Der Prozess der Infragestellung

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(v1.2) Ich weiß gar nicht, ob ich darüber schon mal einen Beitrag geschrieben habe, zumindest habe ich des Öfteren schon darauf hingewiesen. Man entwickelt sich dann, wenn man das Bisherige infrage stellt, statt auf dessen unbetrachtete Regelwerke (Prinzipien), die in der Regel im Hintergrund wirken, weiter bestehen zu wollen.

Frieden ist nicht einfach ein Vertrag, den es nur zu unterschreiben gilt, wenn die für einen Krieg und seinen Auswirkungen verantwortlichen Denk- und Verhaltensmuster weiterhin unbetrachtet und somit auch beibehalten werden – weiter wirkend.

Den Regelwerken der Natur nähert sich der Mensch durch stetige Entwicklung von Vernunft und Gewissen und nicht durch Schaffung und Orientierung an von ihm künstlich geschaffenen Regelwerken, die lediglich die Auswirkungen(!) gesellschaftlich tolerierter Unvernunft und Gewissenlosigkeit regulieren sollen.

Die Künstlichkeit seiner geschaffenen Strukturen entpuppt sich letztlich nur als Überlagerungen als Teil eines von ihm geschaffenen Theaterstücks, in denen sich die geschaffenen Personen, für die er sich irrtümlich zu halten meint, letztlich nur weitere Teile jenes Rollenspiels sind, was er sich selbst als alternativlos und deswegen auch ernst zugesteht.

Die Künstlichkeit beginnt mit dem Irrglauben die Person zu sein, und etabliert sich bis hin zu künstlich geschaffenen Staatsgebilden, die bei näherer Betrachtung lediglich Betreuungsorganisationen seiner beibehaltenen Unvernunft und Gewissenlosigkeit sind.
Beide, die nur deswegen in ihrer üblichen Ausprägung existieren, weil er im gewohnten Rahmen der Fremdbestimmung aufgewachsen ist, und für ihn alles solange „normal“ erscheint, solange er keine Beeinträchtigungen seiner Existenz erfährt. Er, der sich für sein „Ich“ hält.

Das Feindbild ist ihm im Rahmen gewohnter Erziehung zum Symbol seines täglichen Kampfes ums Überleben geworden, wo die anderen ihm im Wege stehen und ihr Ungerechtigkeiten an ihm ausleben würden.
Dabei sind jene nur der „äußere“ Hinweis für sein eigenes Um- und Weiterdenken, von dem er sich in Folge seiner gewohnten Fremdbestimmung (was für ihn und das Ganze „gut und richtig“ sein soll) verabschiedet.

Der Mensch, der gehorsamsbereit erzogen wurde, wird sich stets einem ihm wohlwollend erscheinenden Beherrscher freiwillig unterwerfen wollen, solange ihm daraus Vorteile (z.B. in Form von Privilegien (Anmerkung: meist reichen ihm ja schon Versprechen)) entstehen. Entsprechen, um der Vorteile willen.
Haben (und mehr des Selben) ist dabei die invertierte Form des Seins (und mehr des selben), wo erkennbar seine innere Haltung durch eine äußere überlagert wird.

Sein Belohnungssystem ist durch seine Erziehung zur Gehorsamsbereitschaft vordringlich „von Außen“ steuerbar, bedingt durch seine Denk- und Verhaltensmuster. Für ihn ist das vollkommen „normal“, weil es ja schon immer so gewesen sein soll.

Wenn er sich in seiner eignen Vergangenheit im Form seiner Erinnerungen bewegt, wird er jedoch erkennen, dass es irgendwann Momente gab, wo dies nicht der Fall war.

Dann sollte ihm klar sein, dass bspw. Mörder, Betrüger, Kinderschänder und Vergewaltiger nur Phänomene gesellschaftlich als „normal“ erachteter Erziehung im Rahmen gewohnter Fremdbestimmung sind und nicht einfach so zur Welt kommen, wie dies mitunter gern wunschgedacht wird.

„Wissen sie, warum sie in der Funktion als Polizeibediensteter existieren?“ „Nein.“ „Weil sie vorgeschickt werden, um die Auswirkungen gesellschaftlich tolerierter Unvernunft oberflächlich zu kaschieren.“ „Stimmt. Und ich gehe davon aus, dass dies noch eine Weile der Fall sein wird.“ Gespräch mit Selbigem in 2017

Geld hat der gewohnte Mensch stattdessen als Quelle „seines Lebens“ (Existenz) angenommen, was ihm nur dann gegeben wird, wenn er sich selbst oder andere dafür unterwirft.

Das „Wertgeglaubte“ kommt nur über den Prozess der Dar-Lehensvergabe ins System, wo der Glaube an den Wert von mit Zahlen bedrucktem Papier auf den Glauben, dass Arbeit etwas wert sei, seine eigene Unterdrückung beschließt und nicht mitgeschaffenen Zinsen diesem Zustand eine Dauerhaftigkeit verleihen.

Die gesellschaftliche Teilhabe am Zins, ist dabei nur ein weiteres Symbol gegenseitiger Unterdrückung – in der irrigen Vorstellung, etwas oder jemand würde einem gehören.

„Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten“, war wohl mal ein Slogan einer Bank. Dass Geld „arbeiten“ würde, enttarnt sich dann als Illusion, wenn man sowohl den Geldschöpfungsprozess wie auch die Naivität der Mehrheit verstanden hat.

Wenn 1000 Menschen jeweils 1000 Euro irgendwo einzahlen, wie wird es mehr, wenn es nicht als Dar-Lehen weitergegeben wird – plus Zinsen natürlich. Denn wie sonst soll die Rendite entstehen?

Wenn der Bitcoin zahlenmäßig hoch steht, woher kommt die Menge, wenn nicht durch weitere Einzahlung und er zahlenmäßig wieder abnimmt, wenn andere verkaufen und so nur eine Umverlagerung stattfindet, die auf der einen durch Wissen über das Funktionieren dieser künstlich geschaffenen Strukturen getragen ist und auf der anderen Seite auf Unwissenheit darüber beruht – in der Hoffnung auf finanzielle Freiheit.

Solange der Glaube an den Wert von Geld und Arbeit und auch die wechselseitige Abhängigkeit besteht, versklavt sich der Mensch nur selbst. Und jene, die es aus dem Nichts erfinden, sind ihre wahren Herren, während sich der Mensch bereits dadurch selbst täuscht, indem er denkt, dass das mit Zahlen bedruckte Papier und die Arbeit, die er verrichtet, etwas wert seien.

Er wendet sich von allem ab, was diesen Status in irgendeiner Weise gefährden könnte. Aus dieser Betrachtung heraus wirkt das von ihm geschaffene Hamsterrad – wenn Probleme auftreten – mehr wie ein Fluchtfahrzeug.

„Die Karriereleiter ist rund.“

Das ist die zweitgrößte Herausforderung, neben dem Unterlassen, ständig irgendwelche künstlichen Institutionen zu schaffen, die durch ihre Erhaltung nur weitere Energie verzehren, die Mensch oder Natur wieder zur Verfügung zu stellen haben.

Der zur Gehorsamsbereitschaft erzogene Akteur wird sich entweder a) seinem Schicksal fügen oder b) darauf warten, um den günstigen Moment zu ergreifen, um sich dann über andere erheben zu wollen (selbst wenn es nur kurzzeitig ist) usw.

Die Vorstellung, dass einem etwas oder jemand gehören würde, bildet die Grundlage, sachlich orientierte Kritik als persönlich anzunehmen, weil die Person den Menschen überlagert und jedwede Form der Kritik eine Kritik am „Ich“ (die Person) selbst ist, für das sich der Mensch hält, was über ihn herrscht, und das Wesen seiner Denk- und Verhaltensmuster verkörpert.

Solange das „Ich“ (Jakob) über den Menschen (Esau) herrscht solange, wird es ihm immer sagen, dass es viel besser ist, „Herr über andere“ sein zu wollen, statt der Mensch wieder „Herr über sich“ selbst und damit auch über sein „Ich“, seinen Denk- und Verhaltensmustern.

Der Mann: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot.“ (Werbung der Sparkassen, 1995)
Die Frau: „Mein Mann, mein Haus, mein Auto, mein Boot.“

Solange sich der „Status Quo“ des gewohnten Denkers um die üblichen Werte dreht, solange geht das als alternativlos erachtete Rollenspiel für ihn weiter.
Doch wer genauer hinschaut erkennt, dass es sich nicht mehr im gewohnten Sinne entwickelt.

Das liegt einfach daran, dass immer mehr Gedanken in diese Welt gelangen, die zu einer fundamentalen Veränderung beitragen.

Und wissen Sie was? Es reicht sogar schon, wenn es nur Gedanken sind. Denn es ist ein Irrglaube, alles wäre voneinander getrennt und die Welt nur eine Ansammlung von Dingen und Teilen und scheinbar unabhängig voneinander existierenden „Problemen“ – Probleme, die, bitte schön, ja immer „die anderen“ haben. Wie sagte mal Paul Watzlawick?

„Wenn die Lösung das Problem ist.“

Gefüttert wird es mit Menschen in der Vorstellung von Haben, Konsum und der Vorstellung etwas sein, etwas darstellen zu wollen, während man ihnen in der Kindheit unter anderem beibrachte, dass sie erst mal etwas werden müssten.

Der Mensch, der versucht etwas werden zu wollen, wird sich solange auf dieser Hetzjagd nach sich selbst befinden, bis er am Ende seiner selbst entschlossenen Reise erkennt, dass er bereits ist und die von ihm geglaubten Wertvorstellungen ihn nur geblendet und davon abgehalten haben – besser: er sich anerzogen selbst davon abgehalten hat.

Nun haben Sie möglicherweise eine Ahnung, wozu das ganze Tamtam wirklich geschaffen wurde: Um sich selbst zu erkennen, während gleichzeitig etwas auch darum bemüht ist, sich durch den Menschen selbst erkennen zu wollen.

Der Mensch, der in der Vorstellung lebt, er müsse seine Existenz durch Arbeit und Geld gewährleisten, was ihm andere geben, wenn er denn für jene tätig ist, wird aufgrund seiner Denk- und Verhaltensmuster und gesellschaftlicher Wertvorstellungen versuchen, an diesen (eben wegen entsprechender Zugehörigkeit) weiter festhalten zu wollen.

Und so lange als möglich versucht man sich gegenseitig vorzumachen, dass es außer dieser eine Realität keine andere geben kann, da die Mehrheit das Rollenspiel zu ihrer einzigen Realität hat werden lassen.

Hinweisend: Verstehen die das System als ein System der Umhüllung, wo es darum geht eine Hülle nach der anderen abzulegen, bzw. infrage zu stellen.

Nachtrag: Es reicht nicht, nur die politische Orientierung zu wechseln, da sich dieser Handlungsschritt gedanklich nur innerhalb des Systems bewegt. Es geht darum, weit genug vorzudenken und sukzessive Traditionen, Konventionen, Denk- und Verhaltensweisen, Wertvorstellungen in ihren gewohnten Bedeutungen auf ihr grundsätzliches Vorhandensein zu hinterfragen – natürlich verbunden mit Konsequenzen.

Musikalische Nachbehandlung: