Wenn Du nach der Freiheit suchst…

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(v1.3) Das Thema „Grundrechte“ kocht ja seit einiger Zeit überall ziemlich hoch, und recht viele gehen dafür auf die Straße. Sie fühlen sich in ihren Grundrechten, im Näheren: in ihrer Freiheit eingeschränkt oder zumindest in dem eingeschränkt, was sie darunter zu verstehen meinen.

„Wir fangen mit etwas Reinem an. Etwas Packendem. Dann machen wir Fehler und gehen Kompromisse ein. Wir erschaffen unsere eigenen Dämonen.“ „Tony Stark“, Iron Man 3, 2013

Bevor man sich jedoch dem Thema „Freiheit“ nähert, bedarf es zunächst zu wissen, was es mit den Grundrechten im Kern auf sich hat und für wen sie im Wesentlichen gelten*. Dazu vorab zwei Hinweise:

Was ist eine Rechtsfiktion?

Was ist positives und was überpositives Recht?

Dazu auch: „Die „natürliche Person“, ist der Mensch in der Rolle als Rechtssubjekt.“

Es stellt sich dabei die Frage: Spielt er – der Mensch – die Rolle innerhalb des positiven oder des überpositiven Rechts?

Im Rahmen familiär-gesellschaftlicher Entsprechung, Gewohnheiten und Konventionen und damit verbundener, häufiger Erziehung zur Gehorsamsbereitschaft, bewegt er sich früher oder später in dem ihm vorgegebenen Regelwerken des positiven Rechts – genauer: seine Person, die er spielt, bewegt sich innerhalb dieser (vor)gegebenen Grenzen.
Der Mensch selbst bewegt sich weiter im überpositiven Recht. Da er sich selbst vergessen hat, kennt er den Unterschied zwischen Mensch und Person nicht, hält beides für ein und dasselbe und verweilt so innerhalb der Grenzen des positiven Rechts – nur deswegen, weil er der Illusion erliegt, er sei sein „Ich“.

Mit der „gewohnten“ Erziehung zur Gehorsamsbereitschaft bewegt sich der sich für die Person haltende Mensch im Rahmen damit einhergehender Fremdbestimmung, ebenso wie die Grundrechte, die einer Autorität bedürfen, die sie wohlwollend gewährt, oder wenn es opportun erscheint, entsprechend einschränkt oder gar aufhebt, eben weil Grundrechte nicht von der Natur gegeben sind, sondern vom Menschen erfunden wurden.

Naturrecht ist nicht verhandelbar, Grundrechte schon. Warum sind sie nicht verhandelbar? Weil der Mensch sie lediglich ignorieren oder durch künstliche überlagern, jedoch nicht verändern kann.
Einmal mehr zeigt sich an diesem Punkt die Überlagerung des Lebens durch eine künstliche Existenz, die versucht der Natur und damit dem Leben selbst „Herr werden“ zu wollen, statt im Einklang mit den meist unerkannten Naturgesetzen zu leben, die nichts mit „der Stärkere gewinnt“ oder „Faustrecht“ zu tun haben, sondern sich durch eine sich zunehmend entwickelnde Vernunft und damit verbundenem Gewissen zum Ausdruck bringen – denn die meisten sind darin ja in beiden nur begabt.

Vernunft hat nichts damit zu tun, nur genug Geld auf dem Konto zu haben oder sonst etwas, was man dann sein „eigen“ nennt. Denn so ist es nur die Verballhornung des Begriffs „Vernunft“. So nebenbei.
Doch von diesem bleiben die meisten selbst entschlossen – ohne eindringlichere Auseinandersetzung mit sich selbst – Lichtjahre entfernt.

Positives Recht wird von wenigen vorgegeben, damit sich möglichst viele daran halten. Und warum?

Um damit ein wesentliches, jedoch künstliches Gebilde aufrecht halten zu wollen, nämlich eine in den Familien und in der Gesellschaft als „normal“ erachteten Erziehung zur Gehorsamsbereitschaft sich daraus ergebende, hierarchische Ordnung, die durch besagte Grundrechte (Privilegien) und dem anerzogenen Glauben der Masse an diese aufrechterhalten wird.

An diesem Punkt sollte nun jedem klar sein, welche wahre Kraft in ihm steckt oder ob er weiter den gehorsamen Unterwürfigen zu mimen meint. Ebenso wird klar, dass es keines Momentes bedarf, eben diesen auf der Straße zu verbringen.

Zu den besagten „Grundrechten“ zählt auch die sogenannte „Meinungsfreiheit“.

Dazu ein Hinweis: Eine Meinung nutzt wenig, wenn sie isoliert und ohne Richtung von sich gegeben und mitunter dann verteidigt wird oder „die anderen nur schnell genug weg müssen“.
Auch nutzt die reine Ansammlung von Meinungen nichts. Das ähnelt einer Sammlung von Daten, die nachher nicht ausgewertet werden, was von jedem eine übergeordnete Betrachtungsweise erforderlich macht.

Hinweis: Etwas hängt nicht deswegen einfach zusammen, weil man es nur nahe genug beieinander stellt.

Das Spiel mit dem gewohnten Denker gestaltet sich nur deswegen so leicht, eben weil er in der Regel auch gehorsamsbereit erzogen wurde und eigenständiges Denken nicht belohnt, sondern bestraft wurde.
Gehorsamsbereit bedeutet darüber hinaus auch, sich nur allzu gern selbst „die gerechten Vorgesetzten“ zu wählen, die ihm weiter das versprechen/erlauben, was er anerzogen liebgewonnen hat, und das macht, was im Sinne der Autoritäten „richtig“ sein soll.

Dazu gehört unabdingbar der Glaube an den Wert von mit Zahlen bedrucktem Papier und dass Arbeit etwas wert sei, die damit zu vergüten ist.

Die anerzogene Illusion, dass andere an irgendetwas „schuld“ seien, wird deswegen nicht „wahrer“, nur weil die Masse diese Sichtweise für „richtig“ erachtet. Soviel mal zum Thema „Konventionen und ihre Infragestellung“.

Einmal mehr erscheint es notwendig, nicht nur kurz darüber nach-, sondern vor allem auch langfristig vorzudenken, wie sehr die Existenz eines Systems vom Glauben daran abhängt – vor allem dann, wenn man sich noch nie mit dem System selbst auseinandergesetzt hat, sondern gewohnt nur mit irgendwelchen Darstellern und ihren Taten.

„Sind viel ihrer Testpersonen bis 450 Volt gegangen?“ „Im Durchschnitt leisten 63% der Testpersonen unbedingten Gehorsam. Das heißt, dass sie das Prinzip des Experiments voll akzeptieren. Damit will ich sagen: Sie gehen bis 450 Volt.“ Dialog „Staatsanwalt Henri Volney mit Prof. David Naggara“, I wie Ikarus, 1979 (Milgram-Experiment)

Ich will damit zum Ausdruck bringen, dass seit geraumer Zeit das „Milgram-Experiment“ sicht- und spürbar für jeden in der Gesellschaft durchgeführt wird.

Was also die Freiheit selbst angeht, ist sie eine zunehmend sicht- und spürbar hervortretende Erscheinung und Eigenschaft des Menschen sich in Vernunft und Gewissen entwickelnden Menschen.
Um es an dieser Stelle klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen: Es gibt keine anderen, die einem hier im Wege stehen, sondern nur man sich selbst – besser: die eigenen gewohnten Denk- und Verhaltensmuster.

Dem Umstand des gewohnten Komfortsofas geht meist eine in der Vergangenheit liegende, grundsätzliche Zustandsveränderung voraus:

„Zwar unterwerfen sich die Menschen am Anfang unter Zwang und mit Gewalt; aber diejenigen, die nach ihnen kommen, gehorchen ohne Bedauern und tun bereitwillig, was ihre Vorgänger getan haben, weil sie es mussten.
Deshalb sind Männer, die unter dem Joch geboren und dann in der Sklaverei genährt und aufgezogen wurden, damit zufrieden, ohne weitere Anstrengung in ihren ursprünglichen Umständen zu leben, ohne sich eines anderen Zustandes oder Rechts bewusst zu sein und den Zustand, in den sie geboren wurden, als ganz natürlich anzusehen.
… der mächtige Einfluss der Sitte ist in keiner Hinsicht zwingender als in dieser, nämlich der Gewöhnung an die Unterwerfung.“ Aus: Die Politik des Gehorsams: Der Diskurs der freiwilligen Knechtschaft“, Aus: Die Politik des Gehorsams: Der Diskurs der freiwilligen Knechtschaft, Étienne de la Boétie, 1530 – 1563

Der Gedanke, „Freiheit ist alles zu tun, was keinem anderen schadet“, ist somit infrage zu stellen, da sonst jeder, der unter anderem in der Nahrungsmittelindustrie tätig ist, sofort kündigen müsste.

Hinweis: „Freiheiten und Freizügigkeiten sind keine Freiheit.“

Wer also weiter der Meinung sein mag, es ginge nur darum, die anderen nur „ordentlich“ beim Schlafittchen zu packen, sei darauf hingewiesen, dass er dann zu jenen wird, die er zu bekämpfen meinte. Hierzu ein anderer Gedanke, welche Rolle „die Anderen“ spielen:

„Ihr Daseinszweck ist es nicht zu herrschen, sondern das Verursachen von Leid und Schmerz und Tod. So ist es gewesen, so ist es jetzt noch, und so wird es immer sein. Und alles nur, damit andere ihretwegen über sich hinauswachsen können.“ „Mobius M. Mobius“ zu „Loki“, Loki, 2021

Dem gewohnten Leser wird das alles nicht neu sein, doch auch ihm sei mitgegeben, dass es nichts nutzt, nur den Weg zu kennen, wenn er ihn nicht beschreitet.

Es gibt niemandem, der einem die Freiheit schenkt. Es gibt jedoch den Menschen, der sie sich selsbt nimmt und später durch einen blutigen Kampf wieder zu erringen verscuht. Es ist das Leben, was einen mit Freiheit beschenkt. Nur wurde das von den meisten im Rahmen ihren anerzogenen und belohnten Gehorsamsbereitschaft und wohlwollend zugestandenen Privilegien vergessen.“

Sicher kann man das mit dem üblichen Handstreich alles abtun, weil man ja schon „weiß“ um was es geht und man das alles schon kennt. Kennen allein reicht jedoch nicht aus.

„Welchen Frieden suchen wir? Ich spreche vom aufrichtigen Frieden. Vom Frieden, der dem Leben auf der Erde einen Wert gibt. Nicht nur Frieden in unserer Zeit, sondern Frieden für alle Zeit. Unsere Probleme sind von Menschen gemacht und können deshalb vom Menschen gelöst werden. Denn letzten Endes ist unsere tiefe Gemeinsamkeit, dass wir alle diesen kleine Planeten bewohnen.“ John. F. Kennedy, aus dem Film „Thirteen Days“, 2001

Nachtrag: Um es mal ganz anders auszudrücken: Die „Pandemie“ endet, wenn der Mensch damit beginnt, sich wieder entwickeln zu wollen. Denn aktuell nehmen die meisten nur artig beim stattfindenden Faschismus teil, den sie durch ihre gleichgeschalteten Denk- und Verhaltensmuster (unter anderem die als „normal“ deklarierte Gehorsamsbereitschaft) erst ermöglichen. Die Ursache, warum so etwas überhaupt geschehen kann, erfordert das Erkenen und verstehen und damit auch die individuelle Auseinandersetzung mit den eigenen Denk- und Verhaltensmustern.

Hinweis für alle, die gerne eine Meinung in der Weise zu isolieren versuchen: „Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.“ Hannah Arendt

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