The Next Days

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(v1.0*) Wenn man sich mit der UN-Resolution A/RES/70/1 vom 25. September 2015 „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ intensiv auseinandersetzt, so erscheint alles im Rahmen gewohnter Sichtweisen sehr sinnvoll. Schließlich sind die darin beschriebenen „Probleme der Welt“ (sicht- und spürbare Phänomene des Systems) ja auch nicht irgendein Firlefanz.

Jedoch kann man die Resolution auch auf zwei Arten lesen: Nachhaltigkeit im Sinne der Erhaltung und Vollendung des bestehenden Systems oder – um- und weitergedacht – im Sinne des Lebens und nachfolgender Generationen, wo Vernunft und Gewissen, Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit keine leeren Worthülsen mehr sind.

„Du bist gesprungen, ohne zu wissen, wo du landest. Und darum geht’s. Das sind diese kleinen, mutigen Minischritte, die wir machen sollten, um zu versuchen wieder heimzufinden, einen neuen Sinn. Ich ging 45 ins Eis und hatte gerade die Liebe meines Lebens getroffen. 70 Jahre später wachte ich auf. Man muss weitermachen… Man muss weitermachen. Die Welt liegt in unseren Händen. Wir tragen die Verantwortung. Wir müssen was daraus machen.“ „Steve Rogers“, Avengers: Endgame, 2019

Setzt man sich mit der Resolution intensiv auseinander, wird darin versucht, die im System in Erscheinung tretenden Phänomene (Symptome) mit jenen Mitteln lösen(bekämpfen) zu wollen, aus denen die Phänomene (Symptome) gleichzeitig hervorgehen. Selbstreferenzierung – ein Mittel zur Selbsterhaltung, eine Eigenschaft sich selbstorganisierender Systeme.

Selbstorganisation funktioniert jedoch nicht einfach so, sondern ebenfalls nach Regeln.

In dem vom Menschen, auf Basis seiner gewohnten Denk- und Verhaltensweisen, künstlich geschaffenen System, sind dies im Wesentlichen a) der anerzogene Glaube an den Wert von mit Zahlen bedrucktem Papier und dessen vielen Abkömmlingen, verbunden mit b) der anerzogenen Vorstellung, dass Arbeit etwas wert sei, die man erst leisten müsse, um eben an das Bedruckte (und der gesellschaftlichen Anerkennung) zu gelangen, was jedoch nur eine kleine Gruppe „erschaffen“ darf. Wer genauer hinschaut, erkennt die global-gesellschaftliche (Selbst)Versklavung.

Daraus abgeleitet die Vorstellung, etwas oder jemand würde einem gehören, siehe a) Kinder, die sich zur Welt bringen und b) Dinge, die man sich kaufen kann.

Nur der Mensch, der sich an die Rolle des auf Belohnung heischenden Opfers gewöhnt hat, sagt: „Man kann ja sowieso nichts machen.“
Dass einem etwas oder jemand gehören würde, ist ebenfalls eine anerzogene Vorstellung, über dessen Ursprung sich kaum Gedanken gemacht werden, bis man sich mit Haben und Sein näher auseinandersetzt.
Gesellschaftlich „gepflegte“ Entsprechung und Gehorsamsbereitschaft, die von Generation zu Generation unhinterfragt weitergegeben wird, beinhaltet neben den Konventionen auch die Umlenkung der Entwicklung des jungen Lebens vom Sein ins „extern“ kontrollierbare Haben.

Technologie erscheint dabei als eine Invertierung nahezu ausgebliebener inner-menschlicher Entwicklung, die den Menschen sich selbst von sich entfremden lässt, in der Regel beherrscht von den aus gewohnter Erziehung zur Gehorsamsbereitschaft und Entsprechung daraus entstandener Denk- und Verhaltensweisen.
Entsprechung ist eine Form innerlicher Gleichschaltung, während die gelebte Außendarstellung von den Anhängern des Geschäftsmodells (kaufen und verkaufen, Wert gegen Wert) „freudig“ in Empfang genommen wird.

Die für das Geschäftsmodell wirksamen Grundverhalten sind a) der Versuch, die innere Leere durch äußere Materie befüllen zu wollen und b) die aus der fortgeführten Fremdbestimmung im Mangel entwickelten Eigenschaften Vernunft und Gewissen.

Man hört so oft den Satz: „Oh, wenn du mal groß bist, wirst du es zu etwas bringen.“ Das sagen so viele in diesem Land. Das heißt, ein Kind wird also für das wertgeschätzt, was es mal sein wird und nicht für das, was es ist. Es wird eines Tages ein großer Konsument. Und je schneller wir die Kinder aus dem Nest werfen, damit sie unsere Produkte kaufen können, desto besser.“ Dialog „Arsenio Hall und Fred Rogers“, Der wunderbare Mr. Rogers, 2019

Der Mensch, der sich unter der gewohnten Erziehung (ziehen) kaum selbst entfalten kann, bewegt sich später in der Regel „unter der Fuchtel“ seiner bis dato anerzogenen und entwickelten Denk- und Verhaltensweisen. Und da er so nicht „Herr über sich“ selbst ist, „übt“ er sich lieber darin „Herr über andere“ zu sein.
Im Rahmen gewohnter Inbesitznahme des jungen Lebens und damit einhergehender autoritär-gesellschaftlicher Entsprechung, entsteht immer ein höriger Mensch, der nach Belohnung strebt und Bestrafung zu vermeiden versucht.

Durch gewohnte Fremdbestimmung kann sich das junge Leben in Vernunft und Gewissen durch eigene Erfahrungen nicht wirklich entwickeln, da für ihn bestimmt wird, was „gut und richtig“ sein soll.
Die auf diese Weise im Mangel verweilenden, menschlichen Eigenschaften Vernunft und Gewissen, sind a) die Basis für das weltweite Geschäftsmodell und b) gleichzeitig die Rechtfertigung für seine Betreuung – während zudem verhindert wird, dass ein Entwicklungsprozess stattfinden kann – besser: bisher verhindert werden konnte.
Das nennt sich Selbstreferenzierung und weißt auf die Entstehung aus sich selbst heraus hin: Es begründet sich aus sich selbst heraus.

Der Mensch, der sich in Vernunft und Gewissen entfaltet, wird viele Dinge, Handlungen, Sicht- und Handlungsweisen, denen die heutige Gesellschaft nachzugehen meint und als „Existenznotwendigkeiten“ erachtet, zunehmend verhalten gegenüber stehen.
Dies umfasst all jene, die sich aus der gewohnten Orientierung im Haben abbilden, während damit versucht wird, die innere „Leere“ damit befüllen zu wollen und die Aufrechterhaltung der Existenz (Nahrung, Dach über dem Kopf, Mobilität und Kommunikation) vorgeschoben wird, um erst darüber hinaus reichlich Unsinn praktizieren zu wollen, um die nächsten „Flocken“ zu verdienen.

An diesem Punkt erkennt man auch den wesentlichen Aspekt menschlich notwendiger Entwicklung und Abkehr von einer sich zunehmend ungesund entwickelnden Gesellschaft im Haben, wie auch dessen Mehrung und Verteidigung.
Mit Wiedererweckung der eigenen, inneren Entwicklung erkennt man, dass einem sowieso nichts gehört.
Auf diese Weise löst man sich aus dem gesellschaftlichen Vertrag zwischen auf Belohnung hoffenden und auf Gehorsam getrimmten Untergebenen und ihren sie wohlwollend belohnenden „Vorgesetzten“.

„Der Mensch macht sich durch Verschiebung der Verantwortung selbst zum Sklaven und schafft sich so seine Herren, die ihm sagen, was er zu tun hat.“

„Der Tag, an dem ich erkenne, dass mir nichts gehört, ist auch der Tag, an dem ich nichts mehr verliere.“

An diesem Punkt ist das Alte zu Ende und wird zur jener Erinnerung, wo man lernte, wie es nicht funktioniert.

Diese vielen Phänomene, die der Mensch in der Welt beobachtet, von denen der eine mehr oder weniger berührt, ein anderer mehr oder weniger betroffen ist, sind wahre Herausforderungen, denen eine noch größere Herausforderung vorausgeht, um diese zu lösen, indem er sich den von ihm selbst geschaffenen Ursachen und Bedingungen stellt, um – erkannt – von ihnen abzulassen.

Das trifft auch auf die künstlich geschaffene Unterteilung namenlosen Bodens zu, die sich durch gewohnte Überlagerung durch Betreuungseinrichtungen (Staaten) zum Ausdruck bringt. Einrichtungen (Institutionen), die durch ihre gewohnt hierarchische Organisationsstruktur „glänzen“ und ihre Selbsterhaltung damit begründen, indem sie die „17 Symptome“ durch reichlich Symptombekämpfung – schon fast heroisch – zu beseitigen versuchen.

Hierarchie – eine Organisationsform, die aus einem anerzogenen Missverhältnis zwischen dem „Ich“ und seinem Menschen heraus entsteht, hervorgehend aus repetitiv angewandten, in der Regel unhinterfragten Erziehungsmustern, hin zu Entsprechung und Gehorsam.

Betrachtet man die Welt als ein Produkt global gesellschaftlich vereinbarter Regel- und Verhaltenswerke, Konventionen und Glaubenskonzepte und stellt die darin wahrgenommenen Unsäglichkeiten als Phänomene des Systems fest, so stellt sich zumindest mir schon lange nicht mehr die Frage, wie man das eine oder andere Phänomen lösen kann.

An diesem Punkt kann ich die eine oder andere Stimme bereits hören, die sagt: „Ja, aber die anderen sind ja nicht soweit“, während die Stimme davon überzeugt ist, selbst nur lange genug darauf warten zu müssen.

„Immer ein Ding der Unmöglichkeit nach dem anderen.“ „Jean-Luc Picard“, Star Trek: Picard, 2020

Wenn man spaßeshalber das Geld mal weglässt, so sind plötzlich Dinge möglich, die vorher unmöglich erschienen und sicht- und spürbare Erscheinungen verschwinden von Geisterhand. Das wiederum zeigt, dass das Geld versucht, das Leben besser den in ihm wirkenden Entwicklungsprozess zu verhindern, da es nur ein künstliche Energieform des Lebens ist.

Geld, was keiner Bedingung unterliegt, ist eines, was man auch nicht mehr braucht, weil dann alles möglich ist, jedoch nicht mehr alles notwendig.