Wo Isolierung in Erscheinung tritt

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(v1.5*) In Anbetracht der Wahrung der Meinung des Einzelnen, ist klar ersichtlich, dass nur jeder selbst entscheidet, wie es um seiner bestimmt ist. Das setzt voraus, dass er in keiner Weise, auch wenn es ihm noch so danach brennt, die Schuld bei den anderen sieht.
Denn dies wäre nur die Verdrängung seiner eigenen Aufgabe: sich zu entwickeln. Dies trifft ebenfalls auf das sich gewohnte Anschließen an Gruppen zu, die bereits eine vorgefertigte Meinung präsentieren, der man sich offen oder anonym anschließt – also die üblichen Mitläufer.

Die gewohnte Sicht über den Tellerrand entpuppt sich in der Regel als üblicher Blick auf die Gemüsesuppe mit ihren bekannten Ingredienzien, verbunden mit der Vorstellung, wenn man nur stark genug umrührt, würde sich der Geschmack ändern, während am Rezept in keiner Weise etwas geändert werden darf.

Ein aus Gewohnheit in Erscheinung tretendes Klageliedchen – ob allein oder in netter Gesellschaft, man nennt es dann Demonstration – entpuppt sich dabei nur als reine Scheinbeschäftigung mit meist ignoriertem Signalcharakter.

„War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength!“ 1984, George Orwell

Vor längerer Zeit habe ich ein einfaches Experiment auf Facebook durchgeführt. Ich schrieb (sinngemäß): „Stellen Sie sich vor, jeder hätte jeden Monat stets so viel Geld, um immer die Kosten zu decken.“
Die Antworten der Einzelnen schien dies als ein sehr willkommener Gedanke, während keiner dahinterkam, da dies ja auf jeden zuträfe, dass man überhaupt kein Geld mehr benötigen würde. Geld – also mit Zahlen bedrucktes Papier – ist nur ein Werkzeug der Kontrolle über den gewohnten Geist, basierend auf der Vorstellung es sei etwas Wert, weil man damit etwas „kaufen“ könne. Es strahlt nur deswegen, weil es so schön und aufwendig gestaltet ist.

Den Versuch führte ich in geänderter Form weiter, als ich vor kurzem zu einem angehenden, jedoch sehr besorgten „Rentner“ sagte, dass ich, um die Menschen zum Umdenken zu zwingen, als erstes das Geld abschaffen und gleichzeitig die Rente halbieren würde. Sie ahnen vielleicht, wie jener reagierte. In einem anderen Fall „schaffte ich das Geld ab und verdoppelte die Mieten“ – mit ähnlichem Ergebnis.

Wer beschwert sich nicht gern über die steigenden Preise, während über die Umsatz-/Mehrwertsteuer, die aus den Einnahmen aus Produkten und Dienstleistungen eingenommen werden, gleichzeitig die Rentenkasse durch 100 Mrd. Euro mittlerweile gestützt wird, während der Mechanismus des Rentensystems darin besteht, dass die jüngeren Generationen sich freiwillig von den vorherigen ausbeuten lassen und diesen Zustand motiviert durch die Angst eines möglichen Verlustes der eigenen „Existenz“ unterstützen, ja sogar – je nach anerzogener Gehorsamsbereitschaft – noch verteidigen.

Der Arbeitende erhält für die getane Arbeit Rentenpunkte(!), während mit dem Erarbeiteten die vorhergehenden Generationen damit bezahlt werden. Und jeder macht fleißig mit! Wie ich das mache?

„Das bei der Politik geforderte, bedingungslose Grundeinkommen, steht im Widerspruch zum Wesen des Geldes, als Werkzeug der Kontrolle und Fremdbestimmung. Bedingungsloses Grundeinkommen setzt von allen bedingungsloses Handeln, in Form von Geben voraus, was wiederum das Geld an sich überflüssig macht.“

Ganz einfach: In 2016 rief mich an meinem Geburtstag jemand von der Rentenversicherung an und sagte, er bräuchte eine Unterschrift. Ich sagte ihm, er könne das Geld behalten, ich habe mit der BRD nichts mehr zu tun. Wer sich gerade überlegt, wie ich denn auskomme, weil für ihn das Geld das wichtigste ist, der mag mich besuchen und sich selbst ein Bild davon machen. Alles andere kann er sich an Gedanken, Vermutungen und Hirngespinsten ersparen.

„Am Grunde ist mir „das“ alles egal. Hauptsache, ich kriege dann meine Rente/Pension.“

„Honorar, Lohn, Gehalt, Besoldung, Tantiemen, Rente, Pension = Geld = mit Zahlen bedrucktes Papier.“

Es zeigt sich, dass „über den Tellerrand zu denken“ von etwas gedeckelt wird, was die meisten fest im Griff zu haben scheint.

„Fritzchen, ich geb’ dir jetzt mal zwei Mark. Dann drückst du die Oma mal ganz lieb. Sag’ aber nichts deinem Bruder.“ „Oma, das kostet aber extra.“ Jürgen von der Lippe

Es darf sich also alles ändern, nur nicht der anerzogene Glaube an das was mit „Geld“ bezeichnet wird. „Die Tröge bleiben…“ Ob sie wirklich bleiben, ist fraglich, hat die alte Ordnung ja auch ein natürliches Ende: Sie stirbt an Insuffizienz.

Die Mehrheit glaubt auch noch daran, dass das Geld ihr „gehören“ würde, nur weil sie dafür gearbeitet hat oder arbeiten ließ. Sie darf lediglich am Geldsystem teilnehmen, worin sich die Selbstversklavung durch Arbeiten und Geld verdienen und ausgeben, im Rahmen der Selbstunterwerfung, als wesentlicher Handlungsmechanismus herausstellt, dem eine gesellschaftlich als „normal“ deklarierte und in der Familie anerzogene Unvernunft und Gewissenlosigkeit vorausgeht, die im Rahmen des „so tun, als ob“ (etikettiert mit „Vernunft“ und „Gewissen“) sich gegenseitig „verkauft“ wird.

Die Zahlen auf dem Konto (Buchgeld ist jedoch kein gesetzliches Zahlungsmittel) wird durch fremde Hand verwaltet und selbst das Bedruckte, verfügt nur über einen inneren Wert, der durch den äußeren (Zahlen), sichtbar überlagert wird: Es ist nur deswegen etwas wert, weil man daran glaubt, dass es etwas wert sei. Und wenn dieses Vertrauen verlustig ist, ist das der Moment, wo sich die Wirklichkeit zeigt: dass es nichts wert ist.

„Zahlen sind vom Menschen erfundene Symbole, um das Unbegreifbare auf menschliche Größe reduzieren zu wollen, während er das Unbegreifbare dabei vergaß.“

Etwas hat nur deshalb einen Wert, weil es über die innere Leere des Menschen hinwegtäuschen soll, die er sich selbst nicht eingesteht – besser: eingestehen mag, weil er das Fremdwertgefühl durch seine Autoritäten gewohnt ist.
Das wiederum verweist auf einen ungeklärten, in der Regel nicht stattgefundenen Abnabelungsprozess und damit verbundene Gehorsamsbereitschaft.
Die durch Fremdbestimmung anerzogen und beibehaltenen und somit auch mangelentwickelten Kandidaten „Vernunft“ und „Gewissen“, erzeugen damit verbundene „Notwendigkeit“ ja (weiter) betreuen und kontrollieren zu müssen – während in den Kontrolleuren die gleiche Haltung vorherrscht.

„Mit keiner Materie des Universums kann man ein schwarzes Loch füllen.“

Auf diese Weise kann man jedes „Loch“ kontrollieren, indem man es von etwas abhängig macht, was es selbst nicht herstellen kann und darf, verbunden mit der Gewissheit der Anbetung derer, die es zur Verfügung stellen. Das mit Zahlen bedruckte Papier wird gern als „Tauschmittel“ bezeichnet, was es jedoch nicht ist.
Die Vorstellung, stets tauschen zu meinen, besteht nur, um den Moment gefühlter innerer Leere nicht ausgesetzt zu sein, um darüber hinweg zu täuschen. Eine Leere, die sich nur durch – vereinfacht ausgedrückt – innere Selbsterfüllung überwinden lässt.

„Es trifft wohl zu, dass sich alte Verhaltensmuster nicht ändern, sondern einfach nur aussterben.“

Selbst wenn sich der gewohnte Denker seiner Versklavung bewusst ist, es ist nur eine einseitige Wochenend-Hassliebe, da am Montag ja wieder fleißig gearbeitet und Geld verdient und gemacht wird, was der Chef sagt. Schließlich kann „man“ ja nicht anders.

Der jedoch herrschende Leidensdruck äußert sich dann durch häufige Dialoge, die den Zweck haben, dem selbstgeschaffenen Leid eine Ventilfunktion geben zu wollen, während die Inhalte dieser Dialog sich ums Beschweren und Auflistung schuldiger Verantwortlicher drehen, die so oder so bestraft werden müssten, weil sie an allem schuld seien.

Die Macht, das eigene Leben zu gestalten, liegt in der Regel fern, da es nur eines sein kann, was sich mit den Regeln des Systems und den herrschenden Autoritäten in Benimm setzt. Regeln, die einem in jungen Zeiten gewohnt anerzogen wurden: die bekannten Denk- und Verhaltensweisen, wie sie in der Gesellschaft weiterhin von ihren Inhabern unhinterfragt sind.

Und wenn schon mal demonstriert, also geklagt und gejammert wird, weil alles nach Möglichkeit wieder zum Alten zurückgeführt werden soll, handelt es sich zudem noch um einen kollektiven Irrglauben.

Das Festhalten am Alten beruht auf dem Festhalten an Konventionen – also eine reine Kopfangelegenheit – über jene Lenkmittel, wie sie durch Macht, Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut und der irrigen Vorstellung, dass einem etwas ober jemand gehören würde, sich zum Ausdruck bringen – dem Festhalten an Materie. Jedoch sind es nicht die Dinge, die „uns“ beunruhigen, sondern die Meinung, die wir von den Dingen haben – besser: sondern die Bedeutungen, die wir den Dingen verleihen.

„Der Tag an dem man erkennt, dass einem nichts gehört, ist der Tag, an dem man nichts mehr verliert und das Ende der Macht.“

Das „Ich“ fühlt sich dann „groß“, wenn es meint über alles zu verfügen, was sich ihm unterwirft und so zu instrumentalisieren ist, alles andere wird dann mit Hilfe der so entstandenen „Instrumente“ auch unterworfen. Denn es darf ja keinen „Widersacher“ geben, der gegen die einzigen und ewig geltenden Regeln verstoßen darf. Alle anderen ordnen sich den Vorgaben des „Großen Ichs“ in der Regel im Glauben an Privilegien unter – ja, sie verteidigen sie sogar. Es gibt jedoch kein „Ja, aber ich muss doch!“ Denn:

„Nehmen Sie einmal den Fall eines Völkermordes. Da beschließt ein eiskalter Diktator fünf sechs Millionen Männer, Frauen und Kinder umbringen zu lassen. Dafür braucht er doch mindestens eine Million Komplizen. Mörder und Henker. Wie macht er das, dass man ihm gehorcht?“
„Indem er die Verantwortung auf viele Leute verteilt. Ein Diktator braucht einen funktionierenden Staatsapparat. Das heißt, er braucht Millionen von kleinen Funktionären, von denen jeder eine anscheinend eine unbedeutende Aufgabe wahrzunehmen hat. Und jeder von ihnen wird diese Aufgabe ausführen – mit Kompetenz – und ohne Bedenken. Und niemand wird sich klarmachen, dass er der millionste Teil eines grausamen Verbrechen ist.“ I wie Ikarus, 1979

„Menschen verteidigen notwendigerweise ihr eigenes „ich“. Wir nennen das: „ohne Grenzen“. Sie werden lügen, betrügen, stehlen, morden. Sie werden alles tun, was notwendig ist, um das aufrechtzuerhalten, was wir „die Grenzen des Ichs“ nennen.“ Andrew Samuels, Ph. D. Revolver, 2005

Der aktuell sichtbar gelebte Faschismus, der auf Gehorsamsbereitschaft getrimmten Bevölkerung zeigt, dass er sich nicht auf zwölf Jahre „Adolf“ reduzieren lässt, sondern grundsätzlich ein Phänomen hierarchisch organisierter Strukturen ist und sich gern hinter freundlich lächelnden Vorgesetzten zu verbergen weiß.

Es ist ein schwerwiegender Fehler, das Volk mit der Masse zu verwechseln. Das Volk ist nämlich der Souverän. Das ist die größte Errungenschaft der Revolution, aber die Masse ist ein wildes Tier, was ernährt werden will, manipuliert, beherrscht. Ich habe von dieser Terrasse aus dutzende von Köpfen rollen sehen, Vidocq. Royalisten, Orelonisten, Jakobiner, Gerandisten. Aber das Publikum hat immer dasselbe geschrien. Niemand hat Gnade gefordert. Sie wollten alle nur Blut sehen.“ „Wir verdanken es dem Kaiserreich, dass das Chaos wieder beendet wurde und das wieder Ordnung herrscht. Wir müssen es also stärken.“ „Glauben sie wirklich?“ Dialog zwischen Eugène-François Vidocq und Joseph Fouché (Polizeiminister), Vidocq, L’Empereur de Paris 2018

Faschismus „funktioniert“, weil sich die beauftragten „Macher“ für nichts anderes interessieren, als ihre Aufgabe im Sinne ihrer Obrigkeit zu erfüllen, den Weisungen zu folgen, und nur die Informationen zu verarbeiten, die sich speziell um ihre eigene Aufgabe drehen – ohne das größere Ganze hinterfragen zu dürfen oder hinterfragen zu wollen.

„Solange ich selbst kein Schreiben bekomme, dass die Gesetze nicht mehr gültig sind, mache ich hier, was ich will.“ Mitarbeiter der Kreisverwaltung Fulda, 2012

Der Deutsche hat nichts dazugelernt. Warum auch? Schließlich muss er ja arbeiten, Geld verdienen und wieder ausgeben, weiterhin gehorsam sein, sonst könnte er ja bestraft werden und nicht mehr an den wohlwollend überlassenen Privilegien teilnehmen.

Und das ist auch der Stecker, wo das Licht ausgeht. Und auch das Zeichen, woran man all jene erkennt, die sich ein Mal geben.

Die gesellschaftlich anerzogene Gehorsamsbereitschaft bildet die Grundlage faschistischer Systeme, verbunden mit den als normal deklarierten Denk- und Verhaltensweisen, die sich durch reichlich Verdrängungskonzepte zum Ausdruck bringen – entstanden aus einer einzigen Bestrafung durch eine Autorität, wegen eigenständiger Entwicklung.

„Die Menschen sind noch gut. Wir kämpfen, wir töten, wir hintergehen einander. Aber wir können uns ändern. Wir können es besser machen. Das werden wir, das müssen wir.“ „Bruce Wayne“, Batman vs Superman – Dawn of Justice, 2016

„Anerzogene Gehorsamsbereitschaft und der verdreht gelernte Umgang mit dem Signal Angst (vor Bestrafung), sind die Schmiere für einen gut funktionierenden Faschismus.“

Nachtrag: „Es ist ein beachtlicher Unterschied, ob man eine Rolle nur spielt oder ob man die Rolle ist.“

Musikalischer Nachtrag:

P.S. Die Corona-Maske ist lediglich das sichtbare Symbol individuell-gesellschaftlicher Distanzierung, wie sie bisher nur unauffällig gelebt wurde.