Chemnitzer Betrachtungen

„Wer nicht von Grund auf umdenken kann, wird nie etwas am Bestehenden ändern.“ (Anwar as-Sadat) und „Ihr kriegt uns nicht los. Wir Euch schon!“, eigenen sich hervorragend als gesellschaftliche Gegenpole.

Aktuell dreht sich alles um Chemnitz und wenn ein Hans-Georg Maaßen bezüglich angeblicher „Hetzjagden“ bereits von einer Ablenkung (vom Mord selbst) spricht, dann meint er im Grunde genommen auch nur eine Ablenkung von der stattfindenden kollektiven Ablenkung. Doch wer will das schon hören?

Man will Strafanzeige gegen Merkel und Seibert stellen. Aha:

(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

Das Maß ist voll und der Leidensdruck muss auf der Demo abgelassen werden! Ungerechtigkeit und eine Politik, die sich mehr denn je gegen das „Volk“ zu stellen scheint. Wer will da schon hören, dass er nur das erntet, was gesellschaftlich „beauftragt“ gesät wurde? Keiner will das!

Mit wildem Aktionismus ist es nicht getan, auch niht wenn die Demo einen neuen Namen erhält.

Die Vorstellung, Merkel und die Einfließenden müssten erst mal weg, wäre nur ein gewohntes Verdrängungskonzept, was die die Kombi-Frage mit einschließt: Wie bringt man jemanden dazu, dass er wieder geht und wer ist derjenige, der diesen Schritt umsetzt? Das könnten ja nur ein paar ganz tumbe Zeitgenossen sein, wenn man „die übliche Nummer abziehen“ wollte.

Zu sehr wird sich auf allen Seiten in der gewohnten Haltung der Gegnerschaft bewegt. Und wer der Meinung ist, man verstoße gegen Gesetze, der wird sich sicher auch nicht die beiden Zitate von Blaise Pascal antun wollen, die auf „des Pudels Kern“ verweisen: Die erkaufte Macht der Vorgesetzten und der belohnte Gutglaube des Volkes an gerechte Vorgesetzte.

Da ist kein Platz für Gesetze und wird es auch nie sein. Es sei denn es finden sich wieder ein paar blauäugige „Vorgesetztenanbeter“, Konservativkonserven“ und „Gesternverehrer“. Viel Freude beim Schwimmen gegen den Strom des Lebens, nicht gegen den der anderen. Denn die schwimmen auch gegen den Strom des Lebens. Die Betroffenen kommen nicht umhin über den Sinn der Philosophie vorzudenken! Aber wer will das schon hören?

Es ist vollkommen Wurst, welche Partei man ohne geltendes Wahlgesetz zum „Aufräumen lassen“ erkieren würde oder welchem Reich man seine untertänige Anhängerschaft erweist. Beide „Lösungen“ bewegen sich in einer dem Leben selbst abgewandten Haltung, da sie sich unter anderem auf das positive Recht stützen. Das klassische „Ich“ der Mehrheit verkörpert die dem Leben abgewandte/konservative Haltung. Und das versteht sowieso keiner!

Bei einer Wahl wird lediglich entschieden, welches von den dargebotenen  Betreuungsprogrammen das „bessere Gestern“ sein soll. Der Politik kann man keinen Vorwurf machen, denn sie verkauft nur das, was die Masse haben will. Es genügt also schon lange nicht mehr, einfach nur „wachsam zu sein“.

Der Gesellschaftsvertrag zwischen Betreuern und Betreuten befindet sich in der Auflösung. Da gibt es auch keine „Bösen“, denen man einseitig was „ans Zeugen flicken“ kann. Jene, die am meisten an ihren Gewohnheiten festhalten, die trifft es am härtesten.
Vor allem dann, wenn „die Existenz“ von Geld, Besitz, Hab und Gut abhängig ist. Es geht hier mehr um die Erhaltung und Sicherung der bereits angehäufte Menge von Besitz, Hab und Gut und das was man als „Land in dem man lebt“ bezeichnet.

Mit gewohnten Handlungen wird sich an der sich zuspitzenden Situation also nichts ändern. Das betrifft im Wesentlichen auch für Demonstrationen zu, die nach dem Prinzip „vom mehr des Selben“ auch nur „kollektives sich Abregen“ sind und bleiben.

Von links: „Wir sind mehr!“. Von rechts: Das dürft ihr so denken!“. Von außen: „Kindergarten.“

Wer nun auf die Idee kommt, mir Geschmacklosigkeit wegen des Ermordeten vorwerfen zu wollen: Im Grunde genommen geht die Sache eine handvoll Leute was an und niemanden sonst! Solidarität ist dann passend, wenn es sich um einen Trauermarsch handelt, um Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen.

Alles andere führt nur zu gewohnter Entfremdung und Eskalation. Und so wie es ausschaut, geht es von allen Seiten darum, reichlich Öl von der eigenen Marke ins Feuer kippen zu wollen.