An die Aufgabe erinnernd

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(v1.1) Wer hat in diesem „seinem“ Leben nicht schon einmal festgestellt, wenn ihm etwas „auf den Wecker ging“ und er zumindest der Meinung war, dass sich endlich etwas ändern müsste.
Doch wie oft hat man sich selbst dabei ertappt, wie es einem – fast mechanisch – aus dem Munde hervorquoll, dass man je sowieso nichts tun könne und man anschließend resignierend und die Gedanken verdrängend, wieder seinem gewohnten Alltag nachging.
Irgendwann wurde jedoch eine Art „Grenze“ überschritten und das Verdrängen und Resignieren stellte sich nicht mehr so einfach ein.
Später begegnete man sogar „Gleichgesinnten“, die zumindest eine Weile den Weg teilten, sich jedoch mit dem nächstgelegenen Thema bereits zufrieden gaben und nach dem Prinzip „vom mehr des Selben“ ihr Glück versuchten.

Wer ahnte zu Beginn seines Weges, dass es nicht damit getan war, nur das Basislager am Fuße jenes einen Berges zu erreichen, um sich alsdann gegenseitig nur noch Geschichten vom Bergsteigen zu erzählen, statt dies entschlossen zu tun?

Eine solche Situation wäre ja noch irgendwie greifbar, da sie eine Form von Realität darstellt.

Komisch wird „die Nummer“ erst, wenn es um das Errichten, Aufrechterhalten und/oder Austauschen von Fiktionen geht, die als alternativlose Realitäten erachtet werden und nur deswegen existieren, weil der Vergleich fehlt und so die Vorstellung herrscht, die eine Selbstunterwerfung nur gegen eine „gewogene“ auszutauschen und dies bereits der einzig notwendige und entscheidende Schritt sei.

Wer ahnt schon, dass er sich, getragen von seinen gewohnten und gesellschaftlich als „normal“ erachteten Denk- und Verhaltensweisen (eine davon ist die anerzogene Gehorsamsbereitschaft), prinzipiell nur „das Übliche“ empor zu heben versucht, um sich einmal mehr „gerechte Herren“ zu suchen oder auf ihr erlösendes Erscheinen zu hoffen?

„Der Herdenmensch, der geht nirgendwo hin. Der mag meine Welt. Der will dieses sentimentale Zeug nicht. Der will keine Freiheit oder Selbstbestimmung. Der will vielmehr kontrolliert werden. Der wiegt sich viel lieber in Sicherheit. Das heißt für euch zwei: Zurück in eure Pots, bewusstlos und allein. So wie die Masse.“ „Der Analytiker“ zu „Neo“ und „Trinity“, Matrix Resurrections, 2021

Doch wer mag schon darüber nach-, drauf herum- oder vordenken, wenn das Ergebnis nachher nicht mehr seinen gewohnten (Wert)Vorstellungen und davon abgeleiteten Handlungsweisen entspricht?

Das Gegenstück zur bestehenden „Realität“ besteht nicht einfach nur darin, nur kräftig genug gegen etwas zu sein, sondern das Gegenstück entsteht durch den Prozess der Infragestellung des Bestehenden.
Dabei geht es auch nicht einfach darum, die Realität als Ganzes gegen das Nichts einzutauschen oder auf Dinge zu reduzieren, auf die man fest zu klopfen meint, um es so dem Nichts gegenüber zu stellen. Die Dinge sind nur die Dinge.

„Es geht nicht einfach um „Bedeutung“ oder „keine Bedeutung“, sondern darum die Bedeutungen zu ändern, die man den Dingen verleiht.“

Die Aufgabe besteht darin, die vom Menschen geschaffenen Fiktionen in der Realität als solche zu erkennen, warum sie existieren und welche Bedeutungen und Auswirkungen sie auf den Menschen haben, um sie alsdann dauerhaft infrage stellen zu können. An diesem Punkt wird die Aufgabe zu einer rein mentalen Angelegenheit.

„Das isses, oder? Wenn wir nicht wissen, was real ist, können wir uns nicht wehren.“ „Bugs“, Matrix Resurrections, 2021

Es kann nicht oft genug wiederholt werden.

Nachtrag: „Damals war alles einfacher. Die Menschen wollten frei sein. Heute ist das anders. Manchmal kommt’s einem vor, als hätten die Menschen aufgegeben, als hätte die Matrix gewonnen.“ „Shepherd*“, Matrix Resurrections, 2021

* gespielt vom deutschen Schauspieler Max Riemelt