Arlington Road

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(v1.0*) Kennen Sie diesen Film mit Jeff Bridges und Tim Robbins? Es geht um die Planung und Durchführung eines Bombenanschlags.
Der Film ist nicht nur sehr spannend, sondern wirft auch die Frage nach den gesellschaftlichen Werten auf, die in der Regel in der Familie vermittelt werden, so wie meist auch die Gehorsamsbereitschaft „vermittelt“ wird.

Einmal mehr lohnt es sich, die Werte eindringlicher zu betrachten und auch nach den Ursachen ihrer Existenz zu fragen und gegebenenfalls sogar in Frage zu stellen.

Denn die Nummer mit der alten Ordnung nimmt jedes mal aufs Neue ihren Anfang, wo der unbedarfte junge Mensch indoktriniert wird, um für den „Ernst des Lebens“ vorbereitet zu werden.
Die jeweils vorherige Generation gießt in der Regel ihre selbst unbetrachteten, gewohnten Denk- und Verhaltensweisen auf die nachkommende Generation, während sie dies mit mehr oder weniger Druck zu bewerkstelligen versucht. Einige Regeln lauten dabei:

  • „…damit du später mal etwas wirst“,
  • „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, machst du das, was ich will“,
  • „Wir wollen, dass ihr es mal besser habt, als wir…“ und meist unausgesprochen:
  •  „Ihr seid solange gut, solange uns das gefällt“,
  • „Das kannst du sowieso nicht…“,
  • „Dein Vater geht jeden Tag arbeiten, damit du was zu essen hast“ ,
  • „Was in der Familie besprochen wird, geht da draußen niemanden was an“,
  • „Die da draußen sind sowieso alle blöd und interessieren uns nicht“
  • &c.

Und wenn doch mal etwas passiert, was möglicherweise auf die Familie blicken ließe, heißt es plötzlich: „Was sollen die Leute nur von uns denken?“
Eindeutig ein Phänomen des gesellschaftlichen Gruppenzwangs mit Namen „Großer Bruder“.

Deshalb macht es mir nichts aus, als ich im Hessischen Rundfunk ohne schwarzen Balken gezeigt wurde. Allein deswegen, weil es auch ein Signal ist, den Weg der Infragestellung des Systems weiter zu verfolgen, während der klassische Denker meint, dies bestrafen zu müssen.

Man kann jedoch niemanden wirklich bestrafen, wenn dieser erkennt, dass er nicht mehr nach den gewohnten Denk- und Verhaltensweisen funktioniert – besser noch: Es wird erst gar nicht mehr versucht.

Dem geht voraus, dass man von Vorstellungen ablässt, selbst Macht über jemanden haben zu wollen, dem angeblichen Wert von mit Zahlen bedrucktem Papier und „Sichteinlagen“ auf dem Konto sowie von der Vorstellung, man habe Eigentum und Besitz usw., indem man all dies hinterfragt und von den üblichen Bedeutungen ablässt, diese sich damit sogar auflösen.

Recht schnell wird klar, dass es sich nur um anerzogene und gesellschaftlich geglaubte Vereinbarungen handelt (Konventionen), die bei genauerer Betrachtung nur Werkzeuge der Fremdbestimmung sind.

Dem wiederum geht voraus, dass die wesentliche Entwicklung des Menschen durch seine Bestrafung – im Rahmen gewohnter Fremdbestimmung – von natürlicher Neugier (geistige Entwicklung und Selbstbestimmung) in zu betreuende Gier und Fremdbestimmung) umgelenkt wurde.

Dem geht voraus, dass man seine eigenen Denk- und Verhaltensweisen mit Hilfe des sicht- und spürbar dargebotenen Schauspiels, das dahinter wirkende System in Frage stellt.

Die Vorgehensweise gleicht einem Jiu Jitsu, wo übliches Imponiergehabe und Drohgebärden und davon abgeleitete Haltungen fehl am Platze sind, einschließlich des gewohnt herrschenden Selbstbetrugs, der wiederum dazu führt, andere meinen Betrügen zu müssen, was letztlich nur reine Selbstverarschung ist.

„Es ist leicht, Leute zu belügen, die sich schon selbst belügen.“ „Mysterio“, Spider-Man – Far From Home, 2019

„Ich muss andere betrügen, weil die mich ja auch betrügen.“ ehemaliger Bekannter

Das Erkennen der Ursachen hat nichts zu tun mit der gewohnten „schnellen Behandlung“ der sicht- und spürbar wahrgenommen Unsäglichkeiten durch Symptombekämpfung und Streuaktionismus.

Das System schafft sich dadurch ab, indem seine strukturelle Komplexität nur weiter zunimmt, der Energieaufwand zur Erhaltung der Struktur dabei ansteigt und die Funktion, die die Struktur in der Regel zu erfüllen hat, dabei abnimmt, bis es in sich kollabiert. Das nennt sich Tod durch Insuffizienz.
Da hilft auch keine Neuverschuldung, weil Geld – wie gesagt nur mit Zahlen bedrucktes Papier ist und die fremdverwalteten „Sichteinlagen“ nur Zahlenkolonnen. An diesem Punkt erkennt man die Täuschung, in der sich die Teilnehmer der Gesellschaft bewegen, wenn sie meinen, sich oder andere dafür zu unterwerfen meinen.

„Sklaverei ist gesetzlich verboten, Selbstversklavung jedoch nicht.“

Und wer meint, nicht anders zu können, der entscheidet sich dazu, Teil von etwas sein zu wollen, was sich im Kern gegen ihn selbst und das Leben wendet.

Was jedoch zu trifft: wer nur Probleme erkennt und andere, die daran Schuld seien, zu klagen und sich zu beschweren weiß, ist Teil des Problems.
Ein wesentliches Signal, dies zu erkennen, um von dort in den eigenverantwortlichen Umdenkprozess zu gelangen, der in der Regel in der Kindheit, in der Familie und im Rahmen der Vorstellung der Entsprechung durch Fremdbestimmung gegen vordringlich materielle Ausrichtungen ausgetauscht wurde.

Projektion, ist dabei nur der anerzogenen Versuch, die eigenen Unzulänglichkeiten auf den anderen projizieren (im Außen) zu wollen, welche in der Regel die Selbstreflektion (im Inneren) überlagert.

Wichtig ist dabei, dass man in den Denkprozess gelangt, der wiederum nicht einfach etwas mit der gewohnten Anwendung von Verdrängungskonzepten zu tun hat.

Wie schaut’s aus?
Die Nummer mit der Fremdbestimmung geht von kleinen Einschränkungen, über Einschüchterung und Bedrohung bis zu Körperverletzungen usw.
Und da der Mensch nicht einfach aus Fleisch und Blut besteht, entwickeln sich entsprechende Verhaltensmuster der Schmerzvermeidung und er hat mehr oder weniger einen „Knacks“ weg.
Da es sich jedoch auch nur um Programmierungen handelt, die wiederum auch aufgelöst werden können – und zwar von ihm selbst.

„Wenn Du die Regeln änderst, die dich kontrollieren, dann änderst du auch die Regeln deiner eigenen Kontrolle.“ Revolver, 2005

Ein Grund mehr, sich mit den eigenen Denk- und Verhaltensweisen auseinanderzusetzen – vordringlich mit den Verdrängungskonzepten, die die eigenständige Entwicklung (durch eine „mentale Umhüllung“) zu verhindern versuchen.

„Mutti, ich gehe noch mal in die Stadt, einen kleinen Abstecher machen.“

Wer nicht über seine Verhaltensweisen reflektiert, bleibt so funktionierender Systemroboter, der über seine Denk- und Verhaltensweisen nicht nur steuerbar ist, sondern sich aus sich selbst heraus über die anerzogenen selbst regelt und diese sogar verteidigt. Mitunter geht das auch nach hinten los.

Oder dachten Sie wirklich, dass Mörder, Totschläger, Serienmörder, Kinderschänder, Folterer, Vergewaltiger usw., bereits „voll motiviert“ zur Welt kommen?

Versuchen sie erst gar keine Ausrede dafür finden zu wollen!

Es zeigt auch, dass Sie es in der Hand haben, ob sich da ein artiger und gehorsamsbereiter Untergebener entwickelt, der sich dem System der Gesellschaft anpasst oder sich ein Mensch entwickelt, der sich darüber hinaus auch in Vernunft und Gewissen entwickelt. Vereinfacht ausgedrückt.

Die Serie „Mindhunter“ gibt dazu einige Anstöße über die eigenen Denk- und Verhaltensweisen, um damit auch über das System, vorzudenken. Und wer meint, ja nicht anders zu können, unterstützt dadurch das ganze Tamtam, mit seiner damit bekundeten Opferhaltung.

„Wissen sie, warum sie in der Funktion als Polizeibediensteter existieren?“ „Nein.“ „Weil sie vorgeschickt werden, um die Auswirkungen gesellschaftlich tolerierter Unvernunft oberflächlich zu kaschieren.“ „Stimmt. Und ich gehe davon aus, dass dies noch eine Weile der Fall sein wird.“ Gespräch mit Selbigem in 2017

Mit diesem tatsächlich stattgefundenen Dialog, ist klar erkennbar, das kaum wirklich jemand daran interessiert ist, dass sich vom Grunde (von den Denk- und Verhaltensweisen und deren ursächlichen Existenz) her etwas verändert, weshalb die aktuelle Situation auch so sein muss, nachdem über die Jahre eine Menge Menschen auf ein notwendiges Umdenken hingewiesen haben.

Und um es gleich zu sagen: Es sind nicht die anderen, die sich erst mal ändern müssen, sondern man selbst. Und dieser Akt geht über die gewohnten Ambitionen, liebgewonnenen Gewohnheiten und Konventionen hinaus, einschließlich den Vorstellungen über Macht, Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut und der irrigen Vorstellung, dass einem etwas oder jemand gehören würde.

Anerzogener, voreilender Gehorsam macht Fremdbestimmung, also mehr oder weniger subtile Unterwerfung erst möglich. Die Werkzeuge sind dabei die Belohnung für Entsprechung und die Bestrafung für nicht entsprechendes Verhalten.

Während die Mehrheit in sich versucht Schmerzen zu vermeiden, also einer Bestrafung durch systemgerechtes Verhalten entgehen zu wollen, bewegt sie sich in einem „so tun, als ob“ bewegen, zwar Veränderungen fordern, während sie selbst nicht davon betroffen sein wollen.
Auf der einen Seite erzeugen sie auf diese Weise das Leid in sich selbst, auf der anderen besteht die Angst vor Bestrafung, wie dies in der Regel durch Einschränkungen und Entzug wohlwollend überlassener Privilegien der Fall ist.

Damit Unterwerfung funktioniert, braucht man dazu erst einmal eine Menge Menschen, denen man vom Wert des Geldes berichtet, von Eigentum und Besitz, Hab und Gut, und man sie in der Vorstellung belässt, dass einem etwas oder jemand gehören würde.

„Wer nimmt, dem sei genommen. Doch wer gibt, dem sei gegeben.“

Die gesellschaftlich gewohnten Denk- und Verhaltensweisen sind darauf bedacht, das Bühnenstück „Der lustige Sklave“ unbegrenzt weiterlaufen zu lassen, während die Auswirkungen von Generation zu Generation – weitervererbt – dramatischer werden.

Eingebläutes Misstrauen, besser: Im Mangel entwickeltes Selbstvertrauen (was durch Fremdliebe, Fremdvertrauen und Fremdbewertung zu den wesentlichen Abhängigkeiten gehört) führt dazu, dass die gewohnten Denker nicht nur weiter in diesem Moloch unterwegs sind, nein, sie verschärfen ihn mehr und mehr selbst.

Und da der feine Unterschied zwischen „Hinhören“ und „Gehorchen“ nicht erkannt wird, geht so alles seinen Gang. Diesem Sachstand kommt hinzu, dass der Irrglaube herrscht, man wisse bereits genug, und „Probleme“ haben ja stets die anderen oder die anderen sind an den eigenen Problemen schuld.

Am Ende bekommen die Teilnehmer der Gesellschaft nur, was sie im Kern aus ihrer selbst anerzogenen Opferhaltung und Handlungsmachtlosigkeit heraus für sich erarbeitet haben, während so mancher bei diesem Gedanken bereits wieder abwinkt.

In den Unternehmen wird auch nur das praktiziert, was auch gesellschaftlich als „normal“ erachtet wird, Gewinne werden gesteigert, während Kosten abgewälzt werden. Hinter den ganzen künstlichen Institutionen steht immer der Mensch und seine bisher von ihm unhinterfragten Denk- und Verhaltensweisen.

„Staat (ugs. bzw. nichtfachspr. auch Land) ist ein mehrdeutiger Begriff verschiedener Sozial- und Staatswissenschaften. Im weitesten Sinn bezeichnet er eine politische Ordnung, in der einer bestimmten Gruppe, Organisation oder Institution eine privilegierte Stellung zukommt – nach Ansicht einiger bei der Ausübung von (politischer) Macht; nach Ansicht anderer hinsichtlich sowohl der Entfaltung des Einzelnen als auch der Gesellschaft.“ Wikipedia

Wer fragt schon danach, was das System wirklich ist, wenn er damit beschäftigt ist, weiter anderen die Schuld für die eigene Lebenssituation zu geben oder hofft, dass andere ihm „die Kohlen aus dem Feuer holen“?

Sicher entstehen für den Leser Entscheidungen von fundamentaler Bedeutung, jedoch ist dies der einzige Weg, während ein vor sich Herschieben, die Situation nur weiter verschärft, es am Ende sowieso so kommt und die Hoffnung gerne zuletzt stirbt.

Warten, hoffen und sich sorgen helfen jedoch nicht wirklich weiter.

Die aktuelle Situation zeigt indessen nur das Ergebnis, eines kollektiven Wegschauens und Ignorierens.

Die individuell-gesellschaftlichen Entwicklung bleibt weiterhin im Hintergrund, wo es nicht ausreicht, nur die wahrgenommenen „Probleme“ (Symptome) verbal zu kritisieren.
Dies, um dem „großen Bruder“ (personifizierter Gruppenzwang) weiterhin zu entsprechen, um damit kollektiv die eigene Existenz – lediglich betitelt mit „Leben“ – weiter aufrechterhalten zu wollen.

Der Dialog mit dem Polizeibediensteten zeigt deutlich, das ihm in seiner Rolle nicht wirklich daran gelegen ist, weil er von den Teilnehmern der Gesellschaft (Institution) selbst erzeugten Phänomene, weiter zu profitieren versucht, um letztlich nur „seine“ Existenz und die „seiner“ Familie (Institution) weiter sichern zu wollen.

„Herr Berg…bevor wir anfangen…Herr Berg… muss ich erst mal was sagen… Wissen Sie… wir haben Familien, wir haben Häuser und wir haben Schulden, Herr Berg.“ anderer Polizeibediensteter, 2013

Der Dialog ging meinerseits übrigens noch weiter: „Wissen sie was? Sie machen ihre Show, und wir machen unser Ding.“

Das mit dem System ist letztlich ganz einfach, es erzeugt sich aus den als „normal“ deklarierten Denk- und Verhaltensweisen und kann nur durch seine Infragestellung und damit verbundenem Ablösungsprozess überwunden werden.

„Im Laufe der Jahrhunderte wurden den Sklaven immer mehr Rechte zugestanden. Nach dem Gesetz hat jeder Sklave das Recht auf ärztliche Versorgung und auf eine Altersrente aus der Staatskasse. Am Ende haben sie sich damit zufrieden gegeben.“
„Wirklich faszinierend. Sklaverei wird zu einer Art Institution, mit zugesicherter medizinischer Fürsorge und sogar Altersbezügen.“ Raumschiff Enterprise, 1968

Musikalische Untermalung: