Für alle, die es nicht auszuhalten meinen

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(v1.15, geänderte Überschrift) Während sich so mancher außerhalb(?) des Landes über die Art und Weise der Deutschen wundern, wie sie miteinander umgehen und sich das Leben gegenseitig zur Hölle machen, nur weil sie sich gehorsam den Vorschriften und ihren Herren unterwerfen, steigt die Zahl derer, die die Obrigkeitshörigkeit, Leichtgläubigkeit und den stattfindenden Faschismus der Bevölkerung nur noch mit schüttelndem Kopf begegnen können – während die noch nicht einmal weiß, wie ihr geschieht.

Da kommen hier und da Gedanken auf, sich aus diesem Land zu verabschieden, weil in anderen Ländern, die „Corona-Nummer“ teils schon vorbei ist. Doch wäre dies nur eine Flucht und damit eines der üblichen Verdrängungskonzepte.

„Du kannst wegrennen. Doch vor dir selbst, kannst du dich nicht verstecken.“ Joe Louis, Boxer

Doch das muss alles so sein, da die anerzogene Unterwürfigkeit gegenüber Autoritäten „in“ diesem Land mit am größten zu sein scheint, während jeder Moment in der Bevölkerung dazu genutzt wird, um sich gegenüber einer Autorität zu unterwerfen, um von dieser wiederum ermächtigt zu werden, sich über andere zu erheben.

Stanley Milgram hätte seine „wahre Freude“ daran, wie viele wieder einmal bis 450 Volt gehen, nur weil sie den Autoritäten ihren bedingungslosen Gehorsam damit zu bezeugen meinen.

Und warum? Weil sie ja eine Existenz und erworbene Privilegien zu verlieren haben und es in diesen Zeiten schwer ist, einen neuen Job zu bekommen, wenn der aktuelle so schon nicht „vernünftig“ bezahlt wird. Nicht zu vergessen das Erreichte, was man verlieren könnte, wie dies so vielen ja schon passiert sei.

Wer hat da schon mal darüber nachgedacht, dass er gar nichts verlieren kann, weil die Vorstellung, dass einem etwas gehören würde, seit je her irrig ist, und sich damit nur die Gängelung der auf Haben konditionierten Massen realisieren lässt. Denn: Wer etwas sein eigen nennt, kann es demnach auch verlieren.

An dem Punkt kehrt auch die Großzahl der Aufklärer ihrer Aufgabe irgendwann den Rücken und man sieht deutlich, dass es sich um eine rein mentale Angelegenheit handelt, die man nicht einfach mit dem Heraufbeschwören von vergangenen Reichen überwinden kann, weil auch diese nur Märchenstunden in den Köpfen ihrer Gläubigen (hier: Patrioten) sind und jeder, der nicht an ihr Märchen glaubt, auch nicht dazu gehört – was übrigens jeden Staat und jede Form künstlich geschaffener Institutionen betrifft, wo es darum geht, sich gegen andere abzugrenzen oder man nur dann ein Teil davon wird, wenn man die „Vertragsbedingungen“ akzeptiert und damit auch ihre „Verfasser“.

Man verteidigt eine Luftnummer, basierend auf den kollektiv als „normal“ angesehenen Denk- und Verhaltensmustern. Dass es ja schon „immer“ so gewesen sei, ist die Krone der Argumente des nach konservativ erzogenen Menschen.

In solchen Zeiten spielen die einen oder anderen mit dem Gedanken, das „Land“ zu verlassen, was jedoch keine wirkliche Lösung ist, da ihre Denk- und Verhaltensmuster ja auch für das sich ihnen Darbietende verantwortlich sind.
Das empfundene Leid ist dabei selbst geschaffen, was sich durch das Festhalten und fortwährendem Beklagen der gegebenen Situation zeigt und sich so auch der in ihnen herrschende Widerspruch und die Unentschlossenheit sicht- und spürbar zum Ausdruck bringen.

Dass sie ein wirksamer Teil von jenem sind, was sie mitunter lautstark zu kritisieren wissen, ist von ihnen nur schwer zu akzeptieren, weswegen auch die temporären Zustimmungen zu diesen Gedanken, ihnen nicht wirkliche Erleichterung bringen, eben weil es nicht ums Reden geht, sondern um die Denk- und Verhaltensmuster, die es zu ändern gilt.
Die temporäre Zustimmung in einem Dialog hat lediglich den Zweck, dem Gegenüber recht zu geben, damit dieses von weiteren Gedanken ablässt.

Dass es sich um eine rein mentale Angelegenheit handelt, ist den wenigsten deshalb bewusst, weil sie an ihren Denk- und Verhaltensmustern weiter festzuhalten gedenken, während sie die gegebene Situation beklagen, Veränderungen fordern, jedoch von diesen selbst nicht betroffen sein wollen. Schließlich will man vom Bisherigen ja nicht abrücken, sollen dies doch erst mal die anderen tun.
An diesem Punkt wird auch klar, das man „verhaltenstechnisch“ weitreichend und vor allem erfolgreich zusammenarbeitet – indem man entschlossen gegeneinander arbeitet.

An diesem Punkt tritt das erste Mal das Wesen des Systems der alten Ordnung deutlich hervor: die Invertierung.

Wer meint, er müsse das „Land“ verlassen übersieht, dass er das System in Form seiner Denk- und Verhaltensmuster weiter mit sich herumschleppt, außerstande an sich selbst zu arbeiten, wenn er diesen Aspekt überhaupt jemals in Erwägung gezogen hat.
Schmerzvoll ist dieser Akt nur deswegen, weil man in der Kindheit anerzogen bekam, dass Lernen mit Schmerz verbunden sei – weitergegeben von Generation zu Generation, mehr oder weniger nicht im Stande über die Sinnhaftigkeit dessen nachzudenken, ebenso wie die Dressur zum gehorsamsbereiten Untertanen – meist weil man ja Arbeiten und Geld verdienen müsse.

„Dein Vater geht für dich an die Arbeit, damit du etwas zum Essen und zum Anziehen hast.“ Mutter zu ihrem Kind

Da fällt es mitunter schwer, dass man es mit Menschen zu tun hat, die ihre Vormachtstellung nicht selten durch Gewalt zum Ausdruck bringen und so der Gedanke daraus entstand, dass Gewalt nur das Werkzeug der Unwissenden und ihrer Gegner ist.

Man kann nicht einfach behaupten, dass „die Anderen“ es ja hätten wissen müssen oder es wissen und nur so tun, als wüssten sie es nicht, um die eigenen Gedanken an Rache, Vergeltung und was es noch so alles gibt, damit rechtfertigen zu wollen.

Es ist jedermanns eigene Verantwortung, wie er sein Leben erfährt, denn alles ist dazu gedacht, dass er sich entwickelt, gleich welche Widerstände sich vor ihm aufzubauen meinen.

Und jene, die „Leid angetan“ haben, konnten es nicht anders wissen, weil die meisten überhaupt nicht über ihr Denken, Handeln und ihre Verhalten nachdenken – schließlich hieß es ja: „Es war ja schon immer so.“

„Die meisten Menschen stehen an einer Haltestelle und warten auf jenen Bus, dessen Fahrer sie selbst sind.“

Manche sogar, bis ihre jetzige Zeit vorbei ist.

Und eines ist gewiss: Noch mehr Unsäglichkeiten anzuhäufen sorgt lediglich dafür, dass man nur durch seine selbst geschaffene Hölle geht, während man anderen dafür die Schuld gibt und am Ende an sich selbst scheitert, während man immer noch Schuldige oder Peiniger zu suchen meint. Wer sich ernsthaft fragt, wer in dem Moment wirklich anwesend ist, um einen „Schaden“ zuzufügen, wird selten jemanden finden.

Aus diesem Grund ist es auch einfacher, irgendwelche Peiniger zu erfinden, weil man so manchem Tinnef glauben schenkt, es ginge darum, die Menschen reduzieren zu wollen, was mehr aus der gewohnten Opferhaltung heraus geschieht, während man damit beschäftigt ist, noch weitere „Mitstreiter“ finden zu wollen… um nicht das einzige „Arschloch“ zu sein, was am Ende „gegrillt“ wird.

An diesem Punkt kann man auch recht schnell erkennen, dass alle Macht, Geld, Position, Eigentum, Besitz, Hab und Gut hier nicht wirklich weiterhelfen, wenn der Irrglaube herrscht, man könne das Leben verlieren, was einem letztlich nicht einmal gehört.

„Eine beachtliche Erfahrung, in Furcht leben zu müssen. So ist es, wenn man ein Sklave ist.“ „Roy Batty“, The Blade Runner, 1982

Bei allem was so gefordert wird, ist es an der Zeit zu begreifen, dass es darum geht, dass das, was man zu fordern meint, von einem selbst öffentlich vorgelebt wird und dass es sich um einen selbst entschlossenen Entwicklungsprozess handelt und keinen Kippschalter, den man umlegt und dann ist alles anders.

„Revolution* ist nicht ein kurzer Akt, wo mal irgendwas geschieht und dann ist alles anders. Revolution* ist ein langer komplizierter Prozess, wo der Mensch anders werden muss.“ Rudi Dutschke (*Anmerkung: Sicher meinte er damit „Evolution“.)

„Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Aber ich fand, wir sollten uns versammeln und uns erinnern und ich fand das hier… ganz angemessen: Die Aufgabe des Menschen ist zu leben, nicht zu existieren. Ich verschwende meine Tage nicht mit dem Versuch, sie zu verlängern. Ich nutze meine Zeit.“ „M“, James Bond: Keine Zeit zu sterben, 2021

Dabei Angst zu empfinden ist vollkommen normal, jedoch sollte man sich über die Art und Weise im Umgang mit der Angst klar werden, die nicht selten verdreht anerzogen wurde: Statt als Hinweis zur Erlangung fehlender Informationen zu gegebenen Situationen, wurde daraus ein Warnsignal, dass etwas „Ungewohntes“ immer mit Bestrafung zu tun hat.

Wer esoterisch angehaucht meint, es ginge nur darum das „Gute“ und „Schöne“ zu fokussieren und das „Böse“ und „Unbequeme“ zu meiden, bewegt sich genauso im Kreisverkehr, wie jene, die meinen, es ginge „nur um das „Böse“, was die „Guten“ nur zu vernichten versuche. Das sind kindliche Vorstellungen des Menschen und seiner Welt und reduzieren sich in der Regel auf die üblichen Rollen „Freund“ oder „Feind“.

Es ist in der Regel das anerzogene Unvermögen, die eigene selbst entschlossene Entwicklung als den wesentlichen Aspekt des Lebens akzeptieren zu wollen, die über bloßes Haben und Sammeln, Festhalten und Verteidigen von Besitztümern und Privilegien hinausgeht, was von den vorherigen Generationen noch als „normal“ erachtet wurde.

Diese Einstellung hat die Menschen an den heutigen Punkt gebracht und es ist auch erkennbar, dass ihre Aufgabe darin besteht vernunftvoll mit allem umzugehen, statt im gewohnten Rahmen fremd betreuter Unvernunft und Gewissenlosigkeit weiter fortgeführt zu werden.

Es ist nicht damit getan, wieder einmal mehr den nachfolgenden Generationen die Aufgabe des Um- und Weiterdenkens zu hinterlassen, während man selbst weiter dem eigenen Unvermögen nachzugehen meint.

Der Entwicklung im Haben steht die Entwicklung im Sein gegenüber. Der wesentliche Aspekt besteht in der Entwicklung von Vernunft und Gewissen.

Vernunft ist der intuitiv getriggerte Prozess zwischen bedingungslosem Geben und bedingungslosem Empfangen. Sie ist der eigentliche Hort der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freiheit. Gewissen ist zu spüren, was rechtens ist.“

Im Kern herrscht der Irrglaube, dass das Leben, was sich da zwischen den Beinen zur Welt bringt, einem gehören** würde (**Anmerkung: Es ist lediglich ein Geschenk des Lebens an sich selbst.) – auch nicht das, was sich im Regelfall stattfindender Manipulation daraus an Besitztümern ergibt.

Es ist und bleibt eine rein mentale Angelegenheit, ob man zunehmend wieder „Herr über sich selbst“ wird oder weiter Knecht der Unterworfenheit durch die eigenen Denk- und Verhaltensmuster, Wertvorstellungen und Konventionen bleibt.

Ich denke, an diesem Punkt ist genug der Beweise erbracht, dass es nicht ausreicht, nur einer anderen Autorität mit ihren (Rechts)Fiktion und süßen Versprechen hinterherzulaufen.

Letztlich ist die Nummer doch um einiges größer, als man sich das zu Beginn vorgestellt hat.

Und doch ist sie einem selbst so nah – näher als das Hemd, was man trägt.