Von wahrem Gelogenem und gelogenem Wahrem

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(v1.1) Man muss „das Wahre“ immer wiederholen, hat Goethe mal gesagt, während der Kaufmann fest davon überzeugt ist, dass man „die Ware“ immer wieder holen muss.
Hier und da habe ich bereits darüber geschrieben, dass nur allzu leicht von „Wahrheit“ gesprochen wird, wenn man ein paar auserkorene Akteure bei ihren Unsäglichkeiten, Betrügereien und Märchenerzählungen „ertappt“ hat.

Ich weiß etwas, was Kinder nicht wissen.“ „Und das wäre?“ „Dass niemand Böses wahrhaft böse ist und niemand Gutes wahrhaft gut.“ „Loki“, Loki, 2021

Es ist keine Kunst, die Unflätigkeiten anderer in mehr oder weniger vorwurfsvoller und beschuldigender Art und Weise aufzuzeigen, um dann rasch von „Wahrheit“ zu sprechen, die ja jeder gerne für sich in Anspruch zu nehmen meint, es sich jedoch nur um „Wahres“ handelt, im Sinne der Logik von „wahr“ und „falsch“. Konzepte.
So etwas wie das reine Wahre und die reine Lüge gibt es nicht wirklich, da beide einander bedürfen.

„Wenn Falsches wahr ist, so kann auch Wahres falsch sein.“

Von „Wahrheit“ sprechen zu wollen führt jedoch nur zum üblichen Gezeter, während sich die sogenannte „Trutherszene“ damit weiter im Kreise dreht.

„It’s true, but not truth.“

Die einen gehen den Weg der Veränderung über gesammelte und vorgeworfene Unsäglichkeiten und dabei zunehmendem Druck, Hoffnung und selbst geschaffenem Leid, während sich nur ganz Wenige über den Prozess der Infragestellung des Systems weiter befreien. Die Richtung beider ist letztlich die gleiche. Es ist die Art und Weise, die beide voneinander unterscheidet und jeder dafür selbst verantwortlich ist.

Manche bleiben auch selbst entschlossen zurück, da es dieses Mal nicht ums übliche Haben, Verlieren oder Gewinnen geht. Manche kehren nach einem langen Weg, wieder ins Alte zurück, weil sie an einem bestimmten Punkt weiter an den Konventionen und Wertvorstellungen festhalten und letztlich scheitern.

„…or disappear into the potter’s ground.“ The Man comes Around, Johnny Cash

Auch wenn es schwer zu erfassen ist: Die ganze „Nummer“ ist vordringlich eine rein mentale Angelegenheit, die mit dem Verlassen der Komfortzone verbunden ist, wo man mehr und mehr die gesellschaftlichen Konventionen und Wertvorstellungen hinter sich lässt.
Es gibt keine wirkliche Veränderung ohne diese Schritte, denn geht es nicht einfach darum, nur „gerechte Vorgesetzte“ zu finden, die für das Volk ein wohlwollendes Herz haben, während es wieder fleißig seiner Selbstversklavung nachgeht und sich weiter auf Arbeiten, Geld verdienen und wieder ausgeben reduziert, während es dass zu kaufen meint, was ihresgleichen „produziert“ hat – nur weil man mit den anderen – anerzogen – nichts zu tun haben mag. Erkennen Sie den Dummsinn?

Es gibt kein Argument, um diesen Zustand länger aufrechtzuerhalten, es sei denn, um ihn konsequent infrage zu stellen.

„Wer meint, er hätte etwas zu verlieren, lebt in der irrigen Vorstellung, dass ihm etwas gehören würde – einschließlich der Vorstellung, ihm würde das Leben gehören. Es gehört auch keinem anderen. Kopfknast.“

Gewohnte Berichterstattung, wie sie in der Mehrheit stattfindet, beschäftigt sich mit der Wiedergabe (Nachrichten) von bereits Geschehenem und mitunter einer Analyse, im Rahmen gewohnter Systemdenke – keinen Moment mit der Absicht, den „gegebenen“ Rahmen überwinden zu wollen – besser zu können, da an diesem Punkt die Denk- und Verhaltensmuster und damit verbundene Beibehaltung der Konventionen und Wertvorstellungen, die als „alternativlos“ und deswegen „ernst“ erscheinende Existenz angekoppelt sei.

Nun haben Sie eine ungefähre Ahnung, was wirkliche Veränderung „kostet“.

Mit dieser Haltung wird das „Einzige“ mitunter verbissen gegen Veränderung verteidigt, was die Akteure in sich selbst Leid erzeugen lässt, während sie zwar Veränderung fordern, jedoch selbst nicht davon betroffen sein mögen.
Ein weiteres, typische Verhalten, ist die Vorstellung möglichst bequem von einer Komfortzone zur nächsten zu gelangen, um anschließend so weiterzumachen, wie bisher. Jene scheitern letztlich an sich selbst.

Eine weitere, fragwürdige Vorstellung, dass all jene Probleme, die aus der Existenz des Geldes heraus entstanden sind, mit selbigem lösen zu wollen, während die Hintergründe über die Entstehung von Geld unbetrachtet sind und mitunter bleiben (sollen).

Jener, der sich selbst auf Arbeiten, Geld verdienen und wieder ausgeben reduziert hat, wird hier nur mit Fragezeichen bepflastert, bspw.: „Kreisch“, war das einzige Argument zu einem inhaltlich ähnlichen Kommentar auf RT-Deutsch.

Geld“ entsteht nicht durch Arbeit, wie dies mitunter geglaubt wird, sondern gelangt im Akt der Dar-Lehensvergabe als Kredit in das System – plus nicht mitgeschaffenen Zinsen.
Es ist ein Irrglaube, man müsse ja nur „seinen Kredit“ zurückzahlen, während die nicht mitgeschaffenen Zinsen einen gesamtgesellschaftlichen Mangel erzeugen und dann alle „plötzlich“ fleißig sind. Dies funktioniert solange, wie die Teilnehmer der Gesellschaft a) untereinander gegeneinander arbeiten, b) Arbeit etwas wert sein soll und c) ebenfalls das mit Zahlen bedruckte Papier… wie auch die Zahlenreihen auf dem Konto. Wertvorstellungen.

Solange daran geglaubt wird, versklaven sich die Teilnehmer der Gesellschaft mental gegenseitig selbst, getragen von der anerzogenen Vorstellung, mit Materie oder künstlich geschaffenen Zahlen auf einem Konto, oder mit Eigentum und Besitz, die innere Leere damit befüllen zu wollen. So wird das natürlich nichts.
Was da wirkt, ist das anerzogene Gegeneinander, was die Gesellschaft mehrheitlich „zusammenarbeit“ lässt, während sich das „liebgewonnene Geriebene“ als eingetrockneter Fensterkitt der alten Ordnung entpuppt, wo der Sklave – äh – wo der Arbeitende seine Nachkommenschaft selbst zu einem fleißigen und gehorsamsbereiten Arbeiter dressiert.

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“ rechtsphilosophischer hinweis zu Art. 6 GG

An diesem Punkt mag ich darauf hinweisen, dass es nicht damit getan ist, sich nur als spielende, Energiedrink und Drogen konsumierende Spaßgesellschaft darzubieten, um weiter den wesentlichen Aufgaben aus dem Weg zu gehen, die über den Gedanken belohnter Arbeit, Hobby, Ficken, Party und Urlaub hinausgehen und es keine andere Zeit gibt als „Jetzt“, um sich umzuentscheiden.
Die Illusion, dass nachkommende Generationen schon die Probleme lösen werden, während man diese auf Entsprechung und Gehorsam erzieht, sollte langsam mal ausgeträumt sein, ebenso wie eine Politik, die der Meinung ist, es genüge nur genug Steuern zu erfinden, während ihr bereits lange die Rechtsgrundlagen dafür abhanden gekommen sind, und sie ihr Dasein am Glauben „ihrer“ blauäugigen Bürger zu begründen meint, die noch immer im glauben sind, es gäbe irgendwann „gerechte Vorgesetzte“ oder gar „gerechte Gesetze“.

An diesem Punkt ist auch erkennbar, dass jegliche Reichsambition reiner Unfug ist.

Etwas scheint im Hintergrund der Gedanken und des Verstandes stets Einfluss auf den Denker zu nehmen, während er dies nicht einmal erkennen kann oder mag.

Was immer wieder zu beobachten ist, dass sich über Geschehnisse mitunter in beklagender Weise ausgelassen wird, um damit dem selbstgeschaffenen Leid (für das man anderen die Schuld gibt) ein Ventil zu geben.
Kaum jemand denkt über dieses Verhalten nach, dass es im Kern stets nur zum Selben führt, während sich der oder die Betroffenen dabei im Kreise drehen, dabei von Wahrheit zu sprechen, während sie weitere Unsäglichkeiten feststellen.

Warum das alles so ist?

„Ihr Daseinszweck ist es nicht zu herrschen, sondern das Verursachen von Leid und Schmerz und Tod. So ist es gewesen, so ist es jetzt noch, und so wird es immer sein. Und alles nur, damit andere ihretwegen über sich hinauswachsen können.“ „Mobius M. Mobius“ zu „Loki“, Loki, 2021

Vor kurzem sprach ich mit jemandem, der von sich behauptete, er sei ein Betrüger und würde die Menschen betrügen, was zunächst als Widerspruch in sich selbst erscheint.

Anmerkung: Wobei er sich nur selbst betrügt und dies nicht weiß. Denn der „Betrüger“ ist auch nur eine Rolle, die sich an den gesellschaftlich fragwürdigen Konventionen zu orientieren versucht, während mit der Vorstellung, dass einem etwas oder jemand gehören würde.

„Kein Ding ist in der Lage, die innere Leere zu füllen, als das Leben selbst.“

Das Wahre ist noch lange nicht die Wahrheit. Diese spannt sich zwischen dem Wahren und dem Unwahren auf: dem Entwicklungsprozess des Lebens. Und um diesen zu erreichen, bedarf es der Überwindung der gewohnten Trennung aus „entweder…oder“ hinüber in ein „sowohl…als auch“, was beides auch noch gleichzeitig existiert.

„Epimenides der Kreter sagte: Alle Kreter sind Lügner.“ Das Paradoxon des Epimenides

Der Mensch, der sich für den „Kreter“ hält, bewegt sich in einem Paradoxon. Der Mensch, der erkennt, dass „der Kreter“ lediglich eine Rolle ist, die er spielt und wieder zu verlassen bereit ist, hingegen nicht.

Eine wahrliche Herausforderung, was an dieser Stelle die Überwindung bisheriger Denk- und Verhaltensmuster, Konventionen und Wertvorstellungen notwendig macht, was nicht damit „geregelt“ ist, dass die Dinge einfach nur die Dinge sind, sondern eine noch nicht sichtbare Überschrift die Gegensätze miteinander verbindet – „Kategorischer Imperativ“ oder Hegels „These-Antithese-Synthese“-Ding oder:

„Die Einheit der Gegensätze“

Und um es gleich zu sagen: Ohne diese Grundlagen kann man sich jegliches Traktieren und Mimen, im Sinne einer Veränderung und „Neuem“ getrost ersparen – gleich wie viel Unsäglichkeiten so mancher zu erkennen und auf „gerechte Vorgesetzte“ zu hoffen meint oder sich gar dafür hält.

Es hilft auch nicht, sich den eigenen Sachverhalt in der Weise schönreden zu wollen, dass man das „System (der alten Ordnung)“ nur für sich nutzbar machen müsse, wie dies mal jemand behauptet hat, der letztlich nur das Geld wollte.

„Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Aber ich fand, wir sollten uns versammeln und uns erinnern und ich fand das hier… ganz angemessen: Die Aufgabe des Menschen ist zu leben, nicht zu existieren. Ich verschwende meine Tage nicht mit dem Versuch, sie zu verlängern. Ich nutze meine Zeit.“ „M“, James Bond: Keine Zeit zu sterben, 2021

Das System verliert zunehmend die beiden Attribute „alternativlos“ und (deswegen) „ernst“, während seine Anhänger aus belohnten Untergebenen und belohnenden Erhabenen es weiter aufrechterhalten wollen. Stark vereinfacht ausgedrückt.

Der gewohnte Denker erkennt das, was er in sich trägt, was ihn mitunter an sein Um- und Weiterdenken und seinen längst vergessenen Entwicklungsprozess erinnert, dass er sich über die gewohnte Trennung erhebt – besser: diese nicht nur als einzige Realität akzeptiert, weil er mitunter nur zu bequem ist, den Kopf zu benutzen, weil er nicht dafür bezahlt wird oder weil er auf eine neue Komfortzone zu warten meint, während er sich mit der Veröffentlichung von Geschehenem und dessen Beklagen reichlich zu beschäftigen weiß.

„Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.“ Hannah Arendt

„Unwahres“ und „Wahres“ bedingen einander, wo durch den Prozess der Infragestellung (durch Invertierung) des einen, das jeweilige Gegenstück erkennbar wird, verbunden mit der Frage, welche Überschrift beides miteinander vereint, was übrigens über das gewohnte Sammeln und Wiedergeben von Informationen hinausgeht.

Musikalisches Begleitung: