Wenn jemand etwas „verkehrt“ sieht, bedeutet es nicht, dass es deswegen „falsch“ ist
(v1.1, Korrekturen) Es kam zu Vorfällen. Haben Sie schon mal eine Situation erlebt, in der Sie sich mit jemandem über ein Thema austauschen, während sich der Dialog immer hitziger gestaltet und Ihnen plötzlich in den Sinn kommt, dass Sie die ganze Zeit bereits einer Meinung sind und was das im Kern bedeutet?
In einem anderen Dialog fällt einem der beiden Dialogpartner plötzlich auf, dass er sich ziemlich „dumm“ vorkommen würde und in der Weise darüber aufregte, dass der andere daran schuld sei. auch das ist ein Hilfsmittel, sich selbst zu unterwerfen, um dem anderen dafür die Schuld zu geben.
Vor sehr langer Zeit war ich Teilnehmer einer fast wöchentlichen Diskussion, stets zum selben Thema und anfänglich „auch in Person“.
Da sich das regelmäßig abspielte, kam der Gedanke rein, das nächste Mal die Sichtweise des Gegenübers einzunehmen, um Frieden zu haben. Dennoch führte es zu einem Streitgespräch, während Meinung und Gegenmeinung im Grunde miteinander nur wechselten. Zwischendurch konnte ich sogar meine anfängliche Meinung vernehmen. Ich entschloss mich, das eingehender zu beobachten.
Das ganze Tamtam zog sich dann etwa über ein halbes Jahr hin, dass jener sich mit der Zeit seiner eigenen Meinung widersprach.
Am Ende bin ich dann zu jenem hin und habe ihm dargelegt, dass er sich über das letzte halbe Jahr in jenem Thema regelmäßig in seinen eigenen Meinungen widersprochen hatte. Er war ziemlich geschockt.
Gleichsam wurde deutlich, dass es ihm bei den ganzen Diskussionen gar nicht (mehr) um die Sache ging, sondern einfach nur noch darum, „dagegen sein“ zu wollen.
Wenn man sich gewohnt für die Rolle hält, die man in dem Moment unwissend darüber nur spielt und man in einem gemeinsamen Gegeneinander zusammentrifft, führt dies zu einer ziemlich heftigen Auseinandersetzung, einem gemeinsamen Gegeneinander.
Jemand nimmt dann etwas persönlich, wenn er sich für die Person hält, die für ihn in dem Moment kein Entkommen ermöglicht, um sich sachlich mit etwas auseinanderzusetzen, weil sich die Person als eine Art „mentale Gefängniszelle“ herausstellt und gegen Veränderung verteidigt.
„Es ist ein beachtlicher Unterschied, ob man eine Rolle nur spielt oder sich für die Rolle hält.“
Ich beziehe mich nochmals auf den letzten Beitrag, wo jemand ein existenzielles Problem aufzeigte, jedoch nicht wusste, wie er es angehen sollte. Wenn man nicht erkennt, dass es im Grunde die eigenen Denk- und Verhaltensweisen, Glaubenssätze, Konventionen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen sind, an denen er gleichzeitig festzuhalten meinte, er dies – anerzogen – nicht erkennen konnte – und darauf angesprochen – auch nicht mochte, sahen sich seine Denk- und Verhaltensweisen darin bedroht, so dass er „sich“ weiter verteidigte und sich gleichzeitig im Kreisverkehr selbst geschaffener Aussichtslosigkeit bewegte.
Da er sich für seine Denk- und Verhaltensweisen hielt und hält, kann man sich jegliche Einladung – trotz seiner geschilderten Situation – zu einer anderen Sichtweise getrost ersparen. In irgendeinem Film meinte jemand mal sinngemäß: „Hölle ist Wiederholung.“
„Wenn die Lösung das Problem ist.“ Paul Watzlawick
Der im Gegner erkannt-geglaubte Feind, ER würde einen von der Freiheit abhalten, ist lediglich eine Projektion, eine invertierte Haltung eben jener eigenen Denk- und Verhaltensweisen, die die eigene Unfreiheit selbst erzeugen, indem sie sich gegen Veränderung zu schützen versuchen, während der ersonnene Gegner jedoch daran schuld sein soll.
„Ein geglaubter möglicher Tod, ist hierbei lediglich von mentaler Natur.“
Hält man sich hierbei für die eigenen Denk- und Verhaltensweisen, so ist der Mensch von ihnen beherrscht und wählt – als Ausgang aus der bedrohlich-aussichtslosen (jedoch selbst geschaffenen) Situation – die in der Regel üblichen Methoden.
Wenn man sich mit den Mechanismen des Systems auseinandersetzt, so hat man es stets auch mit den eigenen Denk- und Verhaltensweisen zu tun.
Das Phänomen der Feindbildprojektion gehört ebenfalls dazu, den Feind, den man im auserkorenen Gegner zu erkennen meint, dieser seinen Ursprung jedoch in den eigenen Denk- und Verhaltensweisen findet, diese der „Feind“ selbst sind – die Verdrehung ist hier deutlich erkennbar… woraus sich auch die Kernaufgabe des Einzelnen für sich selbst ergibt.
An diesem Punkt lässt sich ebenfalls erkennen, dass Lernen eben nicht jener Akt ist, es einem in der Weise zu erklären, dass dieser es nicht nur versteht, sondern auch sofort anwenden kann.
Dann wäre man wieder bei der üblichen „Kennst du Vanilleeis-Frage“ angekommen, was im anderen zur üblichen Sichtweise führt, man würde ihn für „dumm“ halten. Vielleicht macht es für ihn Sinn, seine eigene Haltung tatsächlich mal zu überdenken.
„Erst müssen die anderen weg, und dann können wir „das Neue“ machen.“ „Und wann kommst du dann wieder?“
Es ist so die übliche Denke, man müsse erst als in der Rolle des Siegers hervorgehen, also gegen den auserkorenen „Feind“ „gewinnen“, während man durch diese, für das System typisch-mentale Haltung, das System weiter aufrechterhält, was sich in den gewohnten Denk- und Verhaltensweisen verbirgt – diese es erzeugen, gleichsam auch das irrtümlich für „alternativlos“ und deswegen auch irrtümlich für „ernst“ gehaltene Rollenspiel aus „Sieger“ und „Verlierer“.
Hat man sich der besagten eigenen Aufgabe angenommen, erscheint einem das Bisherige zunehmend mehr wie stattgefundene (Selbst)Ablenkungen, die in Form von Rückbetrachtungen im späteren Prozess hinterfragt und infrage gestellt oder von ihren Prinzipien her gewohnt wiederholt werden.
Geschehenes ist nur Geschehenes, während die Bedeutung des Geschehenen vom Menschen lediglich auferlegt wird.
„Ein Ding ist ein Ding, nicht was über das Ding gesagt wird.“ „Riggan Thomson“, Birdman, 2014
Was den Prozess der Infragestellung angeht, kommt mir gerade das Bild vom Rudern.
Bei konservativem Handeln gestaltet sich das umgekehrt: Man schaut nach vorne, um das Gestern weiter mit sich herum zu schleppen.
„Konservatismus ist, sich „auf Pump“ Erdnüsse zu holen, um sie für gestern aufheben („bewahren“) zu wollen.“ Auf diese Weise fordert er uns indirekt auf, über ihn nachzudenken.
Jemandem zu sagen, er sei „dumm“, ist für keinen hilfreich. Jemand würde es jedoch sofort verstehen.
Ebenso wenig, wenn sich jemand selbst dafür hält, um sich sogleich durch die eigene Aussage angegriffen zu fühlen. Jedoch erniedrigt er sich so nur selbst, um anschließend dem anderen dafür die Schuld zu geben, um so seine weitere Handlungsexistenz damit rechtfertigen zu wollen.
Was ist „dumm“? Sagt man jemandem, er sei „dumm“, so wird er sich ärgern, also emotional reagieren. Dabei fehlen ihm nur Informationen, was lediglich die sachliche Beschreibung dafür ist.