Fronten, Irrtümer und dazwischen

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(V1.2) Ein Bekannter sagte neulich, er wisse nicht, was er glauben solle, wenn es um Corona ginge, worauf ich sagte: „Dann informiere dich selbst, bilde dir eine eigene Meinung und höre auf, Meinungen von anderen zu deiner eigenen zu machen. Und dann konnte man sie erkennen, die gewohnte Bequemlichkeit, gepaart mit dem Gedanken, möglichen Problemen aus dem Weg zu gehen.

Der Mensch, der meint, man könne ja sowieso nichts machen, hat im Grunde schon aufgegeben, gleiches trifft auf jene zu, die der Meinung sind, nur gemeinsam stark zu sein. Denn wenn der Einzelne Nichts ist, findet sich Nichts auch in der Masse wieder und es passiert… Nichts. Warum?

„Demos bringen nichts. Damit verschleiern wir nur unser Nichtstun… Wir demonstrieren gegen die Agrarpolitik, nachdem halb Afrika verhungert ist. Wir rationieren das Wasser, nachdem das Grundwasser knapp wird, wir reden über den Klimawandel, nachdem die Welt in Flammen steht.“ „Samantha“, Utopia, 2020

Ich will das bis jetzt Getane nicht schmälern, doch mal ehrlich: Die gewohnten Konzepte führen nicht wirklich zu einer gewünschten Veränderung.

Wer kommt schon darauf, dass alle zur Verfügung stehenden Mittel im Grunde alles zahnlose Tiger sind?
Wer will schon wissen, dass er bisher an etwas mitgewirkt hat, was seinen Denk- und Verhaltensweisen/-mustern entsprach, und er so damit aufrecht hielt?

Ich sag’s mal: Kaum einer. Und genau aus diesem Grund ist die Situation für den Einzelnen auch so, wie sie ist.

Zum Spaziergang geht es, weil man sich mal auskotzen will, so „gemeinsam stark“ zu sein scheint und wenn die Erklärungen kommen, es handele sich um Straftaten, Bla Bla Bla, usw. usf., geht es wieder artig nach Hause. Warum?

Weil die Grundlagen und die innere Stärke fehlen und weil es nichts nutzt, gegen ein vorgeschobenes Argument „Corona“ in üblicher Weise anzustinken, was nur als Vorwand gedacht ist, mit der sich dann oberflächlich auseinandergesetzt wird – selbst wenn man meint, genug darüber gelesen zu haben.
Im im Hintergrund läuft eine weit aus wichtiger Nummer, auf die man als Einzelner jedoch entscheidenden Einfluss hat, auch wenn es aus der gewohnten Opferhaltung nicht so aussehen mag.

„Die richtige Information im richtigen Moment, ist tödlicher, als jede Waffe.“ „Martin Connels“, Westworld, 3. Staffel, Episode 4

Gewohnte Denk- und Verhaltensweisen und all die damit verbundenen Handlungskonzepte reichen nicht aus. Es geht nicht darum nur genug Widerstand an den Tag zu legen, denn das ist mehrheitlich falsch gelernt und lediglich ein Werkzeug, was das, was man zu kritisieren meint, nur weiter damit aufrechterhält.

Da kann man auch nicht mit Halbherzigkeiten an die Angelegenheit herangehen.

Auswendig gelernte Inhalte – und möglichst viele davon – als Argument heranziehen zu wollen, reichen ebenfalls nicht aus. Es ist die innere Einstellung, die innere Haltung, die darüber entscheidet, was passiert.
Es geht um das Verständnis der Zusammenhänge, die über die meist lose Ansammlung von Daten und gestreuten Informationen in Form von Unsäglichkeiten hinausgehen.

Eines darf man dabei nicht übersehen, die Mehrheit wurde gehorsamsbereit erzogen und alles was davon abhängt, soll auch weiter so bleiben, denn nicht nur derjenige, der auf der Straße unterwegs ist, meint etwas zu verlieren zu haben. Beide bewegen sich im Irrglauben, ihnen würde etwas oder jemand gehören.

Solange also die Verlustangst herrscht, solange wird sich stets nur bis zur Grenze des Systems bewegt… um später wieder fleißig an die Arbeit zu gehen, Geld zu verdienen und wieder auszugeben.

Die Aufgabe besteht darin, das System und die eigene Rolle darin, mit der das System üblicherweise aufrechterhalten wird, zu hinterfragen und infrage zu stellen.

Mit den üblichen Inhalten und Argumenten geht es also nicht.

„Es bereitet mir kein Vergnügen, anderen weh zu tun… Es macht mir keinen Spaß. Ich mache es weil…ich… es tun muss… es tun musste.“ „Okay, dann erklären sie mir das bitte.“ „Weil es ein zentraler Teil der Illusion ist. Es ist das schaurige Trugbild, erdacht von Schwächlingen, um Angst zu entfachen.“ „Ein verzweifelter Versuch, alles zu kontrollieren. Sie kennen sich selbst ja doch.“ „Ich bin ein Schurke.“ „So sehe ich das nicht.“ Dialog „Loki“ mit „Mobius M. Mobius“, Loki, 2021

Mittlerweile werden so viele Hinweise zum Um- und Weiterdenken gestreut, was jedoch ein genaues hinschauen und hinhören notwendig macht. Hinweise, die eben nicht haufenweise daherkommen und vom gewohnten Denker nur deswegen „gern“ übersehen, mitunter auch kleingeredet werden, damit  weiter an der bisherigen Rolle festgehalten werden kann, in der Hoffnung, dass es eines Tages mal wieder so wird, wie es vorgestern war.

Gedanke: Sicher können Sie nun mutmaßen, wie ich das halte. Das Beste ist, Sie schauen es sich selbst an. Und legen Sie die Hoffnung ab, es bräuchte erst einer Mehrheit, um als Einzelner etwas zu tun, worüber sich die meisten bis jetzt keine Gedanken gemacht haben.

Hinweis: Das Konzept vom Kopieren funktioniert hierbei übrigens nicht, da jeder ja ein Individuum ist. Es ist vermutlich das erste Mal im Leben, dass man wirklich etwas für sich selbst im Sinne von Sein, statt üblicherweise im Sinne von im Haben macht.

„Zwar unterwerfen sich die Menschen am Anfang unter Zwang und mit Gewalt; aber diejenigen, die nach ihnen kommen, gehorchen ohne Bedauern und tun bereitwillig, was ihre Vorgänger getan haben, weil sie es mussten.
Deshalb sind Männer, die unter dem Joch geboren und dann in der Sklaverei genährt und aufgezogen wurden, damit zufrieden, ohne weitere Anstrengung in ihren ursprünglichen Umständen zu leben, ohne sich eines anderen Zustandes oder Rechts bewusst zu sein und den Zustand, in den sie geboren wurden, als ganz natürlich anzusehen.
… der mächtige Einfluss der Sitte ist in keiner Hinsicht zwingender als in dieser, nämlich der Gewöhnung an die Unterwerfung.“ Aus: Die Politik des Gehorsams: Der Diskurs der freiwilligen Knechtschaft“, Aus: Die Politik des Gehorsams: Der Diskurs der freiwilligen Knechtschaft, Étienne de la Boétie, 1530 – 1563

Wenn einem jedoch ständig die Frage was denn machen könne über die Lippen geht, dann frage man sich einfach, wer denn da ständig will, dass sich nichts ändert, während das Klagen später wieder einmal nur ein kleines bisschen lauter wird. Klagen, Jammern, Greinen, Jorren, Zetern, Demonstrieren, Protestieren und sich beschweren, sind nur Ventilfunktionen für das selbst geschaffene Leid, für das man gewohnt gerne anderen die Schuld gibt.

„Wer sich beschwert, erleichtert sich nicht.“

Anmerkung: Hinter dem System (die alte Ordnung) ist nicht einfach das Nichts, sondern das Leben selbst. Das System (der alten Ordnung) bildet das direkte Gegenstück zum Leben selbst. Und durch seine Infragestellung verliert es zunehmend an der gewohnten einseitigen Bedeutung.

Nachtrag: Die Aufgabe besteht darin, sich selbst zu überzeugen. Schließlich geht es auch um einen selbst.