Prozessdenken – oder: Die Welt nicht nur anders wahrnehmen

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(v1.1) Bereits viele Male habe ich auf diese beiden grundsätzlich voneinander unterschiedlich wirkenden Denkweisen aufmerksam gemacht.
Die eine, die sich durch das Wahrnehmen einer Welt der Dinge und Teile sowie scheinbar unabhängig von einander existierenden „Problemen“ (mit ihren „schuldigen Verursachern“), die gewohnt nur allzu gern an der Stelle behandelt werden, wo sie sicht- und spürbar in Erscheinung treten.

Das damit verbundene Geschäftsmodell, was sich mit der meist oberflächlichen und mehr oder minder belohnten Kaschierung wahrgenommener „Probleme“ beschäftigt, die letztlich doch nur Symptome (Phänomene, Erscheinungen) systemischer Unzulänglichkeiten sind. Verbunden mit der Vorstellung, dass mit Zahlen bedrucktes Papier etwas wert sei, macht es dem konventionell-traditionellen Denker recht schwer, sich von diesen Konzepten zu verabschieden.

„Die Leute sagten mir immer, dass es beim Erwachsenwerden nie um ein Ziel ginge, sondern um die Reise. Aber was, wenn man das Ziel selbst ist? Was, wenn man es immer man selbst ist?“ „Elliot Alderson“, Mr. Robot, 2015-2019

Dem ganzen so stattfindenden Szenario kommt noch ein weiterer, wesentlicher Aspekt hinzu.

Durch das gewohnte „Problem-Lösungsverhalten“ (Anmerkung: gewohnte Kaschierung wahrgenommener „Probleme“), nimmt die Komplexität im System jedoch weiter zu, statt ab, während die Ursachen weiter unbetrachtet bleiben und für weitere, mitunter besorgniserregende „Ausblühungen“ sorgen.
Der kurzfristig erzielte Erfolg verpufft nach einer Weile wieder. Zum Ende hin, kollabiert das jeweilige System und stirbt an Insuffizienz oder dümpelt marode vor sich hin, während seine Teilnehmer mit langen Gesichtern unterwegs sind.
So am nebenbei, welche Auswirkungen gewohntes Denken und Handeln auf die vom Menschen geschaffenen Organisationsstrukturen hat, wenn er sich gewohnt auf die Behandlung sicht- und spürbarer Symptome konzentriert.
Dazu gesellt sich die gewohnte sachlich-fachliche Trennungen all jener Disziplinen, die für die auftretenden Symptome in die Existenz berufen wurden. Märkte nennt man das und so manchem erscheinen die Marktteilnehmer als „Konkurrenten“.

„Etwas wie einen äußeren Feind“ gibt es nicht. Egal, was die Stimme in ihrem Kopf ihnen sagt. Alle Feindbilder, die wir haben, sind nur Projektionen des „Ichs“, als der Feind selbst.“ Dr. Deepak Chopra, M.D., Revolver, 2005

Damit das dann irgendwie funktioniert, sind die meisten Teilnehmer dadurch motiviert, erst mal was werden zu wollen, beflügelt vom Wert des mit Zahlen bedruckten Papiers und der Vorstellung, dass Arbeit ebenfalls etwas wert sei.

Auf diese Weise sind die Betroffenen so sehr mit der Aufrechterhaltung ihrer Existenz beschäftigt, dass ihnen, der Umgang mit der Gestaltung von Materie, als ein Mittel ihrer eigenen Entwicklung, durch den Blick auf das Geld und was man sich damit zu kaufen meint, so sehr getrübt, dass das eigenständige Denken für gewöhnlich dem Funktionieren nach gesellschaftlichen Konventionen und Wertvorstellungen vorgezogen wird.

Und je unbewusster der Mensch sich über dieses für alternativlos gehaltene Schauspiel ist, desto mehr wird er zum Teilnehmer jener gewohnten Ordnung – die meist im Rahmen eines anerkannten gemeinsamen Gegeneinanders stattfindet, was von jenen selbst mitgetragen wird, die der Meinung sind, ja nicht anders zu können.

„Haben sie herausgefunden, weshalb sie hier waren? Wissen sie wieso ichs getan habe?“ „Weil sie es tun wollten.“ Dialog „Ted Bundy“ mit „Bill Hagmaier“, Ted Bundy: No Man of God, 2021

Dem gewohnten Denken steht das ganzheitliche Denken und Handeln gegenüber, mit einer Sichtweise eines vernetzten Ganzen, einer Welt der Zusammenhänge und Wechselwirkungen, wo wahrgenommene „Probleme“ als Symptome organisatorischer Unzulänglichkeiten betrachtet werden und es nicht einfach darum geht, den oder die Schuldigen fix ausfindig zu machen, die an allem „schuld sein“ sollen.

Bei einem Unternehmenssystem, was Ziele und Zwecke verfolgt, scheint es einfacher zu sein, bewegt man sich so weiterhin innerhalb der gewohnten Systemstrukturen, unter Einbehaltung der Gegebenheiten aus Arbeiten gehen, Geld verdienen und wieder ausgeben.
Letztlich handelt es sich bei einer ganzheitlichen Neuorientierung um eine sicht- und spürbare Veränderung für den arbeitenden Menschen in einem weiter gewohnten Systemumfeld bekannter Strukturen aus Banken und Kaufmannsläden – durch Implementierung von Selbstregelmechanismen in ökonomischen Strukturen. Dazu war das Modell von Schubäus ursprünglich gedacht.

Nachdem mir durch reichlich Kontakte, Dialoge und Auswertung damit verbundener Rückmeldungen klar wurde, dass die Ohren nach über 12 Jahren auch weiter verschlossen blieben, stellte sich die Frage, ob die Nummer nicht eine viel größere sei, als sich das bisher so gedacht wurde, und womit es (je)der Mensch letztlich zu tun hat.

Eines ist in jener Zeit sehr stark hervorgetreten: Sehr viele wollten und wollen, dass sich etwas ändert, weil die gegebenen und beobachteten Lebens- und Strukturumstände ihnen besorgniserregend erschienen und vielleicht sogar noch erscheinen mögen.

Doch kaum jemand mag den nächsten Schritt machen, sich wirklich zu outen, dass er selbst nicht weiter mit dem System konform gehen mag, damit verbunden auch seine gewohnten Denk- und Verhaltensmuster, weswegen der Druck auf die Gesellschaft als Ganzes auch weiter zunimmt.

„Leid entsteht, wenn man Veränderungen fordert, jedoch heimlich hofft, von diesen selbst nicht betroffen zu sein.“

Es mangelt hier an notwendiger Authentizität der Fordernden, weshalb die einstigen Verkünder sich lieber im Beschäftigen mit Symptomen zu üben meinen. Wen wundert es also, wenn einige wenige Akteure ihren eigenen Weg gehen. Und das ist auch gut so.

Selbst wenn man in einem Boot sitzen mag, ist es ein beachtlicher Unterschied, ob man gegen etwas zu kämpfen meint oder sich durch den Prozess der Infragestellung des gewöhnlich sonst Bekämpften entwickelt.

„Gewinner“ und „Verlierer“ sind nur Rollen in einem Rollenspiel, einem Nullsummenspiel.

Der wesentliche Unterschied, ob man die Rolle ist oder eine Rolle nur spielt, liegt im Erkennen des Unterschieds zwischen Person und Mensch, zwischen „Ich“ und Mensch.

Hat es jemand schon bemerkt? Merkel ist weg. Hat sich deshalb etwas geändert? Nein.

Die Angelegenheit ist einfach zu bedeutend, als dass es nur darum ginge, wieder in die gewohnten Gefilde des gemütlichen Komfortsofas zurückzukehren.

Es ging und geht darum, das gesamte System und nicht einfach nur einige Teilsysteme zu betrachten und die Ursachen seiner Existenz zu erkennen. Geredet wird viel, jedoch:

„Neo, genau wie ich, wirst du irgendwann einsehen, dass es ein Unterschied ist, ob man den Weg nur kennt oder ob man ihn beschreitet.“ „Morpheus“, The Matrix, 1999

Erkennen und Verstehen bedeutet nicht, dass man es eben mal hier auf dem Blog gelesen hat, anschließend kräftig nickt und zwei Sekunden später wieder die Meinung herrscht, dass die Bestrafung (auf beliebige Art und Weise) der „Bösen“ und vermeintlich Schuldigen die Endlösung sei.

Darum geht es jedoch nicht, denn die „Bösen“ spielen im Rollenspiel nur ihre Rolle, während die sich selbst knechtende Bevölkerung über ihr Rollenspiel nicht bewusst ist und nur ihren rudimentären Denk- und Verhaltensmuster folgt.

Die sogenannten „Eliten“ wissen wie die Masse funktioniert, während diese es nicht wissen will, schließlich „muss sie ja arbeiten und Geld verdienen“.

„Was Sie bei ihren Betrachtungen völlig außer Acht lassen. Es mag sein, dass wir im Dschungel im Moment ’ne Menge Tier- und Pflanzenarten verlieren, aber dafür wächst ja auch zum Ausgleich – nicht wahr – im Supermarkt eine wunderbare Warenwelt heran.“ Max Utthof als „Friedrich Merz“, Die Anstalt, November 2021

Getragen von der Vorstellung, dass Zahlenreihen auf dem Konto und mit Zahlen bedrucktes Papier etwas wert seien, verbunden mit der Vorstellung, dass Arbeit etwas wert sei, die mit dem Bedruckten vergolten werden müsse, hält sich die Gesellschaft nur selbst gefangen, während sie gleichzeitig den Schuldfinger auf die Vorgesetzten zu richten meint, um sich dabei selbst zu entmachten.

Dem kommt der irrige Glaube hinzu, man müsse nur die „ungerechten“ gegen „gerechte Vorgesetzte“ tauschen, um letztlich nur weiter der gewohnten und mitunter einträglich belohnten Gehorsamsbereitschaft nachzugehen, während die ernannten „Herren“, mit Zahlen bedrucktem Papier und Versprechen zumindest akustisch um sich zu werfen meinen.

„Ist es, dass wir kollektiv denken, Steve Jobs war ein großartiger Mann, sogar als wir wussten, dass er Milliarden durch Kinderarbeit verdient hat? Oder vielleicht auch, weil es sich anfühlt, als wenn unsere Helden nur Fälschungen sind.
Die Welt als solche ist nur ein großer Schwindel. Wir spamen uns voll mit unseren immerwährenden Bullshit-Kommentaren, als Erkenntnisse getarnt.
Unsere Sozialen Medien, die Intimität vorgaukeln.
Oder ist es, weil wir das gewählt haben, nicht durch unsere gefakten Wahlen, vielmehr mit Dingen, unserem Eigentum, unserem Geld.
Ich erzähle nichts Neues. Wir wissen alle, wieso wir es tun, nicht weil uns die „Tribute von Panem“-Bücher glücklich machen, sondern weil wir ruhig gestellt werden wollen, weil es schmerzhaft ist, nichts vorzutäuschen, weil wir Feiglinge sind.“ „Elliot Alderson“, Mr. Robot, 2015-2019

Musikalisch, filmische Untermalung: