Die Welt der Unsäglichkeiten überwinden

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(v1.0*) Fleißig wird aufgedeckt und es kommt immer mehr und schneller zu Tage. Doch was nutzt es, wenn die richtigen Fragen ausbleiben? Was hat man am Ende, wenn alle Unsäglichkeiten aufgedeckt sind? Und: Wird das jemals der Fall sein? Was macht man dann damit? Vor allem: Wer macht etwas damit?

So manche(r) stellt seit geraumer Zeit die Frage nach der Bestrafung, die jene zu erwarten haben, die als „Schuldige“ auserkoren wurden.
Letztlich hat das mehr etwas mit Vergeltung zu tun und lässt die Fordernden so nur weiter in der alten Ordnung verweilen.

„Wir haben nicht gegen den Feind gekämpft, wir haben gegen uns selbst gekämpft, der Feind war in uns.“ „Chris Taylor“, Platoon, 1986

Wer will, dass es anders wird, wird nicht umhinkommen, sich selbst neu zu konditionieren und sein verändertes Verhalten sichtbar vorzuleben.
Der Fordernde macht sich nur selbst etwas vor, wenn er von anderen Veränderung fordert, während er selbst an den eigenen Denk- und Verhaltensweisen festzuhalten gedenkt.

Erstaunlich ist, wie viele es gibt, die auf einen „Erlöser“ oder ein paar „Helden“ hoffen, die sie meinen, nur weit genug „nach vorne jubeln“ zu müssen.

So wird, was so manche Nachricht anbelangt, viel für das weit verbreitete Opferverhalten getan, was damit nur weiter umhegt und gepflegt wird.
Jedoch geht es darum, gerade dieses Verhalten hinter sich zu lassen, was nicht damit getan ist, dass „die Bösen“ erst einmal weg müssen.

Die Kernfrage lautet: Wie bekommt man die Gesellschaft mehr und mehr dazu, sich zu entwickeln, wenn die Denk- und Verhaltensweisen, bisher dazu geeignet waren, das System (der alten Weltordnung) aufrechtzuerhalten? Es regelt sich mittlerweile von ganz alleine, wenn man es als Ganzes betrachtet.

Dabei stellt sich auch heraus, dass jeder für seine eigene Entwicklung und damit verbundene Konsequenzen verantwortlich ist, ob er das will oder nicht.

Der Veränderungsprozess betrifft nicht einfach nur die Eliten, sondern auch all jene, die vom üblichen System in gewohnter Weise „profitieren“ – jene, die im Wirtschaftsprozess integriert sind durch Arbeiten gehen, Geld verdienen und wieder ausgeben.

Es lohnt sich also über die Konventionen hinaus zu denken, statt sich mit raschen Selbstbeantwortungen das Gewissen zu beruhigen oder ablenken zu wollen oder man sich mit der Vorstellung „bewaffnet“, dass morgen das Vorgestern wieder Einzug hält.

„Jedem Morgen steige ich die Stufen vom Scott-Monument hinauf, und alles wird klar. Ich wünschte, ich könnte dir dieses strahlende Licht zeigen… selten besorgt. Alles ist gut. Alles ist so unglaublich und unverschämt gut. Ich verstehe nun, dass die Grenzen zwischen Krach und Klang reine Konventionen sind. Alle Grenzen sind Konventionen, die nur darauf warten, überwunden zu werden.
Man kann jede Konvention überwinden. Man muss diesen Schritt nur erst begreifen.
In solchen Augenblicken spüre ich deinen Herzschlag so deutlich, wie den meinen und weiß, dass dass unsere Trennung nur eine Illusion ist. Mein Leben reicht weit über meine Grenzen hinaus.“ Cloud Atlas, 2012

Auf der einen Seite wird sich beschwert und über das Leid geklagt, auf der anderen Seite schon mal die Rechtsbleistifte zur Verteidigung der Bevölkerung gegen die „Bösen Jungs“ gespitzt – während der tatsächlich herrschende Rechtsstatus weiter „unter den Tisch“ gekehrt wird.
Letztlich entpuppt sich dieser als rechtsfreier Raum, wo gänzlich andere Regeln wirksam sind, die jedoch nichts mit dem üblichen Gekämpfe, Geforder, Krakeele und Gejauner zu tun haben, in der Hoffnung am Ende doch noch zu gewinnen.

„Gewinner“ und „Verlierer“ sind letztlich nur zwei Rollen – innerhalb des Rollenspiels.

Am Rande bemerkt, tauchen in dem einen oder anderen Beitrag die Begriffe Person, Vernunft, Fiktion und Intuition vermehrt (wieder) auf.

Ein Staat konstituiert sich aus Personen, während die Mehrheit meint, sie sei diese entsprechende Person (Rolle, Hülle), die man zunächst mit reichlich „Vorteilen“ (Privilegien/Grundrechte) zu ködern versucht. Jedoch:

„Die „natürliche Person“, ist der Mensch **in der Rolle als Rechtssubjekt.“

„Ich habe kein „Deutsch“ mehr.“ „Wie? Dann sind sie ja kein Deutscher(**) mehr?“ „Es reicht doch, wenn ich Deutsch spreche.“ Dialog mit Polizeibediensteten, 2018

Einmal mehr ist der Einzelne gefragt, was seine eigene Entwicklung angeht, um sein Denken und Handeln selbst zu betrachten und aus der „alternativlos“ erscheinenden Fiktion heraus zu entwickeln.

Entwicklung hat hierbei nichts mit üblichem Egoismus zu tun, dem Sammeln und Mehren von Dingen (Geld, Eigentum, Besitz usw.), um so die „Existenz“ sichern zu wollen, sichern zu müssen.
Was da vorsorglich Angst vorm Sterben hat, ist nicht der Mensch, sondern sein „Ich“, was sich an das Erreichte klammert und als „einzig“ erachtet.

„Die Menschen betrachten sich als einzigartig. Ihre gesamte Existenztheorie beruht auf ihrer Einzigartigkeit. „1“ ist ihre Maßeinheit. Aber so ist es nicht. All unsere Kommunikationssysteme sind nur ein hilfloser Versuch. „1“ plus „1“ gleich „zwei“. Mehr haben wir nicht gelernt.
Aber „1“ plus „1“ war noch nie gleich „zwei“. Tatsächlich gibt es keine Zahlen und keine Buchstaben. Wir benutzen Symbole, um unsere Welt auf menschliche Größe zu reduzieren, damit sie verständlich ist. Wir haben ein System erschaffen, dass uns das Unergründliche vergessen lässt.“ „Lucy“, Lucy, 2014

Das vom Menschen geschaffene System entpuppt sich am Ende als ein System der Selbstversklavung durch die gesellschaftlich als „normal“ deklarierten Denk- und Verhaltensweisen.
Diese machen es auch einfach, sich über eine Masse zu erheben, die ihr Dasein im Schweiße ihres Angesichts fristet. Dies konnte durch den Zins sogar noch gesteigert werden:

„Im Schweiße deines Angesichts sollst du mein Brot verdienen“, würde jetzt der Banker sagen, da dieser von den Zinsen lebt, die jedoch nicht Teil der im Markt befindlichen Geldmenge (aus mit Zahlen bedrucktem Papier, mit Zahlen beprägtem Metall und Zahlenreihen auf dem Konto) sind.

Einmal mehr Gelegenheit, um über die eigenen Denk- und Verhaltensweisen vorzudenken. Dazu reicht jedoch kein kurzer Moment.
Und selbst wenn sich im Kopf zunächst nichts tut, bedeutet das nicht, dass man sich nun seinem Schicksal zu ergeben hat.

Deutlich erkennbar, dass man weder einen Staat noch damit verbundene Grenzen benötigt oder gar die Notwendigkeit von Geld, selbst wenn sich dies der eine oder andere nicht vorstellen kann.

Dass er es sich nicht vorstellen kann, liegt einfach daran, dass er es mit seinem gewohnten Wissen zu verstehen versucht und deshalb als utopisch erachtet – hinweisend auf die Infragestellung der 17 Punkte der UN-Resolution A/RES/70/1 aus 2015.

Die Frage an den „Esau“ (der Mensch) lautet: Mag er weiter seinem Bruder „Jakob“ (das „Ich“) den Vorrang einräumen?

Die aktuelle Situation ist, wie sie ist. Lediglich die Bedeutungen, die vom Menschen ihr verliehen werden, die wiederum von den Denk- und Verhaltensweisen beeinflusst werden, entscheidet er jeden Moment selbst darüber, ob er sich entschließt, sich ÜBER DAS GEGEBENE (durch Infragestellung) hinaus zu entwickeln oder ob er sich weiter dagegen zu wehren versucht.

„Ich wollte Macht, um meine Feinde zu vernichten. Ihr habt mir Macht gegeben, um meine Dämonen zu vernichten. Und um zu leben mit den Gesetzen der Natur.“ „Wir entkommen niemals unseren Dämonen, Mordo. Wir lernen nur, um uns über sie zu erheben.“ Dialog aus Dr. Strange, 2016

Der gewohnte Geist kennt nur „dafür“ oder „dagegen“ und glaubt nur das, was er sieht.
Und das, was er sieht, meint er mitunter verdrängen zu müssen, wenn es seinen „wertvollen“ Denk- und Verhaltensweisen nicht dienlich erscheint. Jedoch:

„Bist du auf unserer Seite?“ „Ich glaube, so einfach ist das nicht.“ „Dann sollte es aber schnell so einfach werden.“ „Ich bin auf der Seite des Lebens.“ Dialog aus Avengers: Age of Ultron, 2015

So mancher bemächtigt sich gern der Pauschale, er würde einfach nichts glauben, doch da irrt er sich.

Die Welt ist nicht einfach nur einfach oder oberflächlich zu betrachten, da die Ursachen der wahrgenommener Symptome in der Tiefe zu entdecken sind. Dort, wo der Einzelne den Schalter in eine grundsätzlich neue Richtung umlegen kann.

„Die Welt ist alles, was der Fall ist.“ Ludwig von Wittgenstein

Gedankenfragment: Die Welt beinhaltet auch das geistige Konstrukt, was mit „Materie“ bezeichnet wird, in einer Wechselwirkung vorliegt.
Es gibt keinen Moment, wo man sich aus dieser Verantwortung herausziehen kann. Die Welt ist ebenfalls ein Sammelsurium künstlich geschaffener Regelwerke und Vereinbarungen über das Beobachtete.

Auf die Idee sich selbst über das Gegebene hinaus zu entwickeln, indem er das Gegebene infrage stellt, kommt der Gewohnte nicht, er reagiert, indem er sich wehrt – ein Grund, für sein selbstgeschaffenes Leid, seinen Frust und seinem sich im Kreise drehen.

Reklame: Das Bestehende ist dazu gedacht, infrage gestellt zu werden, damit sich der Mensch über die Veränderung der verliehenen Bedeutungen hinaus entwickelt.

Die Frage, die wiederum einmal mehr die Entwicklung des Einzelnen betrifft: Geschieht diese in Richtung „entstehen“ oder in Richtung „vergehen“?

Diese Aufgabe in fremde Hände zu legen, ist somit nicht der beste Weg, was die eigene Entwicklung anbelangt. Es lohnt sich also mit dem Denken zu beginnen, was hinter dem gewohnten Verdrängen stattfindet.

„Das Leben kann nur in der Rückschau verstanden werden, muss aber in der Vorschau gelebt werden.“ „Stanley Milgram“, Experimenter , 2015

Die Dinge sind nur die Dinge. Lediglich die Bedeutung, die ihnen der Mensch verleiht, sorgen dafür, ob er an ihnen verweilt oder auch nicht. Die verliehenen Bedeutungen sind wiederum von den Denk- und Verhaltensweisen beeinflusst.
An diesem Punkt stellt sich die Frage: Ist der Mensch lediglich der Diener seiner Denk- und Verhaltensweisen oder kann er sich wieder über sie erheben?

Mit dieser Frage wird auch seine wesentliche Aufgabe sichtbar.

„Man könnte sagen, wir sind Marionetten. Aber ich glaube, wir sind Marionetten mit Wahrnehmungsvermögen – mit einem Bewusstsein. Manchmal können wir die Fäden sehen – und vielleicht ist dieses Bewusstsein der erste Schritt zu unserer Befreiung.“ „Stanley Milgram“, Experimenter , 2015