Der Mensch und seine Aufgabe

Während ich mir Max Richter’s „On Reflection…“ gerade anschaute, berührte mich dieser Gedanke.

Das Wesen der Selbstreflektion ließ den Menschen irgendwann in einen unendlichen Entwicklungsprozess gelangen und über sich hinauswachsen – dessen Lernumfeld, nicht nur der Planet „Erde“ war – seine Heimat.

Bevor ihm dies vor langer Zeit bewusst wurde, war der Mensch davor nur einen einzigen Schritt in seiner Entwicklung gegangen, darin eine sehr lange Zeit verweilend. Dies in der Vorstellung, das Zuträgliche vom Abträglichen abgrenzen zu wollen, um sich vordringlich der Materie zu widmen.

Zunächst sah es wie ein Irrweg aus und doch war er real – einem Weg, auf den er sich die ersten 100.000 Jahre seiner Entwicklung begeben hatte – getrieben von seinem „Ich“ – seinen Programmierungen, die ihn ein unendliches Gefühl aus Sammeln und Sichern vermittelten.

„Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ 1 Mose 1, 28

Unter dem Joch seines „Ichs“ plusterten sich Staaten und Strukturen aus künstlichen Grenzen, mit ihren künstlichen Regelwerken auf – erstanden im Zeichen seiner Unvernunft und damit auch seiner Betreuung.

Der Anfang dieses Szenarios lag in einem unscheinbaren Moment, der ihn in jene gewohnten Bahnen fortgeführter Fremdbestimmung lenkte, indem er für eigenständiges Denken bestraft worden war und sich das „Ich“ dazu entschied, dass die eigene Entwicklung mit Bestrafung zu tun habe.

Doch war diese Zeit nicht von vergeblicher Natur – als er erkannte, dass er bisher nur gelernt hatte, wie es nicht funktionierte.

Dieser Erkenntnis ging zunächst ein Prozess der Infragestellung und des Erkennens voraus, dass er nicht unabhängig von dem existierte, was er zunächst nur mit den Augen wahrnahm, während er das Beobachtete gleichzeitig gestaltete.

Warum war das alles nur so?

Er erkannte irgendwann, dass es wenig nutzte, anderen nur die Schuld zuzuweisen und damit habe sich der Fall auch schon erledigt. Denn auf diese Weise war er bisher nur seinem „Ich“ auf den Leim gegangen, was sich weiterhin gegen seine Veränderung wehrte – verdrängte.

Das „Ich“ des Menschen wehrte sich beharrlich gegen seine eigene Veränderung und versteckte sich hinter dem Menschen, der im Glauben war, er sei sein „Ich“.

Im Fokus der Schuldzuweisung schien es, als erzeugten die Menschen gegenseitig jenen Schmerz, der jedoch nur aus dem Festhalten ihres„Ich“ an sich selbst erzeugt wurde.

Das „Ich“, die Person, die Persönlichkeit – des Menschen.

„Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“ Matthäus 6, 26

So kam unaufhaltsam jene Zeit der Offenbarung, der Infragestellung, der Selbsterkenntnis, wo der Mensch „Stein für Stein“ all jenes betrachtete, was er sich bis dato an geistigen Grundlagen geschaffen und sich auf diese Weise von seiner natürlichen Entwicklung abgewandt hatte.

Mit dem Erkennen, wie es nicht funktioniert hatte, offenbarten sich ihm jene Prinzipien, wie es funktionierte. In dem Moment lachte er – lachte über sich selbst.

Das ist schon lange her.

Zwischen dem was nicht funktioniert – woran sich der Mensch erinnert, wenn er blickt – und dem, wie es funktioniert, wenn er erkennt, findet auch heute noch der Entwicklungsprozess statt.

Einem Prozess aus Wahrnehmen und Gestalten, der mindestens zweier Zustände bedarf, um sowohl eine Veränderung erfassen und intuitiv den dritten Weg gehen zu können – vorausgesetzt, dass man vorhat sich entwickeln zu wollen – was der Mensch danach nie wieder vergaß.

Er ging sogar noch einen winzigen Schritt weiter – blickte in die Sterne – und hatte plötzlich das Gefühl, dass etwas versuchte, sich durch ihn selbst verstehen zu wollen.

Das Leben selbst.

Es dauerte nur einen winzigen Moment kleiner Unendlichkeiten, bis der Mensch erkannte, wie die Dinge miteinander verknüpft waren und dass er sich keine Sorgen mehr zu machen brauchte.

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