erfolgreich „verabreichten“ Verhaltensweisen nur für sich nutzten, um später daraus einen gefügigen Systemarbeiter zu machen.

Wem fiel schon auf, dass man die Kinder selbst entfremdet hatte und später die Entfremdung nur weiter ausgebaut wurde, um aus ihnen sachdienliche Untergebene machen zu wollen, was man natürlich belohnen musste. Damit der Zustand so aufrechterhalten werden konnte.

„Liebe Parteifreunde, das neue Schuljahr hat begonnen. Am Dienstag wurden überall in Hessen die neuen Erstklässler eingeschult. Eine Einschulung in ganz außergewöhnlichen Zeiten, die wir alle so noch nie erlebt haben. Die Schulen sind sehr gut aufgestellt und handeln verantwortungsbewusst. Auch wenn uns Corona sicherlich noch eine Weile begleiten wird, können die Eltern ihre Kinder in guten Händen wissen.“ Politischer Newsletter vom 21. August 2020

Jede Meinung wurde mehrheitlich in den beiden Kategorien „dafür“ oder „dagegen“ gehandhabt.
Da war es natürlich schwer, jemanden für Gedanken zu sensibilisieren, die über das gewohnte Denken hinausgingen. Denn das Gewohnte hilft in einem Wandel nicht weiter, nur seine konsequente Infragestellung.

Das wiederum war der Ausweg aus der selbst geschaffenen Misere, indem sich die Menschen zunehmend vom System ablösten, was sie sonst durch Festhalten an ihren gewohnten Denk- und Verhaltensweisen am Laufen gehalten hatten, durch Infragestellung des Systems, ihren Autoritäten und letztlich auch ihren eigenen Denk- und Verhaltensweisen.

Man hatte irgendwann verstanden, dass das Ganze nur eine rein mentale Angelegenheit gewesen war.

Recht viele verstanden es nicht und wollten es auch nicht verstehen. Denn war der Schlüssel, um aus der geistig geschlossen erscheinenden Haltung herauszufinden, sich selbst einzugestehen, dass man auf seine eigenen Glaubenskonzepte hereingefallen war. Daran hingen die ganzen Vorstellungen vom Haben, also dass einem etwas oder jemand gehören würde, das oder den man kaufen oder notfalls an sich bringen konnte.
Da dies allgemeine Spielregeln des Systems waren, ging es darin ums Gewinnen oder Verlieren. Jedoch waren die Kontrahenten nicht in der Lage, über den selbst aufgestellten Horizont hinauszudenken.

Der typisch politische Links-Rechts-Kindergarten lebte damals von der Hoffnung, dass sich einer irgendwann erfolgreich durchsetzen würde – im Sinne einer Endlösung.
Dabei orientierten sich die Gläubigen nur an den üblichen, künstlich geschaffenen Ideologien – zu trotzig, um über den gewohnten Tellerrand hinauszublicken.

Am Ende stellte sich heraus, dass sie doch nicht so schlau gewesen waren, wie sie gedacht hatten.

„Die Menschen sind seltsam. Sie denken Ordnung und Chaos wären im Grunde genommen Gegensätze und wollen das Unkontrollierbare kontrollieren. Doch es liegt Anmut in ihrem Scheitern.“ „Vision“, Avengers: Age of Ultron, 2015

Die Vorstellung, man müsse unbedingt über ein „Volk“ regieren, hielt die bunten Polit-Streber fest im Griff, wie auch ihre auf „Erlöser“ hoffende Gefolgschaft, die sich gerne belohnt regieren ließ und deshalb seine Betreuer auch sorgfältig aussuchte.

Nur Gierige brauchten damals eine „Re-Gierung“. Doch wer dachte schon darüber nach, dass seine „Vernunft“ doch nicht so vernünftig war, da ihm überall Vorgesetzte und Vorschriften erwarteten. Damals.

„Verzeiht. Ich weiß, ihr meint es gut. Ihr habt es nur nicht zu Ende gedacht. Ihr wollt die Welt beschützen, aber ihr wollt nicht, dass sie sich ändert. Wie kann die Menschheit gerettet werden, wenn sie sich nicht entwickeln darf?“ „Ultron“, Avengers: Age of Ultron, 2015

Aus der klassisch „linken Polit-Kurve“ kam mal die Aussage, Gier käme von der Macht, was jedoch ureigener Unsinn war. Hinweise, was das System sei, wurden dabei geflissentlich übersehen, während man innerhalb der künstlich geschaffenen Legislaturperioden weiter an den systemgesellschaftlichen Symptomen herumzuzimmern wusste. Die Zahl der Beschäftigten wuchs.

Im Kern gab es nämlich keine Bösen anderen. Denn sowohl die damaligen Betreuer und ihre Betreuten hatten miteinander einen gesellschaftlich ungeschriebenen Vertrag, der alle fest im Griff hielt.
Wer ahnte damals, dass dieser sowohl für den Gruppenzwang wie auch für die gewohnten Gegnerschaften verantwortlich war?
Während mit dem Finger auf die „wahren“ Schuldigen gezeigt wurde, schoben sie sich gegenseitig an den gemeinsam erstandenen Abgrund – einem Abgrund in ihren Köpfen.

Wer über die Dekaden zurückschaute, konnte deutlich einen zunehmenden strukturellen Verfall erkennen.
Während das Gestern die gedankliche Heimat war, war das Jetzt besetzt vom Streben im Haben, damit das Morgen wieder so schön, wie das Vorgestern sein sollte. Jedoch war genau das Gegenteil der Fall.

Wer kam damals schon auf die Idee, dass die Dinge nur wie die Dinge waren und der Mensch in jedem Moment seines Handelns die Möglichkeit hatte, grundsätzlich etwas zu verändern – wenn er nur gewusst hätte, was die wesentliche Ursache für alles gewesen war.

Und so erlebte er nur sein selbst geschaffenes Leid, wofür er jedoch „Anderen“ die Schuld gab. Auf diese Weise drehten sich alle fleißig im Kreise, und wer darüber hinausdachte, der gehörte einfach nicht mehr dazu.

„Schaf ist, wer sich wie ein Schaf verhält – besser: Schaf war, wer sich wie ein Schaf verhielt.“

Der Fokus aufs „geheiligte“ Gestern sorgte damals dafür, alles weiter aufrechterhalten zu wollen. Man sprach früher dabei von wirtschaftlicher Entwicklung, die sich wiederum aus der belohnten Beschäftigung mit Symptomen des Systems nährte. Sozial war, was Arbeit schaffte.

Man hatte der Sklaven-Herren-Moral einfach neue Begrifflichkeiten zugeordnet, wo sich die einstigen Feudalherren nun „Banker“ nannten, was man anhand von Dar-Lehensverträgen wiedererkennen konnte.
Der gläubigen Masse hatte man über die Jahrhunderte untergejubelt, dass „Geld“ das Wesentliche sei, was eben jene Banker herausgaben, für dass man arbeitete und mit dem man etwas kaufen oder tauschen konnte.
Wer dachte schon daran, dass es nur ein Mittel war, die mental gefügig erzogene Masse nur damit kontrollieren zu wollen?

Wer ahnte schon, dass in der Familie die Grundlagen für das System geschaffen wurden, um eben gehorsamsbereite Untergebene hervorbringen zu wollen, während jene der Gesellschaft, der Bildung oder der Politik die Schuld gaben.

Zwischendurch kam das Reichsgeplänkel dazu, wo man der Meinung war, dass nicht das Gestern, sondern das Vorgestern das „bessere Gestern“ gewesen sein sollte.
Wer ahnte damals, dass man sich gesellschaftlich kollektiv vom nach vorne Denken und damit verbundener Entwicklung, bereits in der Kindheit in der „lieben Familie“ verabschiedet hatte?

Wer ahnte, dass sein Streben nach gestern auch mit der anerzogenen Angst vor dem eigenen Tot zu tun hatte? Wer wusste schon, dass ihm noch nicht einmal das Leben gehörte, an was sich so mancher zu klammern meinte, während es nur das Pendant „Existenz“ war und nicht das Leben selbst? Wer verstand das überhaupt?

Der ordinäre Denker kannte nur zwei Rollen: Macht über andere oder die eigene Unterwerfung, und die am besten belohnt.
Belohnt mit Privilegien, die nur vereinbarte Erfindungen waren, um sich nur gegenseitig unterwerfen zu wollen.

Das alles erkannte man jedoch erst dann, wenn man sich selbst entschlossen entwickelte – im Sein. Denn „Schlau“ reichte für gewöhnlich nur für die Teilnahme am System der alten Ordnung.

Aus der gewohnten Sichtweise, die durch die gewohnten Denk- und Verhaltensweisen beeinflusst sind, konnte man es zwar verstehen, jedoch fehlte es der Mehrheit an notwendiger Entscheidungskraft, die sie in der Fremdbestimmung nie hatte entwickeln können, etwas Grundsätzliches zu verändern.
Für sie funktionierte es nur dann, wenn sie selbst jemanden unterwerfen konnte, wie bspw. ihre eigene Nachkommenschaft oder die Natur.

„Meine Freunde, es steht eine Revolution bevor. Wenn die Menschheit entdeckt, wer wir sind, wozu wir in der Lage sind, dann müssen wir alle eine Entscheidung treffen: Versklavung oder Machtergreifung. Die Entscheidung liegt bei euch. Aber denkt daran, wer nicht für uns ist, ist zwangsläufig gegen uns. Also… ihr könnt leiden und für die Menschen kämpfen, die euch hassen und fürchten. Oder ihr könnt euch mir anschließen und leben wie Könige… und Königinnen.“ „Sebastian Shaw“, X-Men: Erste Entscheidung, 2011

Mit der gewohnten politischen Denke – einschließlich derer, die sich nicht mit dem üblichen Gestern zufrieden gaben, sondern – fest entschlossen – sogar im Vorgestern bewegten, war damals niemand in der Lage (aufgrund der darin wirkenden und gesellschaftlich als „normal“ erachteten Denk- und Verhaltensweisen), die Ursachen für die sicht- und spürbar wahrgenommenen „Probleme“ zu erkennen. So war es letztlich an allen, doch noch einen Umdenkprozess anzustoßen.

Auf diese Weise war es dann möglich, global-gesellschaftlich eine neue Richtung  einzuschlagen.
Denn erst mit der Entscheidung das Denken wieder in die eigenen Hände zu nehmen, erwuchs in den Menschen auch die Fähigkeit, die Dinge wieder selbst zu gestalten.

Am längsten brauchte es, bis die Menschen erkannten, dass ihnen nur ein gemeinsamer Dialog weiterhelfen würde, verbunden mit der Notwendigkeit, das System der alten Ordnung in seinen Prinzipien zu verstehen und selbstständig durch Umkehrung dieser Prinzipien die Lösungen zu erkennen.

Dazu war es notwendig, den heimischen Platz in der Virtual Reality aufzugeben und wieder in die Realität zurückzukehren.

Was die meisten Akteure anfangs nicht erkannten, dass das was sie erlebten, sie nur darauf aufmerksam machte, etwas zu verändern, nämlich an sich selbst zu arbeiten.

Was sie zu Beginn nicht wussten, dass es keine anderen Schuldigen gab und sie dies nur glaubten, weil es normal erschien. Später erkannten sie, dass sie schon immer für all ihre Entscheidungen  verantwortlich gewesen waren und heute noch sind.