Über wirksame Handlungsgrundlagen

- Lesezeit: ca. 31 Minuten

(V1.0) Nach dem Krieg wurden Pellkartoffeln als Beilage zum monatlichen „Dachhasen“ gereicht, da es wenig zu essen gab.
Es herrschte die Vorstellung, dass mit Hitler auch die Nationalsozialisten und ihr Gedankengut verschwunden seien, die sich jedoch 1968 mit dem Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten von Völkermord zum bereits verjährten Totschlag haben hinüber gerettet können.
Wer es nicht glaubt, schaut sich einfach mal den Film „Der Fall Collini“ an und sucht dazu im Internet nach dem „Dreher-Gesetz“.

Demnach war Ende 1945 doch nicht das unrühmliche Ende einer bräunlichen Ära erreicht, denke man einfach mal an Hans Glopke, der noch heute in 2021 in der Geschäftszentrale „Kanzleramt“ an irgendeiner Wand sein Unwesen treibt.

Darüber hinaus gab es noch so viele Politiker, die später wieder ein „Amt“ in einem Staat bekleideten, der nie einer war, wenn man sich die Rede von Carlo Schmid durchliest und nach auch nach entsprechenden Belegen sucht.

Denn es ging und geht im Kern um etwas anderes, was jeden betrifft, jedoch den meisten noch immer nicht so richtig bewusst ist. Einigen wird dies sogar bis zu ihrem Tod nicht bewusst werden, weil sie zusammen mit dem Alten in seiner bisherigen Bedeutung „fortgehen“.

Irgendwann hieß es dann, dass das mit den Nazis Mitte der 70er Jahre alles vorbei gewesen sein soll, was jedoch nicht wirklich stimmte, da es ja immer noch Politiker von damals gab, die erst 2016 verstorben sind.
Doch im Kern gibt es etwas bedeutenderes, was über das bloße Suchen nach hauptverantwortlichen „Schuldigen“ hinausgeht.

Faschismus war das eigentliche Phänomen, was damals, wie auch heute, zu beobachten war, doch wirkliche Gedanken darüber, was es ist und wodurch es entsteht, hat sich bis heute kaum jemand gemacht.
Er funktioniert dort, wo man Menschen in die Enge treibt, wo sie normalerweise ihre Existenz zu erhalten versuchen, während sie aus ihrer anerzogenen Gehorsamsbereitschaft heraus auch noch brav und artig jeden Unsinn dabei mitmachen, den man ihnen vorgibt, um weiter zu entsprechen und dass das, was die Autoritäten vorgeben, im Grunde genommen ja „richtig“ sei.

Das Gehorchen funktioniert deshalb, weil die Bevölkerung nicht wirklich in Vernunft und Gewissen entwickelt sind, Gehorsamsbereitschaft nicht einfach angeboren ist, wo der junge Mensch aus diesem Grund dann leichtfertig fremdbestimmt wird.
Nein, er wird von jenen dazu erzogen, die Gehorsamsbereitschaft für „normal“ und mitunter sogar für notwendig zu erachten. Als wäre es schon immer so gewesen.

Es wäre ja auch ein Unding, wenn sich jeder so entwickeln würde, wie es ihm „in den Kram“ passt. So heißt es mitunter als Begründung.
Schließlich soll man den Konventionen, den ethischen und moralischen Vorstellungen entsprechen, damit es am besten immer so weitergeht.

Kann es deshalb moralisch und ethisch als „gut“ erachtet werden, wenn der Mensch gewohnt in eine konservativ geprägte Welt hineingeboren wird, wo er sich Regeln und Werten unterwirft, die ihn sich über die Zeit mehr und mehr selbst versklaven und ausbeuten lassen, wo ersichtlich die global geschaffenen Erscheinungen (betitelt mit „Probleme“) mit jenen Denk- und Verhaltensweisen „bekämpft“ werden, aus denen sie ursprünglich heraus entstanden sind.

„Verzeiht, ich weiß, ihr meint es gut. Ihr habt es nur nicht zu Ende gedacht. Ihr wollt die Welt beschützen, aber ihr wollt nicht, dass sie sich ändert. Wie kann die Menschheit gerettet werden, wenn sie sich nicht entwickeln darf?“ „Ultron“, Avengers: Age of Ultron, 2015

Zumindest sind die meisten schon mal in Vernunft und Gewissen begabt, was auch etwas anderes ist, als sich nur dafür zu halten oder Vernunft damit begründen zu wollen, nur genug „Geld“ auf dem Konto zu haben.
Erwachsenwerden ist eine ziemlich komische Angelegenheit. Wenn man nichts hinterfragt und einfach nur gehorcht, findet man sich eines Tages in einer Situation wieder, wo der Druck plötzlich so groß erscheint und gleichzeitig alles bisher Erreichte auf dem Spiel steht.
Das hat man davon, wenn man die „Probleme“ – besser: die Herausforderungen und damit verbundene Aufgaben und einhergehende Entwicklung vor sich herschiebt und alles und jeden ausgrenzt, was damit zu tun hat.

Sicher kann man sich weiter dem verdreht anerzogenen Umgang mit dem Signal „Angst“ weiter als Begründung hingeben, was bei nicht wenigen dazu führt, dass sie lieber „auf bessere Zeiten“ oder „gerechtere Vorgesetzte“ warten.
Und je weiter weg das ganze Brimborium stattfindet, desto besser. Warum? Weil sich der Mensch unbewusst an seine erste Bestrafung erinnert, die ihn stets mahnt, dass Veränderung gleich Bestrafung sei.

Mit den Denkweisen, aus denen die oft beklagten Probleme heraus entstanden sind, kann man keine Lösungen entwickeln.“

Wie stellt man es also an, dass jemand nach Möglichkeit auch weiter gehorsam bleibt?

Man macht ihn dadurch abhängig, indem man ihm im Glauben lässt, dass ihm etwas oder jemand gehören würde. Und wenn er nicht brav ist, dann nimmt man es ihm notfalls auch wieder weg. Man belohnt ihn dafür, dass er eben nicht selbst denkt und bestraft ihn für sein eigenständiges Denken und Handeln.

Manche verstehen das eben nicht, dass dies nichts mit „natürlich“ zu tun hat und es gibt auch jene, die noch nicht einmal verstehen, dass sie es nicht verstehen. So schlimm ist das.
Das sind später wieder jene, die dann behaupten, sie hätten von nichts gewusst. Das hatten wir alles schon mal.

Heute ist es jedoch schwer, diese Behauptung aufrechtzuerhalten, man habe ja nichts gewusst, weil es ja das Internet gibt. Das hatten wir weder vor, im und eine lange Zeit auch nicht nach dem Krieg. Eine tolle Erfindung.

Schwer ist es für so manchen zu verstehen, dass nur oberflächlich alles „gut“ oder „schlecht“ erscheint und wenn es nicht „gut“ erscheint, sich dann lediglich kleinlaute Kritik regt und mitunter auch weggeschaut wird. In Ordnung. Manchmal gehen sie auf die Straße. Doch montags geht es dann wieder pünktlich an die Arbeit.

„Hier liegt der Hase im Pfeffer“.

Der Mensch, dem man dazu erziehen konnte, dass Geld etwas wert sei und er es durch Arbeit bekommt, während um ihn herum ein System entstand, was genau diesen Bedingungen entspricht, wird sich schwertun, wenn er sich erst daran gewöhnt hat, dass er sich letztlich nur selbst versklavt, während ihm das als Vorteil, Produktvielfalt, Komfortsofa und „erstrebenswert“ verkauft wird. Warum das funktioniert?

Weil man ihn gewohnt auch dazu erzogen hat, dass etwas zu haben wichtiger sein muss, als sich selbst zu entwickeln, weil das wiederum eigenständiges Denken erfordert, was nicht einfach mit dem ordnungsgemäßen Wiedergeben von (auswendig) Gelerntem zu tun hat und es nur schnell genug hintereinander dargelegt wird, um es dann als „Zusammenhänge“ verkaufen zu wollen, es sich jedoch nur um eine Ansammlung handelt.
Da helfen noch nicht einmal mehr Details von Details, weswegen auch das kleinste Teilchen immer wieder nur aus noch kleineren Teilchen besteht usw.

Der gewohnten Denkweise einer Welt der Dinge und Teile und scheinbar unabhängig voneinander existierender „Probleme“ (Symptome, Phänomene), steht eine holistische Denkweise der Zusammenhänge, symbiotisch-synergetischen wie auch kybernetischen und kausalen Wechselwirkungen in dynamischen Vernetzungen gegenüber – „vereinfacht“ ausgedrückt.

Zwar wird gern vom „Wir“ gesprochen, doch in der Regel ist es nur das Verfolgen gemeinsamer Interessen, die sich mit der Sicherung, also dem Festhalten und notfalls auch Verteidigen des Erreichten beschäftigen.

Doch kann man die innere Entwicklung des Menschen nicht wirklich durch das Sammeln von Dingen und Vorgekautem ersetzen.
Zwar verhüllen sie die wesentliche Aufgabe des Menschen, dienen jedoch im Rahmen ihrer Infragestellung gleichzeitig dazu, eine unsichtbare Grenze zu überschreiten, wobei auch die bisher geglaubte Alternativlosigkeit zunehmend an Bedeutung verliert, begibt man sich auf den Weg der Infragestellung des Systems.

Dazu braucht man noch nicht einmal – wie üblich „gegen“ andere zu kämpfen, sondern man bewegt sich durch Infragestellung zunehmend auf einem parallelen Weg zur bisher alternativlos geglaubten Existenz.

Das hat nicht einfach etwas damit zu tun, nur im Wald zu leben, was mitunter unter „alternativ“ erachtet wird, wenn es heißt, man müsse in den Wald gehen, wenn es einem nicht passen würde.
An diesem Punkt wird ebenfalls klar, dass es sich zunächst um eine rein mentale Angelegenheit handelt, die man sogar selbst in den Griff bekommt.

Wer sich jedoch von den üblichen „entweder…oder“-Fragen seines „Ichs“ beeindrucken lässt, wird nur jene Fragen stellen, die ihm das Bestehende und den Verbleib darin bestätigen, eben weil man nicht „Herr über sich“ selbst ist oder – anerzogen – sein mag.

Im Kern geht es darum, wieder die Oberhand über das eigene, sogenannte Belohnungssystem zu erlangen, was durch die gesellschaftlich geprägten Wertvorstellungen eine Fremdbestimmung möglich macht, nicht selten gepaart mit einer im Mangel entwickelten Vernunft und Gewissenlosigkeit auch gegenüber sich selbst, ein gesellschaftlich als „normal“ erachteter Zustand. Denn Unvernünftige und Gewissenlose müssen ja schließlich „betreut“ werden, heißt es zur Begründung der eigenen Rolle.

Man kann sich jedoch auch gegenseitig davon abhalten, sich über das System Gedanken zu machen, wenn das Abhalten vom Denken nicht schon von selbst geschieht. Was bleibt am Ende als Entscheidung? Man geht entschlossen seinen „eigenen“ Weg der Entwicklung, wo man niemanden mitnehmen, jedoch so mancher selbst entschlossen mitkommen kann. In der Tat ist der Weg für alle der gleiche, wenn auch nicht der selbe.

Die Situation ist also etwas komplexer, als sich das so mancher vorstellt – jedoch nicht so komplex, dass er es nicht verstehen würde. Doch was nutzt es, wenn er es nur versteht, es jedoch keine Auswirkungen auf sein Handeln hat? Letztlich liegt es jedoch in seinen Händen.
Dass es andere geben soll, die ihn davon abhalten würden, macht ihm nur sein „Ich“ vor, wenn er behauptet, dass diese erst „weg“ müssten, bevor er das „Neue“ machen könne.

Jene, die zu kämpfen meinen, scheitern letztlich nur an sich selbst, an ihren eigenen Denk- und Verhaltensmustern. An diesem Punkt erkennt man auch die Beziehung des Menschen zu seinen Denk- und Verhaltensmustern, durch die er am bekannten System angekoppelt ist.

Die sogenannten „Anderen“, die einen scheinbar zu unterwerfen meinen, können dies nur, weil eben jene Denk- und Verhaltensmuster im Einzelnen wirken, die ihn fremdbestimmbar „funktionieren“ lassen.
Wer also meint, er tue sich einen Gefallen, wenn die Anderen erst mal weg müssten und er sich dann erst in Ruhe entwickeln könne, macht sich nur selbst etwas vor.
Denn aus der Nummer kommt man nur, indem man sich durch Infragestellung und Umerziehung der eigenen Verhalten aus dem Zugriff der vermeintlich erkannten „Gegner“ entzieht.

Was die Leute in solchen Situationen entscheidend zurückhält, dass ihnen die gewohnte Erhaltung ihrer kleinen „eigenen“ abgegrenzt wirkenden Welt viel wichtiger erscheint, als der Rest.
Ja, sie sind sogar dazu bereit, ihre Freiheit dafür aufzugeben und lassen sich nur allzu gern mit den billigen Varianten wie „Freiheiten und Freizügigkeiten“ und wohlwollend überlassenen „Grundrechten“ abspeisen.
Denn letztlich glauben sie auch, ihnen würde das Leben gehören und mit besagtem „Gehören“ geht auch sein möglicher Verlust einher.

Sie verstehen noch nicht, dass niemandem jemals etwas oder jemand gehört hat und genau diese Vorstellung sie von ihrer eigenen Entwicklung abhält.

In dem Sinn arbeitet eine Mehrheit in der Weise zusammen, indem sie entschlossen gegeneinander arbeitet. Und da man niemanden überzeugen kann und braucht, es sei denn er würde sich selbst auflösen, macht man einfach „sein Ding“.
Wer jedoch „gerne“ überzeugt werden mag, der tut dies in der Regel, um Aufmerksamkeit zu bekommen, die er sich im Kern selbst nicht zugesteht, weshalb die Gedanken auf dem „BERG. Blog“ lediglich als Werkzeuge im Sinne der „Hilfe zur Selbsthilfe“ gedacht sind.

„Freiheiten“ und „Freizügigkeiten“ (und auch die Grundrechte) bedürfen einer Autorität, die sie wohlwollend gewährt, werden gewohnt mit Freiheit verwechselt. Freiheit bedeutet nicht einfach nur all das zu tun, was keinem anderen schadet, denn dann müssten die vielen Menschen, die bspw. bei der Herstellung ungesunder Nahrungsmittel mitwirken, ja alle von heute auf morgen kündigen.
Freiheit ist eine sich im inneren des Menschen entwickelnde Eigenschaft, die man nicht fordern, jedoch aus der Entwicklung von Vernunft und Gewissen hervorgeht.

Das bedeutet auch, dass man die Gedanken auf diesem Blog nicht einfach kopieren kann und dann hätte sich das Entwicklungs-Tamtam für einen bereits erledigt.

„Freiheiten“ und „Freizügigkeiten“ mit Freiheit gleichzusetzen führt dazu, dass sich ein großer Teil der Gesellschaft kollektiv etwas vormacht und wer die Dinge hinterfragt und nicht hört, der wird als „Reichsbürger“ oder als „Querdenker“ stigmatisiert – wobei es ohne infrage stellen des System keine echten Querdenker sind. Denn sonst, würden sie sich nicht zum Demonstrieren treffen, weil sie wüssten, dass die Nummer ganz anders zu lösen ist.

„Demos bringen nichts. Damit verschleiern wir nur unser Nichtstun… Wir demonstrieren gegen die Agrarpolitik, nachdem halb Afrika verhungert ist. Wir rationieren das Wasser, nachdem das Grundwasser knapp wird, wir reden über den Klimawandel, nachdem die Welt in Flammen steht.“ „Samantha“, Utopia, 2020

Doch wie es so ist, gibt es viele, die durch das breite und nur sehr wenige, die durch das enge Tor gehen.

Wenn so manche an Gewalt denken, dann tun sie das in der Regel aus Unwissenheit. Gleichzeitig sind sie jene, die auf Befehl auch den Abzug betätigen oder auf alles draufhauen, solange sie den Eindruck haben, selbst dafür keine Verantwortung tragen zu müssen. Der Handelnde ist stets für sein Handeln verantwortlich, gleich wer ihm was geflüstert und versprochen hat – auch dies ist ein Phänomen einer in den Familien anerzogenen und gesellschaftlich als „normal“ erachteten Gehorsamsbereitschaft.

Dass man manche einfach „Reichsbürger“ nennt, ist jedoch Unfug. Man versucht damit diejenigen, die mit dem Denken angefangen haben, nur auszugrenzen, um selbst weiter am schwindenden Alten festhalten zu wollen, während eine recht einfach gestrickte Mehrheit alles wie ein Papagei nachplappert, weil sie nicht selber denkt.
Also: Nazis und Politiker hin oder her: Es geht darum, dass die Menschen sich weiter dem System, seinen Regel, den Regelmachern mit ihren verlockenden Versprechungen zu unterwerfen.

Man bestraft wenige „Andersdenkende“ vor den Augen vieler, um so die ängstliche Mehrheit weiter unterdrücken zu wollen, wenn diese es schon nicht freiwillig tut, während die besonders hörige Masse johlt und laut „Gerechtigkeit“ fordert.

Während das System und seine Regeln bleiben, wechseln hin und wieder die Regelmacher und ihre Untergebenen, meist in einem anerzogenen, geschlossenen Reigen aus Macht- und Ohnmachthabern,…

„Meine Freunde, es steht eine Revolution bevor. Wenn die Menschheit entdeckt, wer wir sind, wozu wir in der Lage sind, dann müssen wir alle eine Entscheidung treffen: Versklavung oder Machtergreifung. Die Entscheidung liegt bei euch. Aber denkt daran, wer nicht für uns ist, ist zwangsläufig gegen uns. Also… ihr könnt leiden und für die Menschen kämpfen, die euch hassen und fürchten. Oder ihr könnt euch mir anschließen und leben wie Könige… und Königinnen.“ „Sebastian Shaw“, X-Men: Erste Entscheidung, 2011

…weshalb „Revolution“ letztlich nicht mehr ist, als ein sich im Kreise drehen. Vor allem dann, wenn die Meinung herrscht, irgendeinen „Erlöser“ oder „Führer“ emporheben oder Ungerechten beseitigen zu müssen, um anschließend weiter Gehorsamsbereitschaft gegenüber „gerechten“ Autoritäten ausüben zu wollen.

Auf die anerzogene Gehorsamsbereitschaft in der Familie folgt der Kindergarten, wo den Kindern nicht nur beigebracht wird, mit anderen zu interagieren. Sie lernen darüber hinaus auch unbekannten Autoritäten zu gehorchen, während man beim Spiel mit dem Kaufmannsladen das Tauschen und Handeln lernen soll.

Dass Geld etwas wert sein soll, lernt man unter anderem dann, wenn Oma oder Opa öfters mal die eine oder andere Mark springen lassen, damit man sie mal ganz lieb drückt. Später nennt man das Prostitution.

Was das System ist? Das ist wie eine unsichtbare Käseglocke, das sich aus den Denk- und Verhaltensmustern und Gewohnheiten der Menschen heraus entwickelt und wie ein unsichtbarer Schleier über seine Teilnehmer legt – Orwells „Großer Bruder“.
Zu den Gewohnheiten gesellen sich dabei die Konventionen und Wertvorstellungen und jene Regeln, über die kaum jemand spricht, die als gegeben hinzunehmen sind, da sie nach Möglichkeit auch weiter die Grundlage der Gesellschaft sein sollen.

Hat man die erst einmal erkannt und wie sich Menschen dafür nicht nur zum Affen, sondern auch als Unterdrücker und Mörder missbrauchen lassen, dann reicht es trotzdem nicht, einfach nur an ihrem Verstand zu zweifeln.
Es stellt sich zunächst zwar die Frage, ob sie wirklich Menschen sind, mehr noch, was sie so reagieren lässt.
Es einfach bei der Aussage zu belassen, es sei ja „die Natur des Menschen“, erscheint als abschließende Begründung recht dünn, denn es gibt ein wichtiges Detail, was nicht nur jenen bisher entgangen ist.

Erinnert man sich an die Kindheit und an das Spiel „Räuber und Gendarm“, ist das in der sogenannten Erwachsenenwelt nicht viel anders, nur dass man statt Lob eben Geld dafür bekommt, wenn man artig die Rolle spielt, so wie sich das andere vorstellen und irgendwann halten sich die Menschen für ihre Rollen.

„Es ist ein beachtlicher Unterschied, ob man eine Rolle nur spielt oder ob man die Rolle ist.“

Soviel zum Unterschied zwischen Mensch und den Personen (Rollen, Hüllen), die er spielt oder sogar spielen soll, den Unterschied jedoch mangels Kenntnis nicht weiß und solange in einer Fiktion gefangen ist, bis er den Unterschied kennt und sich mehr und mehr wieder daraus befreit.

In der Schule bekommt man dann alles beigebracht, damit man später gut arbeiten und vor allem mit viel Allgemeinwissen glänzen kann und lernt wie es im System abgeht. Eltern sprechen dann gern vom „Ernst des Lebens“.

Dass sie ihr ganzes Leben lang selbst Sklaven waren und sind, und das ohne mit der Wimper zu zucken ihren Kindern als „normal“ zu verkaufen versuchen, fällt nur deswegen nicht auf, weil es nahezu allen so geht.

„Ich bin Steve Trevors Sekretärin.“ „Was ist eine Sekretärin?“ „Oh. Nun, ich mache alles. Ich gehe dahin wo er mich hinschickt und hole das, was er mir sagt.“ „Oh, da wo ich herkommen nennt man das Sklaverei.“ Dialog, Wonder Woman, 2017

Auch den Eltern hat man meist verkauft, dass sie erst mal arbeiten müssten, um etwas zu werden. Und so irren viele Menschen durchs Leben auf der Suche endlich etwas zu sein.

„Da ist so eine Grundeinstellung da draußen. Da geht was ab, da ist so viel Hoffnungslosigkeit. Was sollen wir da machen?“ „Das ist nicht leicht zu beantworten, aber wenn… vielleicht gelingt es uns durch das Fernsehprogramm oder auch durch andere vorstellbare Programme den Menschen klar zu machen, dass jeder Einzelne von ihnen wirklich wertvoll ist.“ „Ja, und das geht schon in der Kindheit los. Wir dürfen nicht unterschätzen, wie wichtig sie ist.“
„Ich glaube nicht, dass sich jemand gut entwickeln kann, wenn er nicht als derjenige akzeptiert wird, der er ist. Man hört so oft den Satz: „Oh, wenn du mal groß bist, wirst du es zu etwas bringen.“ Das sagen so viele in diesem Land. Das heißt, ein Kind wird also für das wertgeschätzt, was es mal sein wird und nicht für das, was es ist. Es wird eines Tages ein großer Konsument. Und je schneller wir die Kinder aus dem Nest werfen, damit sie unsere Produkte kaufen können, desto besser.“ Dialog „Arsenio Hall und Fred Rogers“, Der wunderbare Mr. Rogers, 2019

Wer sonst, als man selbst, kann die eigene Haltung mehr und mehr ändern und diese sichtbar vorleben?

Der gewohnt im Haben aufgewachsene Mensch, versucht mit Dingen, für die er vorher hat arbeiten und Geld verdienen müssen, etwas sein zu wollen, während er im Inneren jedoch leer bleibt, und diese Leere von anderen oder durch noch mehr Dinge „gefüllt“ haben möchte.

Im System der alten Ordnung geht es im Kern darum, dass der Mensch, dass das Kind eben nicht lernt, sich selbst durch eigenständige Entwicklung unter Einbeziehung seiner Umgebung, zu einem willensstarken, authentischen, intuitiven und empathischen Menschen zu entwickeln.

In den vielen Familien, die sich noch nie damit auseinandergesetzt haben, wird den Kindern mitunter erzählt, dass man mit den anderen am Besten nichts zu tun haben soll, weil man ja selbst um seine Existenz kämpfen müsse und die eigene Familie vorginge. „Blut ist dicker als Wasser“ und so. Dabei ist die Familie nicht selten nur eine Art Fürstentum. Im Kern eine künstliche Institution – wie viele andere.

Da die meisten nicht fürs Denken bezahlt werden, haben sie sich irgendwann dazu entschlossen, das mit dem Denken lieber ganz zu lassen. Denn es kommt auch nicht gut bei den Leuten an, die immer das Sagen haben wollen und was „gut und richtig“ für alle sein soll, meist jedoch nur für sie. So lohnt es sich über das nachfolgende Zitat vorzudenken:

„Adam Smith hat gesagt: Das beste Resultat erzielt man, wenn jeder in der Gruppe das tut, was für ihn selbst am besten ist. Richtig?“ „Das hat er gesagt, stimmt.“
„Unvollständig, unvollständig. Okay? Weil das beste Resultat dann erzielt wird, wenn jeder in der Gruppe das tut, was für ihn selbst am besten ist… UND für die Gruppe… Regulierende Dynamik, Gentlemen, regulierende Dynamik… Adam Smith hat sich geirrt.“ Dialog zwischen „John Nash“ und Kollegen aus dem Film „A Beautiful Mind“.

Am Anfang denkt man wie toll es ist, wenn man viel Geld hat, sich ein Haus baut oder viel in den Urlaub fährt oder sich teure Sachen zulegt.
Dann ist man ein Gläubiger eines Systems, was den Menschen sich selbst zum Sklaven werden lässt wie auch, wie die Eltern, die Großeltern usw. Jedoch auch das sind alles nur rollen in einem gigantischen Theaterstück – erzeugt durch die eigenen Denk- und Verhaltensmuster.

Kaum jemand wagt es diese Dinge zu hinterfragen, weil die meisten Angst davor haben, dass sie dann ihr Geld wie auch Hab und Gut verlieren und ihnen die wohlwollend überlassenen Privilegien eingeschränkt werden oder sogar verlieren und am Ende niemand mehr mit ihnen etwas zu tun haben will.
Klingt dies nach einem besonders gutem Leben? Nicht wirklich, zumal das Leben etwas anderes ist und der Existenz diametral gegenüber steht.

„Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Aber ich fand, wir sollten uns versammeln und uns erinnern und ich fand das hier… ganz angemessen: Die Aufgabe des Menschen ist zu leben, nicht zu existieren. Ich verschwende meine Tage nicht mit dem Versuch, sie zu verlängern. Ich nutze meine Zeit.“ „M“, James Bond: Keine Zeit zu sterben, 2021

Es wird irgendwann doch recht komisch, wenn der Einzelne das ganze Szenario zu hinterfragen beginnt, statt sich „von unten“ über all jene zu beschweren und seine Lebensumstände zu bejammern, wo einem plötzlich Unrecht geschieht und man mit langem Gesicht zuhause sitzt und nicht weiß, was man daran ändern soll.

Manche wählen den Weg der Resignation, der Regression, der Gewalt gegen sich oder gegen andere usw. Die wenigsten kommen auf die Idee, sich wieder in ihre Kindheit zurückzubesinnen, noch bevor sie von ihresgleichen „gesellschaftsorientiert abgerichtet“ worden sind.

Es ist an der Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, was grundsätzlich falsch läuft und sich nicht einfach – wie die meisten – über die Dinge nur beschwert, die man mit bloßen Auge sehen kann.

Heute machen die Menschen alles mit, was man ihnen vorgibt. Doch gibt es noch immer jene, die nicht einfach damit einverstanden sind, jedoch auch nicht so richtig wissen, in welchem Theaterstück sie zuhause sind, da sie gelernt haben, ihre Rolle zu sein und nicht (mehr) wissen, dass es nur ein Spiel ist.
Und weil sie denken, dass ihnen etwas oder jemand gehören würde, den sie dann ja auch verlieren können, haben sie sich dabei selbst verloren.
An diesem Punkt bekommt die Einstellung, dass man ja sowieso nichts machen könne, das erste Mal wirklich eine Bedeutung, eben weil man sich selbst vergessen hat, während man eine Rolle spielt, die zunehmend auferlegt wirkt.

So mancher tut sich letzter Zeit dadurch hervor, indem er Düsteres zu prophezeien vermag, während dabei übersehen wird, dass er und seine Anhängerschaft selbst für das verantwortlich sind, wie sich die Dinge für sie entwickeln, die sie (später) wahrnehmen und erleben, während sie übersehen, dass sie von ihren gewohnten Denk- und Verhaltensmustern geleitet sind, die auch darüber befinden, was sie in ihr Leben ziehen.

„Eine beachtliche Erfahrung, in Furcht leben zu müssen. So ist es, wenn man ein Sklave ist.“ „Roy Batty“, The Blade Runner, 1982

Wenn Sie nicht mehr mit der Rolle in ihrem Leben einverstanden sind, dann haben Sie nun eine Grundlage, um Handeln zu können und was im Wesentlichen zu tun ist.