Entscheidungen und Konsequenzen, Teil 2

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(v1.1*) Manchmal muss man sich von etwas trennen, was nicht mehr funktionieren mag oder nie dazu gedacht war oder sich allein durch seine Betrachtung als Last erweist, um so den Platz für Neues freizumachen. Mitunter braucht es dazu Zeit, dies zu erkennen.

Letzte Woche habe ich „FreeCAD“ deinstalliert, was ich zusätzlich für 3D-Konstruktionen ins Auge gefasst hatte.
Ebenso erging es „Unity“ und „Microsoft Visual Studio“, um damit eine räumliche Darstellung des Gedankengutes dieses Blogs entwickeln zu wollen. Ebenso erging es gestern dem Facebook-Profil, was ich nach zehn Jahren kurzerhand gelöscht habe. Etwas sagte zu mir: „Das brauchst du alles nicht mehr.“

Das Leben ist im Kern von einfacher Natur und nicht das, was da technologisch ständig daherkommt, und den Geist nach dem Prinzip „vom Mehr des Selben“ zu beschäftigen versucht, während man angehalten ist, sich am besten ständig über neueste Trends und Richtungen zu informieren.

„Die Leute müssen mehr Zeit in der Realität verbringen. Denn, wie Halliyday sagte: Die Realität ist das einzige, was real ist.“ „Wade Watts“, Ready Player One, 2018

Ich habe festgestellt, dass ich mich mit dem ganzen Technik-Kram zunehmend nicht mehr auseinandersetzen mag. Ein Bekannter meint zwar, ich habe so viel Potential, doch ließe es sich ja gar nicht „nutzen“.
Das liegt einfach daran, dass es wenig Sinn macht, bei etwas mitzumachen, wo es in der Regel nur darum geht, wie man „Flocken“ machen kann, was wiederum nur die Illusion von Freiheit und Sicherheit, letztlich nur „finanzielle Freiheit“ bedeuten würde und umso mehr davon gebraucht wird, je mehr man sein „Eigen“ weiter so zu nennen meint.

„Ja, aber DU MUSST doch auch Geld haben“, so lautete es früher mal aus der Riege der Geldgläubigen, um für ihresgleichen und damit für die „sinnvolle“ Gleichschaltung die Werbetrommel zu rühren.

„Ja, aber was machst du, wenn du krank wirst?“ (Anmerkung: Man ist nicht krank. Da regelt sich lediglich etwas von selbst, um zu heilen.)

Es besteht ein erheblicher Unterschied, ob man dem Geld hinterherzurennen meint, um seine Fürstentümer weiter am Laufen zu halten und so den Schein wahren zu wollen und sich für andere oder andere für sich versklavt oder auch nicht.

„Kehrt ruhig die Brosamen zusammen.“

Gerade diese Entscheidung habe ich bereits vor sehr langer Zeit getroffen. Und warum?

Weil sich das Wesentliche von selbst regelt, wenn man dem Leben vertraut, was wiederum bedeutet, dass man sich selbst (ver)traut. Es geht um Entwicklung, die nach vorne gerichtet ist, nicht einfach nur eine, die nur nach rückwärts gerichtet ist, wo das Vorgestern das Gestern zu verdrängen versucht.

Hat man erst einmal erkannt, dass sich das ganze Tamtam um das mit Zahlen bedruckte Papier und die „Sichteinlagen“ (Zahlenreihen auf dem Konto) dreht, wo der anerzogene Glaube herrscht, dass das „Bedruckte“ und die Arbeit etwas wert seien, solange diese Vorstellung besteht, versklavt sich der Mensch weiter selbst – muss tricksen, betrügen und manipulieren und sich unterwerfen. Wer weiß schon, dass diese Verhalten aus seiner gewohnten Erziehung heraus entstanden sind?

Die Vorstellung, man müsse ja so handeln, weil andere ja auch so handeln, ist nur der Versuch, die eigenen Denk- und Verhaltensweisen weiter rechtfertigen zu wollen, um letztlich doch nichts zu ändern.

Die Thematik ist im Kern – hat man sie erst einmal verstanden – recht einfach: Man ist solange ein Teil der alten Ordnung, wie man mit seinen gewohnt unhinterfragten Denk- und Verhaltensweisen daran angekoppelt ist.
Jene, die also weiter das Vorgestern dem Gestern vorziehen und es zu bekämpfen meinen, bewegen sich letztlich nur weiter im Alten, siehe: „Im Banne der Rechtsfiktion“ und „Von Positivem und Überpositivem“
Wer also der Meinung ist, man müsse nur auf Unruhen warten, um sich dann wieder „auszuleben“, weil die anderen ja die „Bösen“ seien, stellt sich letztlich nur selbst ein Bein – und das reicht völlig.
Denn in einem Nullsummenspiel gibt es keine Gewinner – zudem sind „Gewinner“ und „Verlierer“ nur weitere Rollen innerhalb des globalen Rollenspiels der alten Ordnung.

Hinweis: Es nutzt nichts, das alles nur zu wissen, wenn anschließendes Handeln gegenteiliger Natur ist. Denn am Tun wird man sie erkennen.

„Wenn Du die Regeln änderst, die dich kontrollieren, dann änderst du auch die Regeln deiner eigenen Kontrolle.“ Revolver, 2005

„Welches ungeheuerliche Laster ist es dann, das nicht einmal Feigheit genannt zu werden verdient, ein Laster, für das kein Begriff abscheulich genug gefunden werden kann, das die Natur selbst verleugnet und unsere Zungen sich weigern, es zu nennen?“ Aus: „Die Politik des Gehorsams: Der Diskurs der freiwilligen Knechtschaft“, Étienne de la Boétie, 1530-1563

Dabei fällt dem Gewohnten nicht auf, dass der Wert des Wertlosen erst durch die Besicherung eines Dar-Lehens durch den Dar-Lehensnehmer geschieht, wobei die später geforderten Zinsen nicht einmal mitgeschaffen werden und auch der Rest aus dem Nichts kommt.

Wenn man sich von Dingen trennt oder auch das Wichtigste erst einmal getan ist, so entsteht zunächst so etwas wie eine gefühlte Leere, die einen zunächst unangenehm vorkommt, doch sich alsbald mit Neuem füllt.
Denn es kann sich nur etwas verändern, wenn man von Altem ablässt und gerade darin steckt auch das Geheimnis der Veränderung.

Loslassen bedeutet im Wesentlichen von den üblichen Bedeutungen loszulassen, die einen bei der eigenen Entwicklung hemmen, bis man an den Kern der eigenen Motivation gelangt und dort findet sich mitunter der Glaube an den Wert von mit Zahlen bedrucktem Papier und überlagert den Glauben an das Leben.

Ab diesem Moment kann man auch niemanden „mitnehmen“, gleich wie er sich zu geben meint oder man selbst zu meinen glaubt. Denn es ist und bleibt die Aufgabe des Einzelnen, selbst den Weg zum Leben zurückzufinden.

„Welche Stimme hören Sie, wenn Sie in sich lauschen?“

Anmerkung: Sich ein System aufzubauen, was dazu dient, sich selbst erhalten zu wollen, während der darin wirkende Geist sich „vom Mehr des Selben“ nährt, ist auf Dauer nicht lebensfähig.
Jedoch trägt es einen wertvollen Gedanken in sich: Man lernt, wie es nicht funktioniert und das damit verbundenes Denken, ohne seine entsprechende Hinterfragung und einhergehender Entwicklung, zu keinem anderen Ergebnis führt.

Hinweis: Denn randvoll beschäftigt zu sein, kann auch heißen, hinter allem nur deswegen herzurennen, damit sich überhaupt noch etwas bewegt.

Nachtrag: Da das ganze Thema auf rein mentaler Ebene stattfindet, braucht es also keines lauten und unnötigen Tamtams, denn letztlich kommt man nur aus der Nummer raus, indem man durch die Infragestellung des Alten wiederum das Wahre erkennt, was durch die Täuschung überlagert war und ist.

Nebenbei: „Der Stuhl vom Chef muss hart sein, eben weil er am Wasser spart.“

Musikalische Nachbeleuchtung: