Selbstwertgefühl – ein heißes Thema

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(v1.0) Einige Gedankenfragmente der letzten Tage. Es lässt sich feststellen, dass jemand, der sich in seinem Wesen selbst nicht wertschätzt, in der Regel auch keinen anderen wertzuschätzen in der Lage ist oder gar was ihm gegeben wird – von ihm mitunter auch ablehnt wird, statt das Gegebene als Geschenk zu erachten.

Der Mensch, der im Haben aufwuchs, versucht für gewöhnlich seine innere Leere, die er nicht selten eigenständig aufrecht zu erhalten und zu schützen meint, durch allerlei Dinglichkeiten befüllen zu wollen, was ihn letztlich nur zu einem guten Konsumenten werden lässt.

„Ein schwarzes Loch kann man mit keiner Materie des Universums füllen.“

Hierbei darf auch die mitunter herrschende Vorstellung nicht vergessen werden, dass ein anderer Mensch diese Leere zu befüllen habe, damit es ihm selbst besser gehe.

Und einmal mehr ist es auch ein Zeichen, warum so mancher der Meinung ist, er müsse etwas oder einen anderen besitzen, der ihn zu „erfüllen“ habe, was für gewöhnlich zu üblichen Machtspielchen und Auseinandersetzungen führt.
Machtspielchen… im Grunde genau der richtige Begriff, als Teil eines Rollenspiels, wo nur vergessen wurde, dass es eines ist.

Jemand, dem in der Kindheit gesagt wurde, dass er erst einmal etwas werden müsse, wird mitunter sein ganzes Leben damit verbringen, etwas werden zu wollen, während er sich selbst dabei vergisst und versucht den Konventionen der Gesellschaft durch Anschaffung und innehaben üblicher Statussymbole den Anschein zu erwecken, er sei dann jemand.

Wie ein Süchtiger rennt er diesen Symbolen seiner eigenen Unterwerfung hinterher (Anmerkung: Ohne dies zu wissen.), der nicht selten nach dem Prinzip „vom mehr des Selben“ dabei hofft, dass die Leere in ihm irgendwann mal Ruhe gibt, während er anerzogen selbst alles an Signalen ablehnt, die ihn diesen Zustand überwinden lassen ließen.

Das erinnert an jene, die gerne zum Arzt gehen, weil sie auf diese Weise Aufmerksamkeit bekommen, während sie die Hinweise, was sie selbst für ihre Gesundung tun könnten, dabei ablehnen.

Einmal mehr, dass es sich in der alten Ordnung um eine Invertierung des Lebens selbst handelt, von dem sich der Mensch nicht selten nur einen Schritt weit davon entfernt bewegt, was jedoch durch seine gewohnten Denk- und Verhaltensmuster er nicht zu erkennen vermag, und nicht selten davon ausgeht, dass etwas, was er nicht „sehen“ (vorstellen) kann, demnach auch nicht existiert.

Und jene, die ihn auf das für ihn Unsichtbare hinweisen, erscheinen für ihn „verrückt“ (unter der gewohnten Bedeutung). So viel mal zum Thema „Normalität“.

„Was, wenn wir uns entscheiden, nur noch in einer Realität zu leben, die wir selbst geschaffen haben? Macht uns das zu Wahnsinnigen? Und wenn ja, ist es nicht immer noch besser, als ein Leben in Verzweiflung?“ „John Brennan“, The Next three Days, 2011

Ich bringe mal ein Beispiel aus „meinen“ bisherigen Erfahrungen, wie Menschen mitunter reagieren.

Noch vor vielen Jahren in einem Unternehmen tätig, war ich mit der Aufgabe betraut, mehrere Tische mit „Umleimern“ aus Messing-, Kupfer- und Edelstahlband zu versehen und diese wiederum mit einer kontinuierlich gebürsteten Oberflächentextur.
Erst ein paar Tage zuvor hatte ich beobachtet, wie ein Kollege sich recht lang damit beschäftigte, eine entsprechende Oberfläche mit einer Rollenflex händisch aufzubringen.

Anhand der vorliegenden Aufgabe errechnete sich daraus die Dauer für das Aufbringen der gebürsteten Oberflächentextur auf zwei Tage. Ich hatte sofort das Gefühl, dass man das einfacher und schneller realisieren könnte.
So ging ich zum Schrott, besorgte mir einige Metallteile und fertigte daraus eine Vorrichtung, wo ich die Rollenflex zum Aufbringen der Oberflächentextur einspannte, inklusive einer Führung für das Material.
Der Prozess dauerte dann statt zwei Tage nur noch zweieinhalb Stunden, mit der Nebenerscheinung: „Ausnahmezustand im Unternehmen“.

Was ich anhand dieses Beispiels zum Ausdruck bringen mag, dass Veränderungen in der Regel nicht nur mit Misstrauen (was lediglich ein Mangel an Selbstvertrauen ist, der auf das Gegenüber projiziert wird) begegnet wird.
Meist läuft dann ein automatisiertes Kopfkino ab, vorgeführt von den eigenen Denk- und Verhaltensmustern, aus dem es sich jedoch herauszuentwickeln die Aufgabe ist.

Da dies jedoch für gewöhnlich nicht gewünscht ist, wird der Akteur entsorgt, da er sich den Gepflogenheiten (Denk- und Verhaltensmuster) der Gruppe/Mehrheit anzupassen hat. Das nennt sich dann „Mobbing“.

Da die innere Entwicklung anerzogen bei den meisten erschwert erscheint, kompensiert dies der auf Haben konditionierte Mensch durch Technologie.

„Seit Anbeginn der Menschheit, streben wir nach Dingen, die außerhalb unserer Fähigkeiten liegen. Wir haben die Vögel beobachtet und Flugzeuge gebaut, um zu fliegen. Wir haben den Mond beobachtet und Raketen gebaut, um ihn zu erreichen. Im Verlauf der Geschichte, haben wir unsere eigene Evolution überholt – durch Technologie.“ Unbekannt.

Alles was dabei nicht mit den gewohnten Mitteln der Wissenschaft gemessen und so bewiesen werden kann, kann und darf für den gewohnten gehorsamen Denker demnach auch nicht existieren – nicht sein.

„Das haben wir ja noch nie so gemacht“, sagte mal jemand zu mir, worauf ich antwortete: „Mit solch einer Einstellungen würde die Mehrheit wahrscheinlich heute noch immer nackt im Wald herumlaufen und Beeren pflücken.“

So kann man am Geschriebenen erkennen, was der Schreiber in sich trägt und wie er über etwas denkt, und gleichfalls auch jener, der meint darüber urteilen zu wollen, was er in sich trägt – vorausgesetzt, es wird über das Vorliegende reflektiert.

Veränderung wird unter Einhaltung der Konventionen anerzogen mit Schmerz verbunden, den man in der Kindheit einmal für eigenständige Entwicklung erfahren hat.
Auf der Methode „Bestrafung“, neben der Belohnung für artiges Verhalten gegenüber einer Autorität, entwickelt sich eine Ordnung, die in sich das invertierte Gegenstück zum Leben und seinen Ordnungsprinzipien sozusagen „verkörpert“.

Auf dem Weg „hinüber in die Neue Zeit“, entdeckt man jedoch noch einen weiteren „Platz“, von dem man sowohl das Alte und das durch seine Infragestellung heraus Wiederentdeckte vor Augen findet.

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