Schon mal geglaubt?

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(v1.3) Ich glaube, in der Vergangenheit bereits einen Beitrag über das Thema geschrieben zu haben. Was hat es mit dem Glauben auf sich, der ja gerne der Kirche untergejubelt wird, schließlich „weiß“ man ja. Doch was weiß man wirklich?

Wer glaubt schon, dass Arbeit und mit Zahlen bedrucktes Papier, was man dafür zu bekommen meint, etwas wert sein sollen, auch nur ein Glaube ist?

Nur weil es alle so machen, muss es deswegen etwas bedeuten?

Es sind wohl mehr Gewohnheiten, nach denen gedacht und gehandelt wird. Mitunter wird auch nicht gedacht und nur gewohnt reagiert. Aber das ist was anderes… jedoch ähnlich.

Selbst der Glaube, dass da ein alter Mann mit Namen „Gott“ irgendwo im Himmel abhängt, ist auch nur ein Glaube – sogar ein personifizierter. Das Leben mit einer Person umhüllen zu wollen, führt in der Regel zu einem – sagen wir – manipulierten Glauben.

Auch wenn immer noch von „Atomen“ gesprochen wird, entspricht dies, wie sie „nachgewiesen“ werden, auch nur der Art der Fragestellung.

Es sind Modelle, die sich der Mensch entwickelt. Das Geschaffene sorgt nicht selten dafür, dass man irgendwann das Unbeschreibliche vergisst und sich mit der geschaffenen Realität zufrieden gibt, sich darin einkuschelt, nur selten hinterfragt, bis wenige dennoch beginnen, das Bestehende zu hinterfragen – ja sogar infrage zu stellen. Das sind dann meist die „Spinner“, die „Durchgeknallten“, die „Verrückten“.

„Verrückt ist allemal besser, als nur wahnsinnig zu sein.“

Um jedoch den trägen Hintern nicht mehr bewegen zu müssen, wird dann gerne behauptet, dass es ja schon immer so gewesen sei oder man ja sowieso nichts tun könne. Was wiederum die Frage aufwirft, was genau „es“ ist, was denn da schon immer so gewesen sei.

„Die Welt ist alles, was der Fall ist.“ Ludwig Wittgenstein

So stellt sich demnach auch die Frage: Was findet hinter dem gewohnten „Weltbretterzaun“ statt?

Dass man sich nur „gerechte Vorgesetzte“ wählen müsse, die für einen dann nur „das Beste“ wollen und man nur ihren Worten glauben müsse, damit alles „gut“ ist auch nur ein Glaube – ein recht naiver.

„Das Bedürfnis nach „gerechten Vorgesetzten“ findet seine Ursache in der Hoffnung auf ein Weiterführen der anerzogenen Gehorsamsbereitschaft.“

Selbst dass 1 plus 1 gleich 2 seien, ist nur ein Glaube, da der Mensch die Zahlen und die Mathematik erfand, um das, was er beobachtete, auf menschliche Größe reduzieren zu wollen.
Tatsächlich gibt es keine Zahlen oder Buchstaben. Es sind nur Symbole und Prozessmuster, um das Unbeschreibliche begreifbar zu machen.
Die Mathematik ist auch nicht die Sprache der Natur, sondern nur der Versuch ihrer Annäherung.

Wenn man in der Kindheit gesagt bekam, dass man erst einmal Arbeiten und Geld verdienen müsse, um dann etwas zu sein, ist dies letztlich auch nur ein Glaubenskonzept – ein jedoch verhängnisvolles – sowohl für den Gläubigen wie auch die Gesellschaft selbst.

Der noch im Urvertrauen sich bewegende, junge Mensch nimmt diese Aussage ernst und später findet man ihn auf der Jagd nach Liebe, Geld und Anerkennung – ein gläubiger Teilnehmer eines Systems, was sich aus (selbst)ernannten Erhabenen und ihren Untergebenen konstituiert und durch den Glauben an wohlwollend vergebene Privilegien und sogenannte „Grundrechte“ aufrechterhalten wird.

Dies, während über die systemischen Grundprinzipien aus gewohnter Trägheit zum Denken überhaupt nicht nachgedacht, geschwiegen oder nur heimlich hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen wird.

Bestenfalls kennt man den Weg. Den Weg jedoch auch zu beschreiten, ist nochmals ein beachtlicher Unterschied,. Das hilft es auch nicht sich auf das, was man kennt und gelernt hat, zu besinnen.

„Vergesst alles, was ihr zu wissen glaubt. Alles was ihr in der Schule gelernt habt, was eure Eltern euch beigebracht haben. Nichts davon ist wichtig. Ihr seid keine Kinder mehr. Ihr seid keine Schüler. Ihr seid X-Men.“ „Mystique“, X-Men: Apocalypse, 2016

Glauben schafft im Grunde genommen Realitäten, wo Teile davon eine mehr oder weniger längere Haltbarkeit und damit verbundene Bedeutungen zu haben scheinen, wie auch jene Fiktionen, die als Realität aus autoritär-gewohnter Historie heraus als „gültig/geltend“ angenommen oder mitunter auch mit Gewalt durchgesetzt werden.

„Unsere Welt folgt einer naturgegebenen Ordnung, und wer versucht sie umzukrempeln, dem wird es schlecht ergehen.“ „Haskell Moore“, Cloud Atlas, 2012

Es geht darum, dass aus der Organisationsstruktur sich herausbildende Rollenspiel und Beziehungsmuster aus Autoritäten, ihren künstlichen Regelwerken, wie auch die aus anerzogener Gehorsamsbereitschaft entstandenen „Untertanen“ weder infrage gestellt dürfen, jedoch bedingungslos angenommen werden soll.

„Herrschaften“ spiegeln den Teilnehmern der Gesellschaft wider, dass diese selbst nicht „Herr über sich“ sind, was nicht bedeutet, dass man die Erhabenen nur entsprechend wieder unterwerfen, beseitigen und durch gewogene Vorgesetzte ersetzen muss, um dann wieder eine Zeit lang von „Gerechtigkeit“ sprechen zu wollen – während jedoch die prinzipiell „gleiche Nummer geschoben“ wird.

Es geht jedoch darum, genau diesen Kreisverkehr zu verlassen. An diesem Punkt mag sich der eine oder andere Gedanken darüber machen, wie und ob er sich selbst etwas wert ist, was nicht wirklich etwas mit dem „Wert“ im Haben zu tun hat.

„Also. Leben und Taten des Don Quichott. Worum geht es?“ „Dass jemandes Glaube an Werte sehr viel wichtiger ist, als die Werte selbst?“
„Ja, das steckt da auch drin. Aber worum geht es eigentlich? Könnte es vielleicht darum gehen, wie rationale Gedanken unsere Seele zerstören? Könnte es um den Triumph von Irrationalität gehen, um die Kraft, die darin steckt?
Wir verbringen sehr viel Zeit damit, die Welt zu organisieren. Wir bauen Uhren, stellen Kalender her, versuchen das Wetter vorherzusagen. Aber welchen Teil unseres Lebens haben wir wirklich unter Kontrolle?“ „John Brennan“, The Next three Days, 2011

Nachtrag: „Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Bedeutungen, die wir den Dingen verleihen.“ Epiktet 2.0

Beispiel einer praktischen Anwendung, um Geglaubtes zu hinterfragen und infrage zu stellen, dass Mensch und Person nicht ein und das Selbe sind. Denn so erkennt man dass man nur in einem Rollenspiel unterwegs ist und nicht die Rolle IST.

Nachtrag: Jetzt ahnen Sie vielleicht, dass es doch etwas anderes mit dem Glauben auf sich hat.

Musikalische Untermalung: