Sternenkinder

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(v1.2*) Sie stehen irgendwo auf einer großen, grünen Wiese, blauer Himmel, dicke Cumuluswolken folgen bedächtig dem Wind, die Sonne scheint mild, der Löwenzahn blüht, irgendwo hören Sie ein paar Bienen summen. Ihr Gesicht wird sanft von einer warmen Brise berührt – tragend weitere Düfte von Gräsern und Kräutern.

Stellen Sie sich vor, Ihnen begegnet nun ein anderes Wesen, es legt seine Hand auf Ihre Wange, schaut Ihnen tief in die Augen. Ein Moment der Stille. „Du, ich hatte dies alles schon längst vergessen…“ Gleich darauf: „…und ich bin hier, um dich daran zu erinnern.“

Das sich dabei entfaltende Gefühl kann man kaum in Worte fassen. Es sind jene Momente, wo uns das Leben an sich selbst erinnert, dass es nicht auf das Gewöhnliche beschränkt ist und uns über das materielle Sein hinaus nicht nur berührt, sondern mit auf eine Reise nimmt. Dorthin, wo Grenzen und gewohnte Konzepte keine Bedeutung mehr haben.
Dieser Ort ist kein wirklicher im gewohnten Sinne, der voneinander trennt, wenn man sich daran erinnernd – nur scheinbar – wieder aus den Augen verliert.

Ob diese Gedanken Ihnen nun weiterhelfen mögen, kann ich nicht sagen. Zumindest bedeuten sie etwas für mich. Warum sollte ich sie also für mich behalten? Es wäre nur gewohnt „egoistisch“.

Es gibt tatsächlich Dinge, die kann man noch so viel teilen, wie man mag. Sie werden nicht weniger und erinnern so daran, dass noch etwas anderes existiert – das Leben selbst.

Während sich so manches Thema um das Verlassen des Planeten dreht und man sich scheinbar unüberwindbaren Problemen ausgesetzt sieht, ist nicht gerade jetzt dieser Moment, sich dem Gedanken hinzugeben, die gewohnten Fragen nach Lösungen einmal anders zu formulieren?

„Wenn wir die Exzesse des 20. Jahrhunderts nicht wiederholen wollen, dann müssten wir die Kinder über diesen Planeten unterrichten und ihnen keine Geschichten erzählen, ihn zu verlassen.“ „Lehrkraft“ zu „Copper“, Interstellar, 2014

Die Herausforderungen sind nicht dort, wo wir noch nicht waren, sondern an jenem Ort, wo wir nicht hinschauen. Den nachfolgenden Generationen das Angerichtete weiterzureichen, während es irgendwann noch hieß: „Wir wollen, dass ihr es mal besser habt, als wir…“, jedoch im Nachgang nur Arbeiten und Geld verdienen auf dem Einkaufszettel stand.

Die Suppe, die sich der Mensch selbst eingebrockt hat, hat er auch selbst auszulöffeln. Was ihm am meisten stinken wird, dass es sich bei den von zu Generation zu Generation weitergereichten „Eigen- und Besitztümer“ nur um eine Märchenstunde handelt und Vererbung nur das Weitergeben jenes Zustandes ist, der sich bei genauerem Hinschauen als belohnte Sklaverei entpuppt.

„Man muss ja froh sein, wenn man Arbeit hat.“ Alte Frau im Linienbus in Recklinghausen

„In 50 Jahren bist du so etwas von tot. Eure Generation fickt diesen Planeten ins Koma.“ „Bumm. Spoileralarm.“ „Und noch ein Spoiler.Weißt du, du bist kein scheiß Held. Du bist nur ein nerviger Clown, der als Sexspielzeug verkleidet ist.“ Dialog „Cable“ und „Deadpool“, Deadpool 2, 2018

Gestern schaute ich den Film „Ad Astra“ mit dem Schauspieler Brad Pitt in der Rolle als „Roy McBride“. Der Sohn, der seinen Vater, am Rande des Sonnensystems, nach über 27 Jahren wieder begegnet. Die Bühne: der Weltraum selbst. Das Thema: Die Suche nach außerirdischer Intelligenz.

„Er hatte fremde, ferne Welten so detailliert erfasst, wie niemand zuvor. Sie waren wunderschön… überwältigend… voller Pracht und Wunder. Aber unter ihren erhabenen Oberflächen… war nichts. Weder Liebe, noch Hass, weder Licht, noch Dunkelheit. Er konnte nur sehen, was nicht dort war und übersah das, was direkt vor ihm lag.“ „Roy McBride“ über seinen Vater, Ad Astra, 2019

Die Suche nach anderem Leben, lenkt den Menschen von seiner wesentlichen Aufgabe ab, sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen, denn dies hat Einfluss auf die nächsten Generationen und ihr Handeln auf diesem Planeten.

„All die Hoffnungen, die wir in die Raumfahrt gesetzt hatten, überdeckt von Getränkeständen und T-Shirt-Verkäufern. Nur eine Kopie dessen, wovor wir auf der Erde davonlaufen. Wir sind Weltenfresser. Wenn mein Dad das sehen könnte, er würde alles niederreißen.“ „Roy McBride“ auf dem Mond, Ad Astra, 2019

Einige Gedanken zu Beginn der Woche.

Musikalische Untermalung: