Simulation – oder: Wie man Umdenken realisiert, Teil 1

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(v1.1*) Eine Bekannte rief die Tage an und meinte, dass es sinnvoll ist, dem Leser auch ein paar Beispiele und „Schubser“ zu geben, wenn es ums Umdenken geht, was ich mehr oder weniger – direkt und auch indirekt – in vielen Beiträgen bereits getan habe.

Erst die Tage erhielt ich eine E-Mail, wo sich herausstellte, dass sich ein Akteur des Themas „Accept for Value“ (AfV) angenommen hatte, was jedoch bereits in 2013/14 durchexerziert und abgehakt worden war. Er machte sich Gedanken um seinen Anspruch auf „Eigentum“.

AfV funktioniert nur dann, wenn von beiden Seiten ein Wert erkannt und nicht einseitig etwas als „Wert“ deklariert wird. Man spart sich also eine Menge Zeit, wenn man sich der Erfahrungen anderer bedient, statt „das Rad zum 1000. Male neu erfinden zu wollen“.

Nicht selten bleibt der Eindruck, dass es jenen mehr um eine Beschäftigungstherapie geht, statt eine motivierte Entwicklung aufs Parkett legen zu wollen.
Okay. Wer kommt schon auf die Idee, dass es um die Entwicklung des Menschen geht und nicht um die gewohnte Erhaltung von Besitztümern und das Anrecht auf Privilegien – wohlwollend überlassen von einer ihm vorgesetzten Autorität?

Ein Hinweis zwischendurch: Wenn Sie Marmelade oder Gelee von roten Früchten machen, dann mixen Sie nicht die heiße Masse, da der so eingebrachte Sauerstoff mit dem Eisen in der roten Farbe reagiert und sich der schöne Farbton in ein Braun verwandelt.

Der Mensch hat einen Vorteil in einer sich ihm nur scheinbar alternativlos präsentierenden Welt: Mit jeder Entscheidung begibt er sich auf einen neuen Weg.

Doch besteht ein Unterschied, ob er grundsätzlich oder nur oberflächlich etwas ändern mag. Bspw. eine Partei gegen eine andere austauschen zu wollen, hat nicht wirklich etwas mit Veränderung zu tun. Dies geschieht meist in der Hoffnung auf ein „gesichertes Gestern“.
Mit der Wahl gibt er seine Verantwortung ab und in die eigene Betreuung und weitergeführte Fremdbestimmung: die Welt des (vererbbaren) Komfortsofas.

Schon mal darüber vorgedacht, wenn jemand keine „Ausländer“ hier haben will, welche Ursache sein eigenes Verhalten hat? Vielleicht kommt er dann auch darauf, dass Schuldzuweisung, Kampf und Widerstand nur für seine eigene Entwicklung von Nachteil ist und er letztlich nur seine Ruhe haben will.

„Tauschen, täuschen.“

Dass man sich in einer Fiktion bewegt, erkennt man bspw. daran, dass „Verträge“ gemacht werden. Verträge gibt es in der Natur nicht wirklich. Im Alltag dienen sie dazu künstliche Zusammenhänge und Beziehungen herstellen zu wollen.

„Ja, aber…“ „Nix, ja aber…“

Es gibt viele Dinge, über die könnte man diskutieren, doch nicht nur in diesem Fall gibt es keine Diskussion – ebenso was das Recht angeht, was in der Natur wirkt, während das vom Menschen geschaffene für ihn solange „gilt“, solange er daran glaubt.
Die einen, die künstlich geschaffenen Gesetze nur gegen andere künstliche austauschen zu wollen, ist dies reine Selbsttäuschung. Da sie beide Märchenstunden sind und somit die Reichsthematik getrost beerdigt werden kann.

Das Verhalten, das gestern alles besser gewesen sein soll, beruht auf einer Bestrafung des Menschen durch seine Autorität, wie weiter darüber zu bestimmen versucht, was für die jüngeren „gut und richtig“ sein soll. Es wird eine konservative Haltung oktroyiert (auferlegt).
Doch wenn gestern alles besser gewesen sein soll, was ist das Heute aus der Sicht von Morgen?

An diesem Punkt erkennt man jenen wesentlichen Punkt und damit verbundene Entscheidung: Die Überwindung der Autorität und ihrer Vorstellungen, wie das Morgen sein soll.

Die meisten Menschen machen sich recht wenig Gedanken darüber, wie eine „andere“ Welt ausschauen mag, weil sie meist darauf bedacht sind, auch den Regelwerken der Gesellschaft zu entsprechen, was jedoch nur auf einem Gruppenzwang beruht, der sich aus synchronisierenden, gleichgeschalteten Denk- und Verhaltensweisen heraus ergibt, was ihm jedoch nicht bewusst ist.

Die Welt reduziert er gerne auf die materielle, dass jeder Gedanke auch dazugehört ist ihm nicht bewusst. Doch gerade dort werden die Grundlagen gelegt, wie sich ihm die Welt präsentiert und welchen untrennbaren Bezug er zu ihr hat.
Die Vorstellung einer objektiven Weltansicht, ist nur eine Illusion und dass er sich für schwach hält, ist es ebenfalls. Auch wenn der eine oder andere hier den „Lauten“ mimt.

Verdrängungskonzepte spielen eine tragende Rolle im Alltag des Systems der alten Ordnung. Vor allem dann, wenn Informationen präsentiert werden, die diese Konzepte auch noch zu begünstigen meinen.

Mit einer Gruppe „Verdrängungskünstler“ kann man nicht wirklich eine Zusammenarbeit anstreben, da sie nicht an Veränderungen interessiert sind, sondern alles was mit Veränderung zu tun hat, nur beseitigen wollen – nicht selten auf Befehl. Das Gestern ist ihre „Heimat“.

So richtig innovative Politik sucht man bei allem vergeblich: Es geht in der Regel auf beiden Seiten des Kreuzchens um Erhaltung, Sicherung und Bewahrung. Der klassische Deutsche steckt mit seinen gewohnten Denk- und Verhaltensweisen mittendrin und durch sie in der entgegengesetzten Richtung individuell-globaler Entwicklungen.

Sicher mag es sein Recht sein, doch ob es intelligent ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Streithähne, die sich einer politischen Auseinandersetzung hingeben, übersehen ihren gelebten Irrweg in der Regel, weshalb man ihnen dann keine Aufmerksamkeit zu schenken braucht, hat man erst einmal die Ursache für die Existenz der Politik erkannt.

Die Aufgabe in der alten Ordnung ist zu erkennen, dass man bisher lernte, wie es nicht funktioniert, da auch das Feindbild nur eine Erfindung eben jener Denk- und Verhaltensweisen ist, um sich durch die Projektion des Feindbildes auf das Gegenüber selbst eine Bedeutung geben zu wollen. Erkennen Sie die darin herrschende Verdrehung?

Die Welt erscheint dem Menschen nur deswegen „alternativlos“, solange – nein, weil er keine echten Entscheidungen trifft. Mitunter bedient er sich dabei der Verdrängungskonzepte, um seine eigenen Entwicklung zu vermeiden – sein „Ich“ entscheidet das für ihn. Er weiß es nur nicht. Er hat ein „Ich“ (Denk- und Verhaltensweisen), jedoch ist er nicht sein „Ich“. An diesem Punkt „trennt sich die Spreu vom Weizen“.

Wenn der Eindruck entsteht, dass es mit den gewohnten „Klamotten“ nicht mehr weitergeht, dann sind diese schlichtweg unwirksam geworden. Der Fall tritt dann ein, wenn die eigene Realität bereits argumentativ überholt wurde.
In der Regel wird dann noch mehr gekämpft und später doch „der letzte Rückzug“ angetreten. Einstiges Aufbegehren fällt wie ein Soufflé in sich zusammen.
Das ist auch deswegen der Fall, wenn man sich bspw. vereinbarten Märchenstunden hingibt, die gesellschaftlich als „Realität“ angenommen sind, wie Staaten, Grenzen, positives Recht, gerechte Vorgesetzte, Pöstchen, Titel (und damit verbundene Autoritäten), um sie dann gegen eine andere Märchenstunde austauschen zu wollen.
Zu dieser Märchenstunde gehören auch Eigentum, Besitz und die Vorstellung etwas oder jemand gehöre einem, sind dabei nur erfunden und verantwortlich für die Unsäglichkeiten in der Welt.
Wem bei diesen Gedanken Schwierigkeiten im Kopf entstehen, simuliere er in Gedanken einfach mal nach, welche Auswirkungen sich aus einem nicht Vorhandensein von Eigentum und Besitz heraus ergeben.

Wem da das berühmte „Ja, aber die anderen…“ oder ein „das kann nicht sein“ aus dem Munde entweicht, so ist das nur der Ansatz einer Ausrede und ein Eingeständnis der Herrschaft durch die eigenen Denk- und Verhaltensweisen.

Wie sollte sich also was ändern, wenn das Simulieren und sich daraus ergebende Logik der Auswirkungen bereits unterlassen werden? Erst ab da wird es interessant. Das nennt sich auch umdenken.

Voraussetzung ist der Wille zur eigenen Entwicklung und nicht die Verteidigung liebgewonnener Privilegien (über die man nur solange verfügt, wie man brav und artig ist). Sich entwickeln zu wollen, ist übrigens die beste Einstellung, da sie sich an einem Wesenszug des Lebens orientiert: dem natürlichen Entwicklungsprozess.

„Du kannst wegrennen. Doch vor dir selbst, kannst du dich nicht verstecken.“ Joe Louis, Boxer

Wenn sich bei diesen Gedanken ein gewisses Unwohlsein bemerkbar macht, ist es lediglich das „Ich“, was sich da rührt und vorsorglich seine Bedenken bei seinem Untergebenen anmeldet. Die die sich präsentierenden, falschen Vorgesetzten erinnern einen nur an diesen eigenen, inneren Zustand.

Zu sehr haben sich die meisten Akteure daran gewöhnt, keine Verantwortung für ihr Handeln tragen zu wollen, weil auch die Konsequenzen einer Entscheidung a) sich nur bedingt abschätzen lassen und b) damit verbundene Unsicherheit lieber gemieden wird, während man c) den Auserkorenen gerne den „Vortritt“ lässt oder d) sich mit „harmlosen Themen“ zufrieden gibt. Das Erreichte darf schließlich nicht gefährdet werden.

Am Ende erkennt man dass der erschlichene Segen Jakobs sich als ein Fluch entpuppt und Esau die besseren Karten bekommen hat, da auch das „Erreichte“ im Haben nur der Glaube an eine Märchenstunde ist.

Und schon befindet man sich als Schreiberling Lichtjahre entfernt in einer Zukunft, die wohl in 1000 Jahren erreicht werden könnte.
Komisch, wie kann es dann sein, dass es bereits jetzt im Blog zu finden ist? Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass der Rest 1000 Jahre in der Vergangenheit unterwegs sein müsste. Dann muss was mit dem Raum-Zeit-Gefüge nicht stimmen. Ja, das muss es wohl.

Während der Einzelne es unterlässt grundsätzliche Entscheidungen zu treffen, hält er sich so selbst gefangen. Dem Unbewussten ist dies noch nicht einmal klar. Er nimmt die gesellschaftlichen Konventionen unhinterfragt an – passt sich an.

Der aufgebrachte Einzelne steht in seinem Kopfgefängnis, den Schlüssel in der einen den Daumen der anderen Hand auf dem Schlüsselloch und schreit: „Lasst mich raus, ihr Schweine.“

Schuldzuweisung und Projektion.

So ist er ein Opfer seiner eigenen Denk- und Verhaltensweisen, die gleichzeitig für jenes System stehen, mit dessen Symptomen er sich dann – nicht selten recht kämpferisch oder beklagend, doch meist mit Bedrucktem belohnt – auseinandersetzt oder sich diesen unterwirft. Nach außen hin wird er sich gegenteilig darstellen wollen, schließlich will er weiter den Schein wahren.

Klagen, Jammern, sich beschweren und auch demonstrieren, was nur die kollektive Variante der ersten drei darstellt, sind nur Scheinhandlungen. Sie sind lediglich Ventilfunktionen für das selbst geschaffene Leid, was sich zwischen der äußeren Forderung nach Veränderung und der unausgesprochenen Hoffnung, dass man selbst nicht davon betroffen ist, aufspannt.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie viel Beachtung man einer erreichten Sache beimessen kann, wenn sie durch derartiges Vorgehen entstanden ist.

Da der Weg nicht darin besteht, andere „umzuformatieren“ und dies auch nicht funktioniert, sondern es darum geht, an sich selbst zu arbeiten, was jedoch „übersehen“ wird, hat sich so mancher Aufklärer, mehr zu einen Bericht erstattenden Beobachter des Systems gemausert.

Die Vorstellung etwas zu verlieren, also die Verlustangst möglicherweise in voller Breite zu realisieren, sorgt dafür, dass der Betroffene schön artig bleibt, nicht selten mit einem Umfeld ausgestattet, was ihn auch an diese (gesellschaftlich anerkannte) „Haltung“ erinnert. Vor allem dann, wenn an dieser Haltung vom Umfeld auch noch partizipiert wird.

Ich mag an dieser Stelle zum Ausdruck bringen, dass man bei anderen nichts erreichen muss, sondern nur bei sich selbst.

Für andere ist man nicht zuständig und wenn man zuständig wäre, so hieße dies auch bedingungslose Zusammenarbeit.

Der Planet ist von einem System überlagert, was tatsächlich den Menschen instrumentalisiert, all die Dinge zu tun, mit denen er gleichzeitig nicht in Verbindung gebracht werden mag.

Das System findet sich in seinen Denk- und Verhaltensweisen wieder, an denen er auf der einen Seite festzuhalten gedenkt, während er gleichzeitig Veränderungen fordert.

Die Wahrnehmung der Welt als Dinge und Teile und scheinbar unabhängig voneinander existierender Probleme ist keine solche. Schon gar nicht lässt sie sich auf „Gut“ und „Böse“ reduzieren, da dies nur eine kindliche Vorstellung ist.

„Alle Menschen sterben. Doch nur wenige leben.“