Eine kurze Geschichte der Menschheit, Teil 2

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(v1.0*) Dass das Kino neben der Unterhaltung mehr und mehr zu einem Informationspool für gesellschaftliche Entwicklung wird, fällt all jenen nicht auf, die sich vordringlich durch den Aspekt der Unterhaltung ablenken lassen.

Christopher Nolan führt mit dem Film „Tenet“ beim Publikum den Begriff der „Invertierung“ ein. Ein sehr wichtiges Werkzeug, um die global gegebene Situation zu erfassen, schrittweise in Frage zu stellen und im Nachgang auch anders handeln zu können.

Der gewohnte Denker wird fragen: Wie soll das denn gehen? Das liegt daran, dass er den Film nur schaut, agierende Menschen sieht und dies auf seine materielle Umwelt anzuwenden versucht. Das funktioniert natürlich nicht. Genauso wenig, wenn man versucht, an den Personen in den Gleichnissen der Bibel festhalten zu wollen.

Wenn Jesus einst für „dreißig Silberlinge“ verraten und ans Kreuz genagelt wurde, bedeutet dies lediglich, dass der Mensch für mit Zahlen bedrucktes Papier die Entwicklung des Bewusstseins verkauft und sich letztlich nur selbst verraten hat.

„Sie werden hier fürs Arbeiten und nicht fürs Denken bezahlt, Herr Berg.“

Marias „unbefleckte Empfängnis“ ist dabei jener Akt, den jungen Menschen nicht zum gehorsamsbereiten Sklaven zu erziehen, sondern ihn in seiner Selbstbestimmung und damit verbundenen Vernunft und Gewissen zu fördern. Dies erfordert auch ein Loslassen von gewohnten Denk- und Verhaltensweisen der ihn begleitenden Generationen.

Das, was sich zur Welt bringt, gehört niemandem, sondern ist ein Geschenk des Lebens an sich selbst, in dem der Mensch untrennbar eingebettet ist. (Anmerkung: Nur ein Beispiel von Invertierung.)
Er kann diesen Sachverhalt lediglich verdrängen, wendet sich damit jedoch vom Leben ab und begibt sich in eine von ihm künstlich geschaffene Welt, die die meisten als „normal“ und „alternativlos“ anerkennen.

Nolan führt mit „Tenet“ beim Publikum auch den Begriff der „negativen Entropie“ ein. Es handelt sich hierbei um (in der Zeit) rückwärts ablaufende Prozesse, also von der Auswirkung hin zu Ursache. Optisch mag das zunächst recht nett erscheinen.
Doch lässt sich dies in der Realität ganz einfach erklären: Indem man sich bspw. auf die Suche nach der Ursache menschlichen Handelns und damit verbundener Auswirkungen macht, die für nahezu alles, was sich der Mensch komplizierter und komplizierter gestaltet, verantwortlich ist: nämlich seine Denk- und Verhaltensweisen.

Da er denkt, er sei sein „Ich“, trifft zunächst auch die Behauptung zu, dass der Mensch an allem „schuld“ sei, wobei „schuld“ im Kern nur für „verantwortlich“ steht. Der Mensch übersieht im Grunde nur die Fähigkeit, sich ändern zu können, weil er Denk- und Verhaltensweisen hat und nicht diese ist.

„Es ist ein beachtlicher Unterschied, ob man eine Rolle nur spielt, oder ob man die Rolle ist.“

Auf der anderen Seite habe ich Menschen kennen gelernt, die durch ihr Handeln komplizierte und überfrachtete Systemstrukturen wieder in einfache und lautlos fließend funktionierende Strukturen transformieren konnten.
Negative Entropie ist demnach nicht nur eine theoretische Angelegenheit, nur weil sie von einer Mehrheit nicht verstanden wird.

Bereits mit dem einfachen Akt des Aufräumens kann man ein System von einem Maß der Ordnung in ein anderes, gewogenes Maß der Ordnung überführen. Das etwas zwischendurch unordentlich wirkt, liegt an der inneren Ordnung, die sich durch Klärungsprozesse mehr und mehr ergibt und so mit der im Außen wahrgenommenen Ordnung durch Umgestaltung in Resonanz gehen möchte oder umgekehrt.

Dabei ist es von Bedeutung, sich mit dem eigenen Ordnungsempfinden auseinanderzusetzen, denn so schafft man sich selbst Klarheit, statt Überfrachtung und damit verbundenem Burn-Out.
Ein System, was sich durch Fremdbestimmung zum Ausdruck bringt, wird die strukturelle Überfrachtung durch die Untergebenen, zum Vorteil ihrer Betreuer.

Die Aussage, dass jene die Ordnung halten, nur zu faul zum Suchen seien, ist grober Unfug und nur eine Rechtfertigung, nicht an sich selbst arbeiten zu wollen.

Und für all jene, die der einfachen Meinung sind, man müsse nur die „ungerechten“ durch „gerechte Vorgesetzte“ austauschen:

„Es ist die Bombe, die nicht explodiert ist. Die Gefahr, von der niemand wusste, dass sie real war. Das ist die Bombe mit der wahren Macht, die Welt zu verändern.“ „Protagonist“, Tenet, 2020

Wenn Ihnen das gerade in Ihrem „Corona-Existenzangst-Trip“ nicht weiterhilft, kann ich das gut verstehen. Sie bewegen sich da noch im Modus der Verteidigung und Verdrängung des als „Unrecht“ erfahrenen. Ich kann Ihnen nur soviel mitgeben, auch wenn es Ihnen nicht gefällt, es sind nur Märchenstunden, an die sie zu glauben meinen.

Es geht nicht darum für oder gegen etwas zu sein, sondern sich für das Leben zu entscheiden, und „Existenzsicherung“ hat nichts mit dem Leben zu tun, sondern nur mit „Überleben“. Freiheit hat nichts mit Freiheiten, Freizügigkeiten oder gar finanzieller Freiheit zu tun. Letztere ist nichts anderes, als die Vorstellung, dass Arbeit freimachen soll.

Dem jungen Menschen zu erzählen, dass er erst einmal was werden soll, während er bereits ist, sorgt dafür, dass all jene nur auf der Suche im Außen nach sich selbst sind und so zu willigen Untergebenen der Manipulation und ihren Süchten werden.

Ich selbst habe in der Kindheit mir genug anhören müssen, dass ich dies oder jenes nicht können würde, Ideen und Kreativität Unfug seien und man dies oder das nicht bräuchte.

In 1994/95 bewarb ich mich bei einem Unternehmen, wo man mir die Frage stellte, wie ich dem Kunden ein Projekt präsentieren würde.
Als ich ihm von der Erstellung von 3D-Grafiken erzählte, die ich zu diesem Zeitpunkt zu hause bereits erstellte, meinte er nur, dass man Spinner nicht bräuchte.
Wie Sie sehen, hat mich das nicht davon abgehalten, dies alles niederzuschreiben, weil es so nicht weitergehen kann.

Solange Sie einen anderen fragen, was sie nun tun sollen, haben sie bisher nicht wirklich etwas für sich selbst getan, denn dann würden sie nicht mehr fragen, sondern sich über das freuen, was sie in sich selbst geschaffen haben und zu schaffen bereit sind, was Sie sich zutrauen und so mehr und mehr an Ihrer inneren Sicherheit, Selbstachtung und Selbstvertrauen wachsen.

Schrittweise Invertierung der vorhandenen Erscheinungen, Prinzipien und Regelwerke des Systems der alten Ordnung, ist dabei kein Akt bloßer Negierung und damit verbundenem, oberflächlichen Dagegensein oder nicht mehr mitmachen wollen, wenn am Ende doch nur das Geld haben müssen, um etwas zu sein, Ihr Handeln bestimmt. Denn auf diese Weise bestimmen Ihre Denk- und Verhaltensweisen – letztlich Ihr „Ich“ – weiter über Sie.

Die Frage ist nicht, ob man für oder gegen etwas ist und man sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden hat, es ist die Entscheidung für das Leben selbst und der damit verbundenen, selbst entschlossenen Entwicklung.

Wenn Sie darin nur schöne Worte zu erkennen meinen, und die Realität schließlich ja eine andere sei, ist dies nur Ihre Rechtfertigung dafür, selbst nichts tun zu müssen – im Kern, weil Sie sich selbst bereits aufgegeben haben.

Dabei hilft es nicht, sich nur möglichst laut zu gebären oder zu warten, was die anderen tun werden. Denn die warten auch nur auf die anderen.

Sie werden sich selbst nicht entwickeln, gleich wie viel Sie zu Hause oder auf dem Konto zu stapeln meinen und dabei noch den „großen Zampano“ mimen zu müssen.

Es gibt weder einen Führer noch einen Erlöser, die sind beide vom Prinzip her das Gleiche. Zwei arme Gestalten, die für alle „die Kohlen aus dem Feuer holen“ sollen, und wenn es nicht geklappt hat, werden sie aufs Rad geflochten.

Es gibt nur Sie und Ihre Entwicklung und diese nicht in der üblichen Form, noch mehr vom Selben anzusammeln.

Gleich wie Sie darüber denken mögen oder meinen zu wissen oder auch zu glauben: Es gehört Ihnen nichts, weder das Leben, etwas noch jemand oder gar jemand anderem. Man hat Ihnen allen nur eine Märchenstunde verkauft, wodurch Sie sich gegenseitig vom Leben abhalten.
Es ist egal, wie viel Geld Sie in Händen halten: Sie können sich keine Sekunde kaufen.

Das, was da vorgibt leben zu wollen, ist lediglich das kleine „Ich“, was sich eine Scheinwelt geschaffen hat, worin der Mensch nur ein funktionierendes Gefährt ist, der für ein paar „rote Linsen“ einst seinem „Ich“ den Vortritt ließ.

Das mit Zahlen Bedruckte ist dabei ein Werkzeug der Kontrolle des Geistes der Massen, die im irrigen Glauben unterwegs ist, es sei lediglich ein Tauschmittel.

Kontrolle sorgt dafür dass sich nichts über den beschränkten Horizont des „Ichs“ zu erheben hat, denn dann könnte man die ganze Märchenstunde erkennen, denen nicht wenige meinen, immer noch „auf den Leim gehen“ zu müssen.

Die Kontrolle der Massen durch Beobachtung funktioniert nur solange, wie der Beobachtete meint, etwas verbergen zu müssen. Sie funktioniert nicht mehr, wenn er authentisch lebt, also das „so tun, als ob“ hinter sich gelassen hat.
Das „so tun, als ob“ ist typisch für den Menschen der alten Ordnung, der sich hinter Masken, Tricks und Vorgegebenem zu verstecken versucht.

„Das Recht ist fragwürdig, die Macht ist unverkennbar und fraglos. So konnte man die Macht nicht mit dem Recht verleihen, weil die Macht dem Recht widersprach und behauptete, es sei ungerecht und sie wäre es, die das Recht sei. Und da man nicht machen konnte, daß das, was recht ist, mächtig sei, macht man das, was mächtig ist, zum Recht.“ (Blaise Pascal, 1623-1662, Fragment Nr. 298) Zitat aus „Der verborgene Pascal“ von Theophil Spoerri, Seite 132)