Hausgemachter Etikettenschwindel

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(v1.1*) Wer feststellt, dass etwas nicht stimmt und sich anschließend vordringlich mit den sicht- und spürbaren Ereignissen in rein kritisierender Weise damit beschäftigt, wird irgendwann erkennen, dass die üblichen Mittel „dagegen“ wenig nutzen.

Unter „übliche Mittel“ verstehen sich: Kampf, Widerstand, Resignieren, Ignorieren, Ab- und Ausgrenzen, Klagen (auch in juristischer Form), Jammern, Beschweren, Demonstrieren (kollektives Klagen), Toben, Wut, Zorn, Flucht, Schuldzuweisung, Gewalt (Gewalt ist das Werkzeug der Unwissenden) usw.
Das Ziel: Herbeiwünschen/-fordern des liebgewonnenen Alltags, um anschließend wieder den Gewohnheiten nachgehen zu wollen.

Was wäre, wenn das nie wieder der Fall sein würde?

Warum?

Weil das System, in dem sich die Mehrheit bewegt und was sie mit ihren Gewohnheiten aufrechtzuerhalten versucht, ein System der Selbstversklavung, Selbstausbeutung, Selbstentwürdigung und Selbstunterdrückung ist; wo durch anerzogene Gehorsamsbereitschaft in der Familie, das „Kanonenfutter“ für angelagerte Institutionen (Kindergarten, Bildungseinrichtungen, Gesellschaft, Politik, Unternehmen, Kirchen, „Staat“ (Betreuungseinrichtung) usw.) geliefert wird, damit die „Nummer“ nach Möglichkeit bis in alle Ewigkeit weitergeht.

Und wenn es „schlimm“ kommt, zeigt man mit dem Finger auf die anderen, die einen ja unterdrücken würden.
Im Kern unterwerfen sich die Teilnehmer der Gesellschaft durch ihre anerzogenen/vereinbarten Wertvorstellungen selbst, da diese sich in der Regel im Außen und sich somit unter Fremdzugriff befinden, wo bereits ein möglicher Verlust dafür sorgt, dass der „Gläubige“ sich vorsorglich selbst unterwirft oder von anderen jederzeit gegängelt werden kann.

Der anerzogene Glaube, dass ihm etwas oder jemand gehören würde, ist der wesentliche Aspekt seiner Fremdbestimmbarkeit – einschließlich der Vorstellung, ihm würde „sein“ Leben gehören. Das macht den Systemgläubigen in seinem Wesen aus.

Im Grunde handelt es sich hier um eine im Wesentlichen auf mit Zahlenreihen („Sichteinlagen“) und mit Zahlen bedrucktem Papier abhängig gemachte Gesellschaft, die ihre sich daraus ergebende Haltung sogar zu verteidigen versucht. Denn wer will sich schon eingestehen, dass er sein bisheriges Leben auf einem Irrtum aufgebaut hat?

Im Falle erfahrener Ungerechtigkeit wird sich zunächst mit scheinbaren Hauptthemen kämpferisch auseinandergesetzt oder gewohnt klein beigegeben, während unbewusst an der Beibehaltung der eigenen Denk- und Verhaltensweisen „gearbeitet“ wird, die den Akteur auch weiterhin zu beherrschen versuchen.

Aufrechterhalten wird das ganze Spektakel durch den Glauben an gesellschaftlich „vereinbarte“ Werte wie auch wohlwollend zugestandene Privilegien durch eine damit anzuerkennende Autorität.

Das sogenannte „Geld“ wird im Akt der Dar-Lehensvergabe aus dem Nichts erschaffen und erst durch die Besicherung durch den Dar-Lehensnehmer erhält es seinen Wert. Während nur innerhalb der Gesellschaft das „Geld“ als „Tauschmittel“ gehandhabt wird, ist es außerhalb ein Mittel, um die Massen in jede gewünschte Richtung zu schieben.

Der anerzogene Glaube, dass Arbeit etwas wert sein soll, um diese später durch „Geld“ o. ä. auszugleichen sorgt dafür, dass die Gesellschaft sich an einer ganz langen Leine (Freizügigkeit) handhaben lässt und so die „Herrscher der geistigen Welt der Massen“ in einer Parallelwelt leben können, während die Bevölkerung von „finanzieller Freiheit“ träumt.

„Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.“ Rothschild, 1863

All das gewohnte Getue nutzt also wenig, wenn man sich wie die Mehrheit in einer, von ihr mitgestalteten Gesamtsituation bewegt und sich über ihr aktives Mitwirken daran noch nicht einmal bewusst ist, nicht zu vergessen die vielen Gruppen, die sich in der Hoffnung bewegen, irgendetwas von Vorgestern würde den verloren gegangenen Alltag wieder zurückholen.

„So jetzt wissen wir, dass die Verfassung von 1871 gültig ist, und wie bekommen wir die jetzt aktiviert?“ Zitat aus 2021

Die Schuldigen sind schnell ausgemacht
Gern wird auf die Polit-Darsteller so mancher Unrat ausgekübelt, während die Gesellschaft durch ihr anerzogenes, konservatives Verhalten (was sich durch ein Festhalten an den anerzogenen gesellschaftlichen Werten zum Ausdruck bringt) selbst zu jenen Phänomenen beiträgt, die sie gesellschaftlich gleichzeitig zu kritisieren meint.

Da schwillt das Klagen beim Verlust der gewohnten Privilegien natürlich an und schnell glüht die Tastatur, wenn es darum geht, das eigene Leid in emotionalisierte Worte fassen zu wollen, um es anschließend zum Besten zu geben. Das ist auch verständlich. Und was passiert sonst? Nix.

Außer Demonstrieren, reichlich online Konferenzen, Verschwörungstheorien über die Unterdrückung der Massen in der so genannten „Neuen Weltordnung“, damit beim eigenen Gewissen der Eindruck entsteht, man habe wenigstens irgendetwas getan.

„Wäre es bloss so einfach.“ „Hobie Doyle“, Hail Ceasar, 2016

(Anmerkung: Auch reicht das ganze Tamtam mit „Staaten“ und „Verfassungen“ und der „Gültigkeit von Gesetzen“ nicht aus – und allem, was damit zu tun hat.)

Tipp: Da muss man jedoch durch und es logisch erklärbar hinter sich lassen! Und: Auf der Prinzipebene findet sich der Ausgang und nicht auf der Inhaltsebene.

Für die Situation, in der sich die Mehrheit bewegt, reicht eine konventionelle Lösung nicht aus, gleich ob es sich um übliche, unausgegorene „Verdrängungsgelüste“ („Merkel muss weg!“) handelt, die naive Hoffnung auf gerechte Vorgesetzte, „reichlich“ gesteuerte Hinterhof- oder Feuchtkeller-Revolutionen, Parteigründereien, verzweifelten Selbstmord- oder sonstigen Gewaltvorhaben. Nicht zu vergessen: die vielen Regressions- und Resignationsambitionen usw.

„Sehen Sie sich diese Welt an und sehen Sie, was Ihr Wunsch Sie kostet. Sie müssen der Held sein. Nur Sie können den heutigen Tag retten. Widerrufen Sie ihren Wunsch, wenn Sie diese Welt retten wollen.“

„Warum sollte ich? Ich habe jetzt mein Ziel erreicht. Die Welt gehört mir. Du kannst mich nicht aufhalten. Keiner kann das.“

„Ich habe nicht mit ihnen gesprochen. Ich habe mit allen anderen gesprochen. Denn Sie sind nicht der Einzige, der gelitten hat, der mehr will. Der jemanden zurückhaben will, der nicht mehr voller Furcht sein möchte oder allein…oder verängstigt oder machtlos.
Denn Sie sind nicht der Einzige, der sich eine Welt vorgestellt hat, in der alles anders ist… besser… endlich. Eine Welt, in der man geliebt und wahrgenommen… und geschätzt wird… endlich. Aber was kostete sie? Sehen Sie die Wahrheit?“ „Diana Prince“, Wonder Woman 1984, 2021

Dass das System von seinen Prinzipien in nahezu allen Ländern (Land (politisch), im Kern eine Überlagerung von namenlosen Boden) her gleich ist, fällt einem dann erst auf, wenn man den Zusammenhang zwischen gesellschaftlich als „normal“ erachteter Erziehung (u. a. jene zur Gehorsamsbereitschaft und Entsprechung) und sich daraus typisch entwickelnder Organisationsform, die bekannte Hierarchie entwickelt.

In der Regel beginnt der ganze Sermon in der Familie jedes Mal auf ein Neues.

Das wiederum zeigt, wo man selbst etwas tun kann und auch, inwieweit man selbst an der gewohnten Entwicklung seinen eigenen Anteil hat wie auch die Möglichkeit, die eigenen Denk- und Verhaltensweisen zu hinterfragen und infrage zu stellen, was später auch zur Veränderung der eigenen Sichtweisen und Handlungen führt.

Das Opfer wird jedoch immer klagen und sich die ihm präsentierende Situation angsterfüllt vor Augen führen, um letztlich weiter an den gewohnten Verhalten festhalten zu wollen – denn das ist immer einfacher. Gleiches gilt u. a. auch für das Kämpfen.

Die Infragestellung des Systems ist letztlich der einzige Ausweg und damit auch die das System erzeugenden Denk- und Verhaltensweisen!

An diesem Punkt mag ich nochmals die typischen Verdrängungskonzepte aufzählen: Kampf, Widerstand, Flucht, Ignorieren, Leugnen, Ab- und Ausgrenzen, weitschweifige Toleranz, Beratungsresistenz, allgemeiner Unglaube, Schützen, Lügen, Sichern, Verteidigen und die allseits bekannte Schuldzuweisung.
Damit das alles auch funktioniert und logisch erscheint, dient dazu die bekannte Feindbildprojektion, wo der eigene innere „Feind“ auf andere projiziert wird, um die eigenen Verhalten (und deren Beibehaltung) damit rechtfertigen zu wollen.

Im Kern zieht sich das ganze Tamtam nur deswegen in die Länge, weil sich kaum jemand eingestehen mag, dass er sich „sein“ ganzes Leben selbst getäuscht hat und noch darauf hofft, dass „die Lösung“ von irgendwo anders herkommt, während gleichzeitig die Ohren – vor allem was ungewohnt klingt – verschlossen werden/bleiben.

Auf der anderen Seite kenne ich einige Menschen, die wissen über diesen gesellschaftlichen Zustand Bescheid, schweigen jedoch darüber.

Zu sehr ist die Mehrheit an die Rolle des betreuten oder betreuungswürdigen Opfers gewöhnt, während sie beharrlich ignoriert, dass ihr gewohntes Tun den Planeten und sie sich selbst zerstört, weil sie meint, an den Wertvorstellungen festhalten zu müssen, während sich der angesprochene, einzelne Teilnehmer, meist als Opfer der Umstände sieht, gepaart mit der Vorstellung, dass er ja schließlich überleben müsse.

Kaum jemand kennt den Unterschied zwischen Leben und Existenz, mutmaßt, dass beides ein und das Selbe sein soll.

Wer kommt schon darauf, dass die gewohnten Werte, an die er zu glauben (ist nur ein anderes Wort für „festhalten“) meint, ihn erst zu einen fremdbestimmbaren Menschen werden lassen, während der sich gleichzeitig – auf Belohnung und Erlösung hoffend –selbst unten hält?

Wer mag das schon hören wollen?

Wer mag schon hören, dass sein Wehklagen, Jammern und Greinen und sich beschweren nur ein verzweifelter Versuch darstellt, das selbst geschaffene Leid von sich wegschieben zu wollen, indem er anderen dafür die Schuld zu geben meint?

Einmal mehr ein Grund, den Blick über den „Tellerrand“ zu werfen. Selbst dann, wenn der Geist durch Existenzängste noch fremdbestimmt ist.

Die Erlösung besteht nicht darin, dass alles beim Alten bleibt, es sei denn man hofft darauf, sich weiter für belohnte Gehorsamsbereitschaft selbst unterdrücken zu wollen, weil man ja „nicht anders zu können“ meint.

In diesen Zeiten zählt einmal mehr der Mensch, nicht seine Rolle die er (sonst) belohnt zu spielen meint und auch nicht damit verbundenes Ansehen, was er zu verkörpern oder anzustreben versucht oder meist künstlich aufrecht zu erhalten meint.

Das betrifft vor allem jene Rollenspiele, die der gewohnte Denker einzunehmen meint, während er der unwissenden Bevölkerung wieder einmal mehr das Gestern zu verkaufen versucht.

„Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.“ Hannah Arendt

Der Wunschgedanke, dass sich das Gestern nochmals in glorreichem Glanze zeigen möge, scheint mittlerweile ausgeträumt und mit ihm seine Anhänger, was sie jedoch noch nicht realisiert haben – ob es sich hierbei um das übliche Partei- oder Reichsgeplänkel handelt oder fortwährende Problemorientierung.
All jene, die stets nur Probleme zu erkennen meinen, während sie die Verdrängung des Dargebotenen als einzige Haltung akzeptieren, die sie mitunter auch noch – zumindest einen kurzen Moment lebhaft aufrechtzuerhalten meinen.

Jene irren, wenn sie denken, dies sei genug – zumal es sich in der Regel nur um Symptome handelt und die Ursachen geflissentlich „übersehen“ werden – besser: Sie wissen nicht einmal, dass sie die Ursachen übersehen.

Letztlich ist es vollkommen gleich, ob man sich oberflächlich mit jemandem in der Rolle des Präsidenten, Königs oder Kaisers oder sonst was zu „schmücken“ meint, wo Ideologien, Autoritäten und künstlich geschaffene Gesetze den „gewohnten Kopf“ nur weiter vernebeln sollen, während prinzipiell die selbe „Nummer“ aus erwählten Erhobenen und auf Belohnung hoffenden Untergebenen „geschoben“ wird.