Der vorprogrammierte Konflikt

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(v1.0) In einer gewöhnlichen Diskussion geht es darum, das gegenüber mit entsprechenden Argumenten überzeugen zu wollen, damit auch die Vorstellung, dass der Empfänger von Informationen entweder überzeugt werden müsse, während der Empfänger voreingestellt in den Dialog geht, man würde sicher versuchen, ihn überzeugen zu wollen. Damit ist der Konflikt bereits vorprogrammiert.

Es tritt, wie von selbst, ein Verteidigungsverhalten zu Tage, da jede möglicherweise unbekannte Information zu einer Veränderung der eigenen Sicht- und Handlungsweisen führen könnte, was jedoch durch die Denk- und Verhaltensmuster des Empfängers anerzogen verhindert werden soll, eben weil diese im Wesentlichen von Veränderung betroffen sind.

Betrachtet man den Prozess „Diskussion“ genauer, so beruht diese Verteidigungshaltung auf der Sichtweise, man habe es mit einem „Feind“ zu tun, eben weil dieser nicht der gleichen Meinung ist, wie man selbst. So beherrscht das „entweder… oder“ für die Köpfe, wobei das „sowohl…als auch“ ausgeblendet bleibt.

Hat man jedoch den Mechanismus der Projektion von Feindbildern auf andere in sich selbst erkannt und gelernt, dass es keine Feinde gibt, so kann man dieses Verhalten Schritt für Schritt ablegen, also eine Umkonditionierung der eigenen Denk- und Verhaltensmuster, bis es einen eben nicht mehr einfach „automatisiert“ übernimmt.

Das meint im Kern „wieder Herr über sich selbst“ zu werden und ist damit auch einer der wesentlichen Grundsteine der eigenen Veränderung.

Doch wem ist für gewöhnlich bewusst, dass es in einem gewöhnlichen Dialog eben nicht darum geht, wer gewinnt oder wer verliert, und es nicht um ein Auferlegen von Meinungen geht, sondern um einen Dialog im Sinne gemeinsamer Entwicklung, weshalb ich von Erkenntnis-Dialog spreche – dem direkten Gegenstück zur gewohnten Diskussion.

An diesem Unterschied kann man auch die Verdrehung erkennen, die sich in vielen Systemstrukturen wiederfindet, bspw. das gewohnte, gemeinsame Gegeneinander, statt des gemeinsamen Miteinanders.

Den wesentlichen Unterschied kann man auch aus diesem Zitat ableiten:

„Adam Smith hat gesagt: Das beste Resultat erzielt man, wenn jeder in der Gruppe das tut, was für ihn selbst am besten ist. Richtig?“ „Das hat er gesagt. Stimmt.“
„Unvollständig, unvollständig. Okay? Weil das beste Resultat dann erzielt wird, wenn jeder in der Gruppe das tut, was für ihn selbst am besten ist… und für die Gruppe… Regulierende Dynamik, Gentlemen, regulierende Dynamik… Adam Smith hat sich geirrt.“ Dialog zwischen John Nash und Kollegen im Film „A Beautiful Mind“