Gelsenkirchen – Signal zum Umdenken?

(v1.1) Seit geraumer Zeit verfolge ich den Skandal um das Jugendamt Gelsenkirchen, welches sich in mannigfaltiger Zusammenarbeit mit Verbänden, Vereinen, eigens gegründeten Unternehmen sowie klerikalen Einrichtungen in einem Geschäftsmodell zusammengefunden hat.

Das Geschäftsmodell basiert auf Herausnahme und Betreuung von Kindern von Familien sowie Verlegung derer ins Ausland – des Näheren Ungarn. Die wirtschaftliche Not in den Familien ist hierbei ersichtlich und ein Parameter des Geschäftsmodells.
Auf Wikipedia ist das Geschäftsmodell mit seinen Kernakteuren eindringlich dokumentiert und die ARD-Sendung Monitor berichtete zum 04.05.2015 ausführlich darüber. Verbindet man diese Informationen mit dem Gelsenkirchener Geschäftsbericht aus 2012 (Seite 6), scheinen darüber hinaus weitere Akteure involviert zu sein.

Die wirtschaftliche Situation findet man im Haushaltsplanentwurf 2015 von Dr. Georg Lunemann auf Seite 2 beschrieben:

„Ein weiteres, nicht nur fiskalisch bedeutsames Kennzeichen der Situation Gelsenkirchens, ist die auf hohem Niveau stagnierende Arbeitslosigkeit. Wir kämpfen mit einer der bundesweit höchsten SGB-II-Quoten.

22,1%. Ein knappes Viertel. Jede vierte Familie in Gelsenkirchen bezieht Leistungen nach dem SGB II. Die Quote der Langzeitbezieher liegt bei über 70%. 40% aller Kinder, die in Gelsenkirchen geboren werden, wachsen im SGB-II-Bezug auf.

Allein die Kosten der Unterkunft steigen in der Planung für 2015 zum ersten Mal über die 100 Mio. € Marke.“

Dr. Lunemann verließ zum 1. April den Posten des Stadtkämmerers und ging zum LWL (Landesverband Westphalen-Lippe) und ist dort als Landesrat tätig.

Erkennbar, dass wirtschaftlich schwache Strukturen nachhaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft haben und mit schwinden der Geldmittel treten zunehmend die eigentlichen Macht- und Ohnmachtstrukturen zu Tage.

Aus Sicht des oben beschriebenen Geschäftsmodells existieren also weitere Geldmittel, die man den Betroffenen direkt und nicht nur als Brosamen zur Verfügung stellen sollte.
Darüber hinaus besteht die eigentliche Aufgabe, regionale Wirtschaftskreisläufe zu gestalten, in denen der Mensch sich mit seinem Erfahrungen, Wissen und Können wieder einbringen kann, die Kinder in die Familien unverzüglich zurückgeführt und die Menschen aus der Betreuung heraus entlassen werden. Stark vereinfacht ausgedrückt.

Dies mit Auswirkungen, wenn man sich dazu entschließt, aus der Problem- in die Lösungsorientierung zu gehen.

Ausnahmslos wirtschaftliche Wirksamkeit und das Einbringen der Wertschöpfungsfähigkeit des Einzelnen im Sinne seines Könnens für sich wie auch die Gemeinschaft, sind Garanten für ein friedliches Miteinander. Etwas, was durch Bevormundung und Oktroyieren von Zwangsmaßnahmen sowie willkürlichem Verfolgung von „Systemkritikern“ nicht erreicht werden kann.

„Die Gesellschaft gewährleistet durch arbeitsteilige Wertschöpfung ihre Lebensgrundlagen, bei sinnvollem Umgang mit den natürlichen Ressourcen.“

Wahrnehmbare Aktionismen, um bestehende Macht- und Befehlsstrukturen erhalten zu wollen, verpuffen zunehmend im stattfindenden Wandel – auf allen konventionell-politisch-gesellschaftlichen Ebenen (siehe: Zitate aus dem Handelsblatt Nr. 88 und Zitate, Teil 2).

Es bedarf somit des Umdenkens – auf allen Seiten – vordringlich in Richtung Schaffung wirksamer ökonomischer Strukturen.