Spielplätze – oder: Virtualität und Realität

- Lesezeit: ca. 14 Minuten

(v1.2) Erst neulich fanden sich darüber einige Gedanken zu einem Beitrag zusammen und wenn man eine Weile den Fokus auf andere Sachverhalte oder Aufgaben richtet, so wird der Kopf wieder frei für den einen oder anderen weiteren Gedanken.

Es wird sich emsig um die Nachbildung der – nenne ich sie mal „Realität“ bemüht, schaut man sich den heutigen Stand der Computeranimation oder die KI an.
Es wird stets nur ein reduzierte Vorstellung von dem sein, was der Mensch im Prozess der Betrachtung der Wirklichkeit als Realität realisiert.

„Es ist nur Gas. Du wirst du nur schlafen.“ „Lee“, Utopia, 2013/14

Gern wird verallgemeinert darüber gesprochen, dass der Mensch für die Probleme in der Welt verantwortlich sei, was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass „er“ es nicht ist.
Vielmehr sind es seine, in der Gesellschaft als „normal“ deklarierten Denk- und Verhaltensmuster, die sich aus seiner Erziehung heraus über die Jahrtausende entwickelt haben und das System, was sich daraus über die Zeit „gefestigt“ hat.

„Die Leute müssen mehr Zeit in der Realität verbringen. Denn, wie Halliyday sagte: Die Realität ist das Einzige, was real ist.“ „Wade Watts“, Ready Player One, 2018

Aus der anerzogenen Gehorsamsbereitschaft heraus wird das System in Form der Hierarchie sichtbar und wird durch wohlwollend zugestandene Privilegien aufrechterhalten.

(Anmerkung: Es ist wenig sinnvoll, die Existenz einer vom Menschen geschaffenen, hierarchischen Ordnung damit begründen zu wollen, dass man im Tierreich ebenfalls welche zu erkennen meint. Das ist nur eine Ausrede, um die eigene Trägheit und den Verbleib in gewohnten Denk- und Verhaltensmustern rechtfertigen zu wollen.)

Der unsichtbare Teil davor geschieht durch Ermächtigung über die Entwicklung des neugeborenen, jungen Lebens und der damit verbundenen Erziehung in den Familien zur Gehorsamsbereitschaft, unter Anwendung der Methoden Belohnung (für Entsprechung) und Bestrafung (für nicht Entsprechung). Dabei wird das Vertrauen in sich selbst und somit auch in das Leben mehr oder minder „unterwandert“ und das Belohnungssystem (des anderen) sozusagen „gekapert“.

Dachten Sie wirklich, dass Serienkiller, Mörder, Vergewaltiger, Kinderschänder usw. bereits fest entschlossen auf die Welt kommen?

Neben den Verdrängungskonzepten entsteht dabei auch das „Feindbild“, um damit die Verdrängungskonzepte zu rechtfertigen.

Man gehorcht und gibt die Verantwortung für die eigene Entwicklung in fremde Hände, um weitere Schmerzen zu vermeiden, was natürlich auch nur eine Weile „Bestand hat“, da sich mitunter die Situation der „ersonnenen“ Autorität selbst verändert, wenn sie sich zwischendurch nicht einfach nur selbst widerspricht oder auch durch andere unterworfen ist – wodurch das Phänomen opportuner Willkür Einzug hält.

Das wiederum bedeutet, dass er ja nicht einfach nicht anders kann, sondern besteht die Aufgabe darin, dies alles zu hinterfragen, was in der Regel damit abgetan sei, dass sich erst einmal „die Anderen“ ändern sollen. Und dann wird gefordert, ge- und erwartet oder sich getrollt.

Wer beschäftigt sich damit? Kaum jemand.

Schnell noch irgendwo anstellen, wo das zum besten gegeben wird, was man gerne hört, natürlich nur von anerkannten Erzählern und in Form von Geschehenem, Abstrusem, Obskurem, „Okkultem“ oder Verspieltem“. Was auch immer. Hauptsache, die Masse hört hin, damit die Aufmerksamkeit und die „Beziehung“ zwischen beiden erhalten bleibt. Es sorgt dafür, dass beide beschäftigt sind. Frag’ uns doch!

„Der Hörer hört gerne seine Meinung von jenen, die er dazu auserkoren hat, sie ihm erzählen zu dürfen.“

Oder wie es in der Werbung von Nvidia mal recht nett hieß: „Tagsüber arbeiten, abends spielen.“

Ist es nicht besser sich zu fragen, warum man nur allzu gerne Unsäglichkeiten in die Nähe der eigenen Wahrnehmung lässt, während übersehen wird, dass die eigenen Denk- und Verhaltensmuster für diesen „Umstand“ zuständig sind und letztlich der Mensch für eben diese Denk- und Verhaltensmuster.
An dieser Stelle beginnt die eigentliche, die wesentliche Veränderung. Wo kann der Einzelne also etwas tun, wenn nicht bei sich selbst?

Am Ende lautet die eine Frage: „Will man wieder „Herr über sich“ selbst werden?“ und ist damit auch die wesentliche Frage, wenn es um die häufig geforderte „Souveränität“ (Selbstbestimmung) geht – eine Eigenschaft, die man keiner Fiktion (die irrtümlich für real gehalten wird) verleihen kann – es sei denn, man will sich noch weiter „zum Affen machen“.

Die akustisch aufgeblähten Akteure scheinen ja mittlerweile die Heimreise kleinlaut angetreten zu haben und das ist auch gut so.
Manchmal dringt die eine oder andere E-Mail noch durch, wo sich klassische Hetze an einem „Stelldichein“ versucht, um letztlich nur den selbst geschaffenen Frust per E-Mail verbreiten zu wollen.

Aus heutiger Sicht erscheint so manches Thema als (Selbst)Ablenkung von dieser Realität und der damit verbundenen Aufgabe, um das, was hinter der geschaffenen „Realität“ stattfindet, möglichst noch etwas erhalten zu wollen… nämlich das System, mit dem sich kaum auseinandergesetzt wird, also den Denk- und Verhaltensmustern und damit verbundenen Rollenspielen, die als alternativlos und deswegen für „ernst“ gehalten werden.

Vorgestern sah ich mir den (empfehlenswerten) Film „The Trail of the Chicago 7“ an, ein Film über die Festnahme von Aktivisten zu Zeiten des Vietnam-Krieges.

Der Film regt einmal mehr dazu an, über die grundsätzliche Form der Organisation eines – klassischen – „Staates“ vorzudenken, verbunden mit den künstlich geschaffenen Grundregeln, Titeln, Pöstchen sowie künstlichen Beziehungsbeschreibungen (Verträgen und Verfassungen) wie auch der belohnten Beschäftigung mit Symptomen des Systems, ursächlich hervorgehend unter anderem aus ein erheblichen Mangel an Vernunft und Gewissen usw. und damit einhergehender „ja deswegen notwendiger“ Fremdbestimmung – nicht zu vergessen die vielen fragwürdigen Konventionen und Wertvorstellungen. Vereinfacht ausgedrückt.

Die gewohnte Erziehung zur Gehorsamsbereitschaft führt aufgrund einhergehender und weitergeführter Fremdbestimmung zu einer Mangelentwicklung in Vernunft und Gewissen, was wiederum die weitere „Betreuung“ rechtfertigen soll, während der Verbleib im Mangelzustand mit wohlwollend zugestandenen Privilegien aufrechterhalten wird. Das ist der eigentliche, gesellschaftliche Vertrag, neben:

„Der Mensch macht sich durch die Verschiebung der Verantwortung selbst zum Sklaven und schafft sich so seine Herren, die ihm sagen, was er zu tun hat.“

„Herr über sich“ selbst zu werden, hat nichts damit zu tun, die anderen anschließend zu unterdrücken, sondern sich in seinen Denk- und Verhaltensmustern in der Weise zu entwickeln, dass man für die einstigen Häscher sozusagen uninteressant wird, was allerdings auch das Thema der bisherigen „Wertvorstellungen“ und damit verbundener Umgang einschließt.

„Ihr Daseinszweck ist es nicht zu herrschen, sondern das Verursachen von Leid und Schmerz und Tod. So ist es gewesen, so ist es jetzt noch, und so wird es immer sein. Und alles nur, damit andere ihretwegen über sich hinauswachsen können.“ „Mobius M. Mobius“ zu „Loki“, Loki, 2021

Wenn man realisiert, dass einem nichts gehört, ist dies auch der Moment, wo man nichts mehr verliert und so die Fremdbestimmung nicht mehr funktioniert, was übrigens auch über SHAEF Nr. 52 hinausgeht.

Einmal mehr darüber vorzudenken, was die Aktivierung von Selbstregelmechanismen (wie sie sich beim Menschen durch die Entwicklung hin zur Vernunft und Gewissen offenbaren) betrifft und sich dies fundamental auf die individuell-gesellschaftliche und in die Zukunft gerichtete Entwicklung (über die gewohnten Konventionen und Wertvorstellungen hinaus) auswirkt.

An alle, die in den „Anderen“ ein Problem zu erkennen meinen: Es ist nur eine Ausrede, andere vorzuhalten, die angeblich nicht dazu in der Lage sein sollen, um auf diese Wesie nur die eigene Trägheit rechtfertigen zu wollen.

Bei allem, was in so manchem Kopf kursiert: Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit können nicht eingefordert werden, da sie eine Eigenschaft des Menschen selbst sind, die man – im Prozess der eigenen Entwicklung in Vernunft und Gewissen selbst(!) vorzuleben beginnt und weder etwas mit Verfassungen, Gesetzen, Verträgen oder sonst etwas in dieser Richtung zu tun haben.
Es geht darum, eine dauerhafte, innere Haltung in sich selbst zu entwickeln, die man nicht auf ein Papier verbannt und später in irgendeiner Glasvitrine ausstellt und letztlich das System der alten Ordnung zu einer Erinnerung werden lässt.

Das Ziel ist, mit sich und dem vorhandenen System im Reinen zu sein, denn es zeigt lediglich, wie es nicht(!) funktioniert. Die Entscheidung zum Um- und Weiterdenken (der Weg) liegen also beim Einzelnen selbst.

Das wiederum setzt – unabdingbar – die Betrachtung der gewohnten, gesellschaftlich als „normal“ erachteten „Erziehungsmethoden“ und vermittelten Wertvorstellungen voraus.

Noch ist man mit der Aufrechterhaltung des Erreichten beschäftigt, da scheinbar keine Zeit fürs Nachdenken über die Fundamente eines Systems bleibt, wo es im Wesentlichen darum geht, die Oberhand über das Belohnungssystem eines anderen zu erlangen oder zu Füßen zu legen, um ihn/sich alsdann fremdbestimmen zu können/lassen.

Im Rahmen gewohnter Fremdbestimmung wirkt alles, was der eigenen Situation förderlich erscheint, zunächst „positiv“ und Abträgliches entsprechend „negativ“. Befördert wird dies durch die gewohnten, anerzogenen „Wertvorstellungen“, die damit getriggert werden.

Und weil es sich eben so „schön“ anfühlt, tut man sich natürlich schwer, etwas daran ändern zu wollen, zumal ja auch die eigene Existenz davon abhängt, der – klassisch gedacht – nur das „Nichts“ gegenüber stehen soll.
Diese Sichtweise wird durch das „entweder..oder“ befördert, wo die einzige „Option“ nur „Nein, keine Veränderung!“ heißen kann.
Und so finden sich die „Gläubigen“ im Kopfknast ihrer Denk- und Verhaltensmuster wieder.

„Ich mache mir auch so meine Gedanken. Ich besitze zwei Paar Schuhe. Eins für den Sommer und eins für den Winter. Zuviel Besitz tut dem Menschen nicht gut. Iss‘ meine Meinung. Dieser Drang, alles haben zu wollen, darunter auch Dinge, die kein Mensch besitzen sollte…“ „So wie Menschen?“ „Das ist ein Beispiel. Aber ebenso Orte oder irgendetwas, was wir uns gefügig machen wollen. Das ist ein Problem, oder? Das kann nicht das Ziel sein.“ „Sie halten den Kapitalismus für das Problem?“ „Nein, die Gier. Das Schema: „Alles oder nichts“. „Lou Solverson“ Fargo, Staffel 2, 2014

Dass so etwas wie „Eigentum“ oder „Besitz“ nur erdacht wurde, um die Masse in einer gefügigen Position zu halten, während diese sich mit „Freiheiten*“ und „Freizügigkeiten*“ recht schnell zufrieden gibt und dabei vollmundig von „Freiheit“ und „Gerechtigkeit“ zu sprechen meint, darüber wird geflissentlich nicht nachgedacht, denn man könnte ja Probleme bekommen. Also wird geschwiegen. Und das „Gehörte“? Das wird geflissentlich überhört oder übertönt, denn es könnte ja „störend“ wirken.

* Bedürfen einer Autorität, die sie wohlwollend gewährt.

Störungen und Störer sind also zu vermeiden – vor allem, wenn sie an den Werten und insgesamt den Vorstellungen zu zerren versuchen, an die man sich so schön gewöhnt hat.

Denn es wäre ja entsetzlich, wenn man sich die ganzen Jahre zuvor geirrt haben würde. Und wenn es doch mal komisch wird, dann gibt es jemand, der für „Ordnung sorgt“ und man ja immer noch den Publikumsjoker „für gemeinsames Klagen und Jammern“ wählen kann.

Reklame: Die in den Familien anerzogene und in der Gesellschaft als „normal“ erachtete Gehorsamsbereitschaft, ist der Nährboden für einen „gut funktionierenden“ Faschismus.

Nachtrag: Man versucht die Masse gegen sich selbst aufzubringen, indem man auf das Konzept „Mehrheit überwiegt Minderheit“ zurückgreift, während übersehen wird, dass Mehrheit nicht für „Richtigkeit“ steht, sondern lediglich für Mehrheit.

„Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen.“ „Abbas Hardin“, Foundation, 2021