Ein kurzer Moment aus der Realinszenierung

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(v1.0*) Wer mag schon hören wollen, dass er sich für gewöhnlich in einem Rollenspiel bewegt, weil er sich für seine Person (Rolle, Hülle) hält und so das Geschehende zur einzigen Realität wird.
Sicher mag die Welt so sein, wie sie ist. Jedoch lässt sie sich Schritt für Schritt auch wieder ändern, was sich in der Regel kaum jemand vorstellen kann oder will.
Dazu ist es notwendig über den gewohnt anerzogenen Horizont hinauszublicken, was mit dem „gesellschaftlich erlaubten“ Wissen nicht möglich ist und so jenes darüber hinaus Gedachte für gewöhnlich unglaublich oder utopisch erscheint.

Dass der Mensch nicht unabhängig von der Welt existiert, sieht man alleine daran, dass es Verwerfungen gibt, die erst durch sein gewohntes Denken und Handeln– und damit einhergehenden Denk- und Verhaltensweisen ermöglicht werden.

„Er (der Mensch) hat die Philosophie, Kunst und die Wissenschaft erfunden. Er hat den Altruismus entwickelt.Die Reichweite und den Umfang seiner Kommunikation, seines Austauschs und seiner Überlegungen gesteigert. Er hat sich selbst Werte, eine Moral und eine Ethik auferlegt.
Nach und nach hat auch dies Religionen, den Handel und die Politik erfunden. Aber auch Diskriminierung, Hass und Folter.
Er hat die Konsumgesellschaft erfunden, die Zerstörung von Land und Meer, die Ausbeutung anderer Arten, einschließlich seiner eigenen.
Dem Menschen ist die Meisterleistung gelungen, die höchsten Gipfel der Erde und die tiefsten Ozeane zu verschmutzen, die Organismen zu schädigen und die Umgebung seines Planeten zu vermüllen.
Jede Minute schenkt er 250 Kindern das Leben und produziert 4.000 Tonnen Müll.
Jeden Tag stellt er 240.000 Autos her und vernichtet 400 lebende Arten.
Jedes Jahr überlässt er fast 9 Mio. Kindern unter fünf Jahren den Tod und zerstört 13 Mio. ha Wald.
Der Mensch scheint den Glauben*, dem Wissen** vorziehen, das Haben dem Sein. Das Bild vom Glück, dem Glück selbst.
Er meint alles zu beherrschen und beherrscht nicht einmal sich selbst.
Er hat als einzige Art die Fähigkeit entwickelt, seine eigene Umwelt zu zerstören, ohne die Weisheit entwickelt zu haben, es nicht zu tun. Der Mensch, unreif und unmündig, ist zum Besten und zum Schlimmsten fähig. Wird er das Alter der Vernunft erreichen, bevor er sein eigenes Haus niedergebrannt hat?
Diese Frage ist ist alles andere, als unbedeutend.“ Zitat aus: „Eine überschätzte Spezies?“, ARTE, 2018

Noch sind viele in der Hoffnung, man müsse nur beharrlich genug auf die Rückkehr des gewohnten Alltags warten oder an dem weitermachen, was davon übrig geblieben ist – schwindend. Irgendwann wird alles „wieder“ gut.

Die Vorstellung, dass sich etwas grundlegend ändern könnte, ist für so manchen undenkbar und wird mit reichlich Ausreden belegt.

Die aktuelle Situation kann man aus grundlegend zwei Blickwinkeln betrachten. Einmal aus der Opferperspektive, als „begleitender“ und meist jammernder Beobachter der aktuellen Geschehnisse, dabei das Alte festhaltend oder aus der Sicht einer bereits vorausgedachten Zukunft, geschehen durch die Infragestellung der Grundfesten des Systems der alten Ordnung– eine Form des bewussten Loslassens.

Dem kommt ein weiteres Werkzeug zur eigenen Entwicklung hinzu: Der „Kategorische Imperativ“, der bei Vorhandensein gegensätzlicher Meinungen und Vorstellungen, verbunden mit der Frage nach der verbindenden Überschrift, einen bewussten Entwicklungsprozess ermöglicht.

Ein weiteres Werkzeug ist „Ockham’s Rasiermesser“, was bei Vorhandensein mehrerer Lösungsansätze, denjenigen übrig lässt, der am logisch einfachsten ist, während die restlichen Ansätze förmlich „abgeschnitten“ werden.

Es ist irrig zu glauben, die „Bösen“ müssten erst weg, um dann das „Neue“ machen zu können.
Solange man sich nicht selbst dazu entscheidet, sich wieder entwickeln zu wollen, wird das insgesamt nichts.
Zudem brauchen die „Bösen“ nicht weg, weil man sich parallel durch den Prozess der Infragestellung des Systems selbst entwickeln kann.

Es geht darum, sich selbst die Freude zu geben, sich entwickeln zu wollen.

Klassisch betrachtet hat das auch einen Preis, mitunter einen hohen. Erst viel später erkennt man, dass es kein wirklicher Preis war, sondern er nur so erschien.

All die vielen Beschreibungen sollen dazu dienen, den Menschen sich wieder selbst näherzubringen, damit ihm klar wird, dass er in der Tat etwas ändern kann, gerade weil er in der Regel in der Annahme ist, er könne ja nichts ändern.
Das betrifft im Wesentlichen die Überwindung der anerzogenen Opferhaltung/-rolle und Gehorsamsbereitschaft – das unschuldiges und bedrängtes Opfer der Umstände, dass weiterhin nach Schutz und Sicherheit vor den „Bösen“ sucht.

Der gewohnte Denker denkt anerzogen in „Gut und Böse“, in „Schuld und Unschuld“, was ihn die Welt als einfach und klar definiert erscheinen lässt.
Der „Gute“ gehört dazu, der „Böse“ nicht. Man selbst hält sich für unschuldig, der Gegner ist schuldig.

Der Feind, den man im anderen zu erkennen meint, ist ein Konstrukt des eigenen „Ichs“ – des eigentlichen Feindes.

„Wir haben nicht gegen den Feind gekämpft, wir haben gegen uns selbst gekämpft, der Feind war in uns.“ „Chris Taylor“, Platoon, 1986

Die Welt in „Gut und Böse“ zu unterteilen, hat dieses Weltszenario erst ermöglicht und eine Menge bewegen sich noch fest entschlossen in diesem anerzogenen Glauben. Doch ist die Welt nicht so einfach, wie man sich dies gerne anerzogen wünscht.
Die Welt ist auch nicht so oberflächlich, wie die Mehrheit gerne zu glauben meint. Sie ist eine Herausforderung – vor allem dort, wo es darum geht, zwischen den üblichen Problem-Lösungskonzepten, die in der Regel nur oberflächliche Kaschierungen sind und ganzheitlicher Betrachtung und Entwicklung von Lösungsmustern zu unterscheiden.

Es handelt sich um zwei grundlegend unterschiedliche Arten des Wahrnehmens und des Denkens. Einmal das Denken in Dingen und Teilen und scheinbar unabhängig voneinander existierenden Problemen und schuldigen Verursachern und auf der anderen Seite das Denken in Zusammenhängen und wechselseitigen Abhängigkeiten, wo nur selten die Ursache dort zu finden ist, wo die „Probleme“ – besser: die Symptome sicht- und spürbar in Erscheinung treten.

Das gewohnte Denken führt zu einer fortwährenden Zunahme der Komplexität geschaffener Strukturen und damit verbundener Überfrachtung und das andere zu einer Abnahme der geschaffenen Komplexität – beides bezogen auf die Organisation.

Um es so auszudrücken: Allgemein wird ja behauptet, alles würde miteinander verbunden sein, andere wiederum sehen die Welt als eine Ansammlung getrennter Dinge und Teile. Beides liegt gleichzeitig vor, Für den gewohnten Denker als Trennung und Ansammlung und für den ganzheitlichen Denker als Vernetzung.

Im Wesentlichen zeichnet sich die alte Ordnung dadurch aus, dass gemeinsam gegeneinander gearbeitet wird, was seinen Ursprung in der gewohnten Erziehung hat und auf den wirksamen Verdrängungskonzepten und damit verbundener Feindbildprojektion und fortwährendem Glauben an einen „Überlebenskampf“ basiert, aufgrund der anerzogene Illusion der Getrenntheit.

Solange also dieser Zustand aufrechterhalten wird, wird sich nicht wirklich etwas ändern, gleich was auch immer traktiert wird.

So etwas wie einen gemeinsamen Aufstieg gibt es nicht, weswegen es auch keinen Kompromiss über einen gemeinsamen Verbleib geben wird.
Das liegt zum einen daran, dass sich die Mehrheit am Alten festklammert, während gleichzeitig auch die freie Wahl besteht.

„Da rührte er ihre Augen an und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben.“ Matthäus 9,29

„Zur Freiheit bedarf es nur des Mutes. Doch wisse: Es gibt nur ein Mitkommen und kein Mitnehmen.“

Ist es nicht besser, sich schrittweise wieder bewusst in ein Leben zu begeben, was das gewohnte Gegeneinander überwindet?

„Viele warten auf jenen Bus, dessen Fahrer sie selbst sind.“

„Das anthropische Prinzip (von griechisch anthropos „Mensch“; kurz AP) besagt, dass das beobachtbare Universum nur deshalb beobachtbar ist, weil es alle Eigenschaften hat, die dem Beobachter ein Leben ermöglichen. Wäre es nicht für die Entwicklung bewusstseinsfähigen Lebens geeignet, so wäre auch niemand da, der es beschreiben könnte.“ Wikipedia