Unsäglichkeiten – oder: Rückwärts blickend, vorwärts gehend
(v1.2, Korrekturen) Hat sich so etwas wie eine Krise erst einmal eingestellt, reicht es nicht, sich nur auf Lösung beharrlicher „Probleme“ (Symptome) dem „Mehr Desselben an Gewohntem“ zu widmen, da dies nur zu Donquichotterien (Bekämpfung von Symptomen, Scheinwelten) führt.
Dieses Verhalten beruht im Grunde auf der Verdrängung systembedingter Ursachen, die nicht gewohnt damit erklärt sind, dass irgendjemand schuld daran bzw. verantwortlich dafür sein soll.
Im Kern ist es die gewohnte Denkweise, die sich durch Zunahme von Unordnung in geschaffenen Strukturen, durch Bekämpfung von Problemen (kaschieren sicht- und spürbarer Symptome) und deren „Lösung“ – meist an Ort und Stelle – zum Ausdruck bringt oder „große Probleme“ mit noch „größeren (Software)Lösungen“ sozusagen „behandelt“ werden.
Auf diese Weise verschiebt sich die Verwendung der daraus gewohnt erwarteten, bspw. „monetären Ergebnisse“ mehr und mehr hin zur Erhaltung der Strukturen.
Fortgeführte, übliche „Problemlösungen“ verschärfen damit die geschaffene Situation.
Hinter diesem Zustand bewegt sich das System in mentaler Form gewohnter Denk- und Verhaltensweisen, etablierten Glaubenssätzen, Konventionen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Durch schrittweise Infragestellung dieser, wird gleichzeitig auch das bestehende System infrage gestellt, was sich üblicherweise als unsichtbarer Schleier eine geschaffene Volkspersönlichkeit über seine es erzeugenden Teilnehmer legt.
„Ich übergebe mein Recht, mich selbst zu regieren, diesem Menschen oder dieser Gesellschaft unter der Bedingung, dass du ebenfalls dein Recht über dich ihm oder ihr abtretest.“ Auf diese Weise werden alle Einzelnen eine Person und heißen Staat – oder Gemeinwesen. So entsteht der große Leviathan oder, wenn man lieber will, der sterbliche Gott, dem wir unter dem ewigen Gott allein Frieden und Schutz zu verdanken haben.“ Thomas Hobbes’ „Leviathan“, 1651, PDF-Seite 143
Im Falle der eigenen Entscheidung zur schrittweisen Infragestellung, führen der darauf stattfindende Prozess immer mehr zu eigenen, veränderten Denk- und Verhaltensweisen, veränderten Strukturen, Bedeutungen usw., einschließlich der Erkenntnis, dass es sich insgesamt nur um ein Rollenspiel handelt, in dem man sich bisher bewegte, in der Vorstellung, es sei „alternativlos“ und „ernst“ gewesen, was wiederum mit der gewohnten Erziehung zu tun hat – in der Regel zu Gehorsamsbereitschaft, Entsprechung und im Haben.
Sicher ist, dass es beim Einzelnen stattfindet und sich nicht einfach um gießkannenartiges Verteilen von Informationen handelt, wo eben mal ein paar Wochenendseminare abgehalten werden und am Ende der Teilnehmer eine Urkunde erhält.
Im Grunde handelt es sich um eine Rückbesinnung, hin zu einer zunehmend eigenständigen Entwicklung, diese meist aberzogen in der Kindheit, wo stattdessen vorgegeben wurde, was „gut, richtig und vernünftig“ sei, um so auch den Vorstellungen der meist irrationalen Autoritäten und der „Gesellschaft“ zu entsprechen – Vorgaben, Vorschriften, Regeln, Konventionen &c.
„Du bist solange gut, solange mir das gefällt.“
Zwischendurch
Die Tage meinte ein Bekannter, dass er einige Bekannte von ihm auf den Blog geschickt hatte, die später meinten, das Geschriebene sei sehr schwer zu erfassen.
Das kann ich gut verstehen, wenn man sich bisher noch nie mit dem auseinandergesetzt hat, in dem sich seit einigen Jahrtausenden gesamtgesellschaftlich mental bewegt wird.
Ich bin da sozusagen hineingewachsen.
Was das Schreiben von Beiträgen an sich angeht, dienen die alltäglichen Medienvorkommnisse mitunter als Ausgangspunkt, um eine Brücke hin zur Betrachtung des Systems zu entwickeln, da dieses konstant im Hintergrund mitwirkt, während sich der Gewohnte mit den sicht- und spürbaren und wechselnden Erscheinungen, stattfindender und später präsentierter Ereignisse (des Tages) auseinandersetzt – diese hervorgehend(!) aus dem System.
Krieg bspw. beruht auf der gesellschaftlich etablierten, wohlwollend zugestandenen Vorstellung, etwas, jemand, „die Wahrheit“ oder das Leben würde einem gehören, was einem ein anderer (möglicherweise) streitig machen könnte, wovor die Oberherrschaften ihre Untertanen „schützen“ würden. Dazu bedarf es stets auch eines Feindbildes, um die geschaffene Vorstellung auch weiter aufrecht zu erhalten.
Das projizierte Feindbild dient dazu, die eigenen Denk- und Verhaltensweisen zu rechtfertigen, diese sind der Feind selbst.
Die Auseinandersetzung mit dem System ist ein Thema, womit sich kein Geld machen lässt, sondern es notwendig macht, sich gegensätzlich zu verhalten, indem man die Informationen so zu Verfügung stellt, was man erst später erkennt.
Je mehr man sich mit dem Wertesystem auseinandersetzt, erkennt man, dass die vom Menschen geschaffenen Werte insgesamt keinen Wert haben, sondern der Wert nur auferlegt ist, weshalb Geld bspw. am Ende nur mit Zahlen bedrucktes Papier ist.
„Ein Ding ist ein Ding, nicht was über das Ding gesagt wird.“ „Riggan Thomson“, Birdman, 2014
Es geht darum, das Bestehende, das Bisherige infrage zu stellen, was sich im Kern „Umdenken“ nennt, hat die Krise erst einmal um sich gegriffen.
Wenn erst einmal „die Anderen“ umdenken sollen, so findet man sich recht schnell in einem Topf wieder, da „die Anderen“ genauso denken. Deshalb schert man sich nicht, was die anderen meinen, sondern „macht sein Ding“.
„Du bist doch ein Egoist, du machst nur dein Ding.“ „Ja, dann mach’ doch mit.“ Stattgefundener Dialog
Der gewohnte Egoist, der „den Hals nicht vollkriegt“, wenn es ums Haben, übliche Wertvorstellungen und damit verbundener Mehrung, Sicherung und Verteidigung geht, wo es um seine gesellschaftliche Darstellung mehr wert zu sein geht, wird beneidet.
Derjenige, der sich jedoch durch Hinterfragung, Infragestellung, also Umdenken entwickelt, der hat gewöhnlich seine Ruhe. Im Grunde ist er auch nur ein „Egoist“. Der Erste kann alles verlieren, der Zweite nicht.
Wenn „die Anderen“ erst mal sollen?
Ein derartiges „Geknödel“ gegenseitiger Aufforderungen bringt nichts. Ich beachte dies nicht aus einem der beiden Lager üblicher Gegnerschaften, falls der eine oder andere meint, ich würde auf andere zeigen. Die Entscheidung zum Prozess der Infragestellung liegt stets beim Einzelnen selbst.
Wer sich gezwungen fühlt, sind dies lediglich Signale der eigenen Denk- und Verhaltensweisen, die sich weiter gegen Veränderung zur Wehr setzen, während sie mitunter gleichzeitig Veränderung fordern.
Zum Prozess der Infragestellung dient das vorhandene Verhalten, um daraus eigene Schlussfolgerungen zu entwickeln, die über gewohntes Denken und Handeln hinausgehen, einschließlich der Hinterfragung der Bedeutungen gesellschaftlicher Werte. Dabei werden selbst die gewohnten Haltungen „entweder…oder“, „alles oder nichts“, „dafür oder dagegen“, „Freund oder Feind“ &c. überwunden.
Was sich bspw. geschichtlich zugetragen hat, bleiben dabei auch die gewohnten Fragen ob „wahr oder falsch“, „Gewinner oder Verlierer“, „Gut oder Böse“ usw., als vernachlässigbar zurück.
Sie kennen möglicherweise den Ausdruck, dass die „Sieger“ die Geschichte schreiben. Das verliert auf der Ebene des Systems, im Akt dessen Betrachtung, Hinterfragung und Infragestellung erheblich an Bedeutung. Man kann sagen, es wird zu einer Art Erinnerung, wie „früher“ mal gedacht und bewertet wurde.
Für das eine oder andere Geschehen reicht es davon gehört zu haben, um eine einzige Frage zu stellen: Welche Denk- und Verhaltensweisen sind für solche Geschehnisse verantwortlich? Und nicht wie gewohnt: Wer ist oder sind die Schuldigen? Wer muss dafür bestraft werden? &c.
Der gewohnte Denker bewegt sich in der Regel zwischen den gewohnten Polaritäten und entscheidet sich später. Jedoch:
„Der Terrorist im fremden Land, ist der Held im eigenen.“
Legt man bspw. einem Palästinenser und einem Israeli dar, dass Konflikte in der Regel auf der anerzogen-etablierten Vorstellung beruhen, dass einem etwas, jemand, „die Wahrheit“ und das Leben gehören würden, auf das man ein Anrecht hätte, pflichteten beide jener Darlegung bei.
Da Dinge nur Dinge, Länder mit ihren künstlichen Grenzen und deren Staaten auch nur Erfindungen des Menschen sind, basierend auf seinen gewohnten Denk- und Verhaltensweisen, kann man sich genauso gut vorstellen, dass einem insgesamt nichts gehört und es sich nur um künstliche Vereinbarungen handelt, wenn sich Länder gegenseitig ihre Existenz bescheinigen.
Das erinnert mich gerade an eine Situation, wo sich mal einige gegenseitig zu Justiz-, Finanzministern und Reichskanzlern erhoben haben. Im Grunde lautet die Frage: Was ist „echt“?
„Nach unserem Gespräch ist mir klar geworden, dass mein Leben gar kein Leben war. Ich habe, glaube ich, irgendwann aufgehört nach etwas Echtem zu suchen.“ „Neo“ zu „Trinity/Tiffany“, Matrix Resurrections, 2021
Die Illusion, die sich der Mensch auf Basis seiner Denk- und Verhaltensweisen schuf, ist beachtlich, von der kollektiv mehrheitlich gedacht wird, sie sei „echt“ und so spricht man von „alles oder nichts“, um vorsorglich den Blick über den tabuisierten Tellerrand zu unterbinden, durch die eigenen Denk- und Verhaltensweisen selbst zu unterbinden.
Damit man sich insgesamt einig ist, wird die mentale Entwicklung des Menschen weiträumig ausgeblendet, weil das Erringen der vom Menschen geschaffenen Werte stets vorgeschoben wird, er jedoch gleichzeitig hier seine Grenze findet.
„Menschen verteidigen notwendigerweise ihr eigenes Ich. Wir nennen das: „ohne Grenzen“. Sie werden lügen, betrügen, stehlen, morden. Sie werden alles tun, was notwendig ist, um das aufrechtzuerhalten, was wir „die Grenzen des Ichs“ nennen.“ Andrew Samuels, Ph. D., Revolver, 2005
Stellt man das System Schritt für Schritt infrage, entfernt man sich mehr und mehr vom üblichen „Zeter und Mordio“ und gießkannenartiger Verteilung von Schuld.
Das bedeutet nicht, dass man dann gewohnt nur in der Vergangenheit nach Lösungen zu wühlen braucht, das entstandene Unsägliche so in die Länge zieht und auf diese Weise die Vergangenheit zu wiederholen versucht.
Allerdings bedeutet das nicht, dass nur die „Ungerechten“ weg müssen, um sie anschließend gegen „Gerechte“ auszutauschen.
Da die Entscheidung beim Einzelnen liegt, wird auch erkennbar, dass man niemanden zu überzeugen braucht. Jeder ist selbst gefragt, wenn es ums Umdenken geht.
Dinge und Sachverhalte sind nur das, was sie sind. Erst der Mensch gibt ihnen – auf Basis seiner anerzogen-entwickelten Denk- und Verhaltensweisen die entsprechenden Bedeutungen und Bewertungen. Durch Veränderung seiner Denk- und Verhaltensweisen verändert sich auch die Sicht auf die Dinge und Geschehnisse.
Die Gleichschaltung der Bevölkerung funktioniert über die gewohnte Erziehung in der Familie, weil es nicht anders gekannt wird, dass sich die Nachkommen möglichst unauffällig in die vorhandene Gesellschaft einpassen sollen, um gehorsamsbereit zu sein, zu entsprechen, im Haben erzogen, um die gesellschaftlich gewohnten Werte zu fokussieren.
Das Gegenstück ist eine Gesellschaft von Individualisten, wo es nichts bringt, im aktuellen Zustand weiter auf eine Art Gesamtlösung für alle zu hoffen.
Gleichsam bringt es nichts, Lösungen in den Raum zu werfen, die man nur zu kopieren, nur nachzumachen bräuchte. Tatsächlich würden zwei Systeme sichtbar einander begegnen, die über eine gegenseitige Infragestellung untrennbar miteinander verwoben sind.
Wie schautz aus?
Die Gesellschaft ist an einen Punkt gelangt, wo das Gewohnte offensichtlich zu keinen nennenswerten Ergebnissen mehr führt.
Gleichzeitig lässt sich das Tun der Politik auch in der Weise interpretieren, dass sich jene in der Rolle der „Bürger“ wieder ihres eigenen Denkens bemächtigen, statt bei nächster Gelegenheit wieder von einigen wenigen auserkorenen Akteuren denken zu lassen.
Die sich mehrenden Signale deuten auf etwas hin, was keinem so richtig schmeckt, jedoch im Sinne einer individuell-gesellschaftspolitischen Entwicklung notwendig erscheint.
Jemand der hat, der meint etwas sein Eigen zu nennen, ist über die Verlustangst fremdbestimmbar.
Offen gesagt, kommt er nicht um ein Umdenken herum, will er Konflikte vermeiden.
Noch wird lieber auf die Tränendrüse gedrückt, ein bisschen mehr Schuld verteilt, um anschließend die gewohnte Rolle des arbeitenden, Geld verdienenden und wieder ausgebenden Untergebenen zu mimen.
So mancher wird der Meinung sein, dass das Geschriebene auf dem Blog ja nur schöne Philosophie sei, schließlich ginge es ja ums Tuns. Die gewohnte Denkweise führt zu den gewohnten, beobachtbaren „Problemen“. Umdenken (Prozess der Infragestellung) führt zu einer anderen, einer zusätzlichen Denk- Sichtweise.
„Lex Parsimoniae.“
Nachtrag 1: Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Mensch und Person“ mündet in der Erkenntnis, dass die Person nur eine Rolle ist, die der Mensch spielt, für die er sich jedoch hält, sich auf diese Weise jedoch selbst täuscht. Die wesentliche Täuschung.
Nachtrag 2: Solange das System unbetrachtet bleibt, und sich der Mensch von den Phänomenen ablenken lässt, bleibt alles vom Prinzip her gleich.