Der gewohnte Mensch…. Teil 1

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(v1.0*) …kennt in der Regel nur die Existenz und hält diese für alternativlos, weil er sich gleichzeitig auch im „entweder… oder“ (Zum Beispiel: „Geld haben“ oder „kein Geld haben“) bewegt, also die „Alternative“ für ihn nur das „Nichts“ und damit verbundene Bedeutungslosigkeit sein würde.

Dieser Mensch lebt nicht wirklich, er überlebt lediglich, weil er Macht, Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut und dass ihm etwas oder jemand gehören würde, als sichtbare Grundlage seiner Existenz zu verteidigen meint.
Nicht zu vergessen, die irrige Vorstellung, „ihm“ würde „sein“ Leben gehören, während die größte Täuschung jene ist, dass er sich für sein „Ich“ hält, für seine Person hält.

„Es ist leicht, Leute zu belügen, die sich schon selbst belügen.“ „Mysterio“, Spider-Man – Far From Home, 2019

Aus der Vorstellung heraus, dass einem etwas gehören würde, leitet sich auch der mögliche Verlust ab und hier findet sich für gewöhnlich auch die anerzogene Grenze menschlichen Daseins. Dahinter gibt es für den Menschen nur das Nichts und die Bedeutungslosigkeit – seine Bedeutungslosigkeit. Der gewohnte Mensch, der vor dem Nichts steht, blickt letztlich nur in sein eigenes „Ich“.

„Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Bedeutungen, die wir den Dingen verleihen.“ Epiktet 2.0

Mal offen gefragt: Mit welchen Gesetz will man dies den Regeln? Sicher kann man sich weiter etwas vormachen und nach „gerechten Vorgesetzten“ Ausschau halten, die es irgendwann für die Komfortsofa verwöhnte Bevölkerung regeln. Da kann ich Sie beunruhigen: Das wird nie der Fall sein.

Wer kommt schon auf die Idee, dass der Mensch in der Lage ist, die Bedeutungen, die er den Dingen für gewöhnlich verleiht, auch ändern kann, jedoch nur dann nicht, wenn seine Denk- und Verhaltensweisen über ihn herrschen, während ihm einfach nicht einfallen mag, dass es um die Rückkehr zu seiner vergessenen Entwicklung geht.

„Zu Beginn schweigt man, weil man gehorcht. Dann schweigt man, damit man was „wird“, und am Ende schweigt man, damit man das Erreichte behält.“

Der denkende Mensch würde sich mit der Frage auseinandersetzen, ob er sich weiter für mit Zahlen bedrucktes Papier zu versklaven bereit ist oder nicht, wo es nicht einfach nur um „haben“ oder „nicht haben“ geht.
„Ich kann ja nicht anders“, oder: „Man kann ja sowieso nichts ändern“, ist nur das passende Eingeständnis zur gewohnten Opferhaltung und Verlustangst.

Das 11. Gebot: „Niemand wird verschont.“

Das mit der Opferhaltung kann oder mag man sich zunächst irgendwie nicht eingestehen wollen – für gewöhnlich kann man es auch nicht erkennen, – weil es alle ja so machen – und so der Vergleich fehlt.
Der Gewohnte weiß nicht, dass er vom Leben abseits(!) verwaltet wird, während er denkt, dass tägliches Überleben, bereits das Leben sei. Weit gefehlt.

Und wenn alles keinen Sinn (das Wesen der vom Menschen künstlich geschaffenen Systeme (auch die Institutionen) bedarf eines Sinnes) mehr zu machen scheint, übt er sich in seiner Verzweiflung in der Gewalt gegen sich selbst oder andere oder in Regression, Resignation und lautem Wehklagen.

„Nicht klagen, entscheiden.“ A. Merkel

„Ich wollte Macht, um meine Feinde zu vernichten. Ihr habt mir Macht gegeben, um meine Dämonen zu vernichten. Und um zu leben mit den Gesetzen der Natur.“ „Wir entkommen niemals unseren Dämonen, Mordo. Wir lernen nur, um uns über sie zu erheben.“ Dialog aus Dr. Strange, 2016

Wer kommt schon auf die Idee, dass sein „Ich“ für ihn das Regel, nur damit er so bleibt, wie er ist und den Ausweg über die eigene Entwicklung vorsorglich schon mal ausblendet.

„Wer Angst vorm Sterben hat, hat auch Angst vorm Leben.“

Die Todessehnsucht – besser: die Hoffnung auf Erlösung, kann man sehr gut an den Zahlen unter den Beiträgen ablesen, wenn bspw.ein Kanal wie „Unzensiert“ über 28.000 Interessierte oder der Beitrag „Der Tod der Deutschen (Denk- und Verhaltensmuster)“ fast 12.000 Interessierte gefunden hat – weil die Realität ja schließlich so ist – während kaum jemand in der Lage ist, seine eigene Haltung zu ändern, eben weil er denkt, er sei seine Denk- und Verhaltensweisen.

„Alle Menschen sterben, doch nur wenige leben.“

Der gewohnte Denker erkennt nicht die Macht, die er in sich trägt, weswegen es auch nichts nutzt, wenn es Hunderttausende von seiner Sorte gibt.

Der Mensch, der in der festen Vorstellung unterwegs ist, dass ihm etwas oder jemand gehören würde, was er deswegen auch zu verlieren meint, wird die Grenze hinüber zum Leben zu vermeiden wissen. Denn da – einmal darüber hinaus – lässt sich kein „Geschäft“ mehr machen. Es gibt auch kein Zurück mehr.

Wer kommt schon auf die Idee, dass die alternativlose und deswegen auch „ernst“ erscheinende Existenz mit ihren lockenden „Vorteilen“ (und nun mehr und mehr überwiegenden „Nachteilen“), nur eine Invertierung des Lebens ist und es vom Menschen lediglich einer Entscheidung aus freiem Willen und Mut bedarf, um den ersten Schritt zu gehen.

Denn was ihn in der „alternativlosen Existenz“ gefangen hält, ist nur seine anerzogene Abkehr vom Leben, weg vom Selbstvertrauen, hin zum Vertrauen zu „Autoritäten“, die schon wissen, was für ihn „gut und richtig“ sein soll. Einmal mehr, die eigene Haltung zu überdenken.

Es gibt immer noch einige, die die Frage nach „der Lösung“ stellen. Die steckt in diesem Beitrag. Darauf kommen sollte allerdings jeder selbst, denn sonst ist er ja wieder einmal mehr nur der Untergebene des Vorgegebenen, was ihn wieder zum Sklaven werden lässt.

Die Aufgabe ist, sich selbst zu überzeugen, ein tragfähiges(!) Fundament in sich zu entwickeln und nicht von anderen bequem in teuren Seminaren und Workshops überzeugen zu lassen oder sich fortwährend mit Unsäglichkeiten „zuzumüllen“, die nichts anderes als der Hinweis auf die eigene, innere Haltung ist. Prinzip der Resonanz.
(Anmerkung: Wer hier „esoterisches Teufelswerk“ vermutet, schaue sich einfach man an, wie ein Radio prinzipiell funktioniert.)

Das bedeutet jetzt nicht, dass man ab da alles pauschal ablehnt, was den gewohnten Horizont „beeinträchtigt“ und es einem in den Sinn kommt, dass alles wieder so wird, wie gestern – wenn sich schon mal etwas ändern soll.

Die Rückschau und damit verbundenes Festhalten und Verteidigen des Gestern ist nur anerzogen und beruht auf der Erziehung zur Gehorsamsbereitschaft und damit verbundener autoritär-gesellschaftlicher Entsprechung. Wer nicht entspricht, nimmt am Spiel nicht mehr teil. Und in der Tat: Es ist nur ein Spiel.

„Die Mehrheit wird erst dann ins „Neue“ gehen, wenn sie mehr Angst vorm Alten, als vorm „Neuen“ hat“, stellte mal jemand vor längerer Zeit fest.

In der Rolle des Opfers entmachtet sich der Mensch stets selbst, um auf diese Weise seine Haltung zu bewahren, in der Hoffnung auf gerechte Vorgesetzte, die ihn dann erlösen werden. (Anmerkung: Die gibt es jedoch nicht, selbst wenn mancher sich dafür zu halten meint. Ein weiterer Aspekt, dass jeder für sich mal weiterdenken mag oder sich ebenso entschlossen, weiter im Alten bewegt. So einfach ist das.)

Mit ein Grund, warum sich nur allzu gerne die Mühe gemacht wird, „gerechte Vorgesetzte“ wählen zu wollen, um den „Ungerechten“ einen „reinzuwürgen“.
Einmal mehr, sich mit den eigenen Denk- und Verhaltensweisen auseinanderzusetzen, statt sich mit der Einstellung zufrieden zu geben, dass fundamentale Veränderungen ja erst in „1000 Jahren“ kommen würden. (Anmerkung: Mittlerweile spricht man schon von „erst in 100 Jahren“). Schließlich kommt ja erst mal das Morgen, mit den üblichen „Problemchen“.

Doch dort, wo es um fundamentale Veränderungen geht, gibt es weder Zeit, noch Raum. Weswegen ein Vordenken, der bessere Schritt ist, statt auf das Licht am Ende des Tunnels zu warten, was möglicherweise doch nur ein D-Zug ist.

Diese Sichtweise findet ihre Ursache, weil der Gewohnte auf „die Anderen“ wartet, die erst mal die Grundlage schaffen sollen, während er sich selbst weiter als „objektiver“ Beobachter mit Abstand sieht.

Ertappt er sich dabei nur eines der üblichen Klageliedchen über die Situation anstimmen zu wollen, so ist dies lediglich ein Zeichen, dass er sich weiter in der Existenz bewegt, einer vom Leben nahezu abisolierten, jedoch anerzogenen Form der Vorstellung von Leben.

Die Existenz, ist jedoch nur scheinbar eine vom Menschen kontrollierbare, (basierend auf seinen bisherigen Denk- und Verhaltensweisen von ihm) künstlich geschaffene Matrix, die sich unter anderem durch Fremdbestimmung, damit einhergehender Entsprechung und (in den Familien als „normal“ abgetaner, anerzogener) Gehorsamsbereitschaft auszeichnet bzw. bisher ausgezeichnet hat.
Gehorsamsbereitschaft, die zu jener bekannten Organisationsform führt, wie sie aus der Unterdrückung des Lebens selbst hervorgeht: die Hierarchie.

Letztlich kommt man nicht umhin, sich mit dem System der alten Ordnung in einer sachlichen Betrachtung damit auseinanderzusetzen, was übrigens über die gewohnte Betrachtung geschichtlicher Ereignisse und der gewohnten „Gut und Böse“-Mentalität hinausgeht, denn die ist irrig und verhindert, das sich ein Betrachter nicht wirklich entwickelt, sondern lediglich gegebene Inhalte aufzählt.

Die Frage nach den menschlichen Denk- und Verhaltensweisen, die immer wieder zu den prinzipiell selben Phänomenen in der Geschichte führen, lässt die Betrachtung, ob Geschichte teilweise erfunden oder verfälscht worden ist, bedeutungslos werden.
Dies verbunden mit der Bemühung, wer letztlich derjenige sei, der an allem Schuld ist, wie mir dies jemand mal in aller Ernsthaftigkeit darzulegen versuchte.

Der gewohnte Mensch…. Teil 2