Das System und eine menschliche Herausforderung

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(v1.1) Sonntag. Die Sonne scheint. Draußen hört man sie wieder trommeln und marschieren. Fasching.

Hm. Schon mal drüber nachgedacht, was in solch einem Satz so an Künstlichem verpackt ist, was als „ganz normal“ erachtet wird?

Aber worum geht es eigentlich? Könnte es vielleicht darum gehen, wie rationale Gedanken unsere Seele zerstören? Könnte es um den Triumph von Irrationalität gehen, um die Kraft, die darin steckt?

„Wir verbringen sehr viel Zeit damit, die Welt zu organisieren. Wir bauen Uhren, stellen Kalender her, versuchen das Wetter vorherzusagen. Aber welchen Teil unseres Lebens haben wir wirklich unter Kontrolle?“ „John Brennan“, The Next Three Days, 2011

Die Tage hatte ich vor, einen ausführlichen Beitrag über das Buch „Anti-Oculus: A Philosophie of Escape by Acid Horizon“ zu schreiben, mich später jedoch umentschieden.

Es hat, um es lesen zu können, etwas Zeit in Anspruch genommen, es aus dem Englischen mit Hilfe von Google ins Deutsche zu übersetzen und anschließend neu zu formatieren. Dennoch mag ich einige Zitate daraus einstreuen. Eines davon ist dies:

„Der letzte Moment der Kontrolle ist in Wirklichkeit der vorletzte Moment, bevor die Kontrolle endgültig verloren geht. Ab diesem Zeitpunkt müssen die Kräfte, die die Kontrolle wiedererlangen wollen, mit dem, was sie kontrollieren wollen, ringen, um sich erneut zu behaupten und durchzusetzen.“ Aus: „Anti-Oculus: A Philosophie of Escape“

Auch hatte ich – in Anlehnung eines Beitrages – darüber nachgedacht, die in mitunter in psychologischer Fachsprache formulierten Kapitel „in (für mich) besser verständliche“ umzuwandeln, da es zu Beginn, mittendrin und am Ende des Buches noch der Fall war. Da war mir der Aufwand zu viel – besser: Ich war dafür einfach zu bequem.

„Anti-Oculus“ weist auf die Mechanismen eines Staates hin, der sich überhaupt erst durch Entscheidung vieler, die Herrschaft über sich selbst, auf wenige zu übertragen – dieser sich letztlich zwischen und mit daraus entstandener Regierung und Bevölkerung aufspannt.

Das Buch weist zwischendurch auch auf den Wirkmechanismus „POLIZEI®“ hin, der bei „Demonstrationen und Aufständen aller Art &c.“ als „negative Rückkopplung“ auf eine aufgebrachte Masse zum Einsatz kommt, um die überhitzten Köpfe „abzukühlen“ – mitunter auch über strafrechtliche Grenzen hinaus.
„Kybernetik des Staates“. Kybernetik, die Wissenschaft vom Regeln, Steuern und Kommunikation.

Die negative Rückkopplung soll ein „Überkochen“, ähnlich wie in einem Prozess, wo es ums Wasser kochen geht, verhindert werden.

Das ist nur ein Thema, neben einem „pastoralen Paradoxon“ (theologische Kybernetik), was – vereinfacht – ausgedrückt lautet: „Du bist solange „gut“, wie mir das gefällt.“ Oder wie im „Original“:

„Das Schaf, das Anstoß erregt oder dessen Verderbnis die ganze Herde zu verderben droht, muss verlassen werden.“

Dieses Paradoxon ist der gewaltsame Kern der Pastoral. Soll die Herde gerettet werden, muss sie rein sein.

Angesichts der Verschiebung der Wiederkunft Christi, wird das Heil zur endlosen Verfeinerung der Verwaltung biopolitischer Objekte.“ Aus: „Anti-Oculus: A Philosophie of Escape“

Dazu fällt mir gerade ein Filmzitat ein: „Wenn du Menschen kontrollieren willst, erzählst du ihnen, ein Messias wird kommen, und dann warten sie Jahrhunderte lang.“ „Chani“ zu „Paul“, Dune 2, 2024

Hinweisend: Bei „Anti-Oculus“ handelt es sich nicht um ein Staats-, Religions- oder gar um ein Revoluzzer-Handbuch, es zeigt „lediglich“ die Wirkmechanismen auf eine Gesellschaft – sowohl von einer staatlichen wie auch kirchlichen Seite auf. Und erst danach lohnt sich darüber nachzudenken, was zu tun ist, jedoch nichts mit „gestern war alles besser“ zu tun hat.

Es handelt sich um jenen Akt, der noch vor dem Prozess der Infragestellung des Systems stattfindet, da es zunächst dem Verständnis über die Kernmechanismen bedarf, denen ich in meinen Beiträgen bereits durch Infragestellung vorgegriffen habe.

Nach wie vor bindet sich der Mensch durch/an seine gewohnten Denk- und Verhaltensweisen, Glaubenssätzen, den Konventionen und gesellschaftlich anerzogenen(!) Wertvorstellungen an das System, erzeugt es auf diese Weise auch, inkl. damit verbundener „Probleme“, die jedoch nur Symptome, Phänomene sind, die unter Zuhilfenahme der gewohnten Denkweise meist oberflächlich kaschiert werden, meist wo sie sicht- und spürbar in Erscheinung treten.

Am Ende des Buches steht der eingeweihte Leser dennoch vor seiner entscheidenden Entscheidung, die ihm niemand abnehmen kann.

„Séguin beschreibt das behinderte Kind als eines mit einer Seinsweise, die es „von der moralischen Welt entfernt“. Innerhalb der Norm liegt eine Behauptung über die eigene moralische Position in der Welt.
Eine gewaltsame moralische Verurteilung steht im Zentrum der Identifizierung von Abweichung in dieser neuen institutionellen Pädagogik.“ Aus: „Anti-Oculus: A Philosophie of Escape“

Es sagt auch, dass man sich durch Automatisierung nicht „herausautomatisieren“ kann, die nur zum Anschein ein leichtes Leben bietet, sich jedoch gleichzeitig als Totalität durchsetzen will, was man im Angesicht der entstandenen Situation nur allzu gern bestätigen mag, wenn man nicht gerade der „Hersteller/Anbieter“ ist.

Doch auch der hat mittlerweile Sorgen, wenn man das aktuelle Spektakel betrachtet.
Mir scheint, begann es – neben diesem – danke dafür – Corona-Faschismus – mit dem „3D-Druck“, wo eines Tages jemand auf Youtube fragte, wo denn auf einmal die 3D-Druck-Revolution geblieben sei.

Da war diese merkwürdig anmutende Entscheidung zu E-Automobilen, was sich jedoch mehr wie eine Fremdeinwirkung darstellte. Wo blieb der übliche Lobbyismus?
Auf einmal waren die Windräder infiziert, dazwischen eine obskure Bundestagswahl, wo koreanische Genies und selbst mit Problemen behaftete US-Amerikaner da lustig mit „hineinwurschtelten“, später gefolgt von aberwitziger Politik.

Aus heutiger Sicht erkennbar, dass darauf hingearbeitet wird, das sich eine Komfortsofa verwöhnte Bevölkerung wieder dauerhaft ihres eigenständigen Denkens bemächtigt, um eben nicht bei nächster Gelegenheit, wieder andere zu benennen, die es wieder für sie übernehmen soll.

„Begriffe wie „Selbstvertrauen“, „Zuversicht“, „Initiative“, „Unternehmungsgeist“, „Optimismus“ usw., spielen im linken und liberalen Vokabular eine geringe Rolle. Der Linke ist anti-individualistisch und pro-kollektivistisch eingestellt. Die Gesellschaft soll alle Probleme jedes Einzelnen lösen, jedermanns Bedürfnisse erfüllen, für jeden sorgen.“
„Die Industriegesellschaft und ihre Zukunft“, Ted Kaczynski, PDF: Punkt 16

Hinweisend: Gleichsam mit der Lebenserkenntnis ausgestattet, dass sich der „technologisch versierte Neandertaler“ zumindest einen beachtlichen Anteil seiner Zeit von seinen Spielzeugen abwendet, um an der eigenen, menschlichen Entwicklung wieder „Liebreiz“ zu finden.

Wassndalos?
Das Abwenden der Hardware-Branche vom klassischen Endkundenmarkt hin zu KI-Unternehmen erscheint bedenklich, jedoch nur, weil ich mich nach rund sechzehn Jahren vor ein paar Monaten dazu entschlossen habe, mir mal einen neuen Rechner zusammenzusparen und nun die Speicherpreise „durch die Decke gehen“.

In der Rolle eines Verschwörungstheoretikers würde ich nun behaupten, das Handeln angesagt ist, noch bevor im Internet verteilte Experten auf die Idee kommen, sich eigene KI-Systeme zu schaffen…

Vielleicht gibt es irgendwann etwas Günstiges auf Ebay mit mindestens 2,5 Peta(!)Flops Rechenleistung… Ha, ha…

Was die KI angeht, ist sie mit ihrem Erscheinen am Horizont einer technologisierten Zivilisation dennoch nicht als universelles Allheilmittel zu betrachten – nicht, wenn sie bspw. auf unzeitgemäße Organisationsstrukturen in Unternehmen trifft – hätte ich dies noch vor einigen Jahren (tatsächlich noch vor einigen Minuten) geschrieben.

Zitat von RT: »…indem man sie mit der Möglichkeit ausstattet, Fehler in einem System rückgängig zu machen.»
Der Mensch müsste über sich selbst hinauswachsen, um einer Technologie Eigenschaften zu verleihen, die er in sich selbst bis jetzt noch nicht erkannt hat, und wenn er diese Eigenschaften erkennt, wird er der Technologie nicht mehr die gewohnte Bedeutung einräumen, wie er dies bisher getan hat.“

Neandertaler im KI-Land?
Der „Chef“ von Microsoft hat vor einiger Zeit davor gewarnt, „dass wir mit KI etwas Nützliches machen müssen“. Mit „wir“ meint er seine Kollegen aus der Hightech-Branche.
Der Begriff „KI-Blase“ findet bereits seit kurzem Eingang. Erst neulich bescheinigte man „OpenAI“ Mitte des Jahres Pleite zu sein. Wohl hat sich jemand ihrer erbarmt. Wie instabil diese Branche demnach zu sein scheint.

Auf der anderen Seite ist eine KI auch nur so gut, wie die Denkweise ihrer „Erschaffer“.

„Guten Morgen, Dave.“

„Seit Anbeginn der Menschheit, streben wir nach Dingen, die außerhalb unserer Fähigkeiten liegen. Wir haben die Vögel beobachtet und Flugzeuge gebaut, um zu fliegen. Wir haben den Mond beobachtet und Raketen gebaut, um ihn zu erreichen. Im Verlauf der Geschichte, haben wir unsere eigene Evolution überholt – durch Technologie.“ Immer noch unbekannt

Die vom Menschen geschaffenen Strukturen und damit in Erscheinung tretenden „Probleme“, kann der Mensch nur selbst lösen, was nicht mit Einziehen einer Zwischendecke namens „KI“ getan ist, der man dann nur die „richtigen“ Informationen zu geben braucht, wenn die Wahrnehmung und die Denkweise des „Eingebers“ von Gewohnheiten „durchzogen“ ist.

Hinweisend: „Ein Möbelhändlerunternehmen verlud vor Neuorientierung 480m³ Möbel in 12 Lkw in zwei Schichten, bei einer rot-schwarzen Null in der Betriebswirtschaft. Nach erfolgter Neuorientierung verlud das Unternehmen 1.420m³ in 18 Lkw in einer Schicht. Der Gesamtprozessablauf wurde um ein auf die veränderten Prozessstrukturen angepasst-geschaffenes ERP-System ergänzt.“

„Ein Unternehmen ist ein offenes, dynamisch vernetztes Beziehungsmuster aus wechselseitigen Abhängigkeiten, kybernetischen, symbiotischen, synergetischen und kausalen Wirkmechanismen.“ K. H. Schubäus

Ich mache keine Werbung für ganzheitliche Neuorientierungen ökonomischer Systeme, da irgendwann die Frage aufkam, warum solch funktionierende Strukturen trotzdem im ökonomischen Alltag verschwanden, bis mir dieser eine unauffällige Begriff „Denk- und Verhaltensmuster“ aus den Texten von Schubäus ins Auge fiel und sich auf diese Weise der Zugang zum System dahinter eröffnete und da auch verstand, warum sie verschwunden waren. Daran erinnernd.

Wenn ich von „früher“ schreibe, geht es nicht einfach um nostalgisches Schwelgen in der Vergangenheit.
Es geht nach wie vor um die Denkweise des Menschen, deren eine zu immer mehr Komplexität, während das Gegenstück zu einer Vereinfachung dieser führt.

Das System wird nicht einfach von „Anderen“ geschaffen, in dem sich so mancher möglicherweise unterjocht vorkommt.
Die Unterjochung beginnt bereits bei den eigenen Denk- und Verhaltensweisen, Glaubenssätzen, Konventionen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen, aus dem sich der im Haben erzogene Mensch, solange er sich für die Person, also die Rolle hält, nicht befreien kann.

Reklame: Das ist der Kern des Gleichnisses von Esau und Jakob – speziell vom Esau-Segen.

Ob – nebenbei darauf hinweisend – die Leute für oder gegen „Israel“ sein mögen, leitet sich der Name von „Gottesstreiter“ ab: der mit Gott stritt.

Israel“ ist der Name, dem man Jakob einst gab, nachdem dieser sich mit „Gott“ (also dem Leben) gestritten hatte, Jakob (hebräisch für „Fersenhalter“), dem „Bruder“ von Esau.

Esau, der Mensch, während „Jakob“ sein „Ich“ symbolisiert und sich durch den Erhalt des „Erstgeborenenrechts“ den Vorrang vor dem Menschen erschlich. Der Mensch hat nach wie vor die Aufgabe, sich über seine gewohnten Denk- und Verhaltensweisen hinaus zu entwickeln.

Der Esau-Segen weist im Grunde darauf hin, dass der Mensch sich vom Joch seiner gewohnten, eigenen Denk- und Verhaltensweisen zu befreien hat, die über ihn herrschen.

„Auf erschreckende Weise ist klar geworden, dass unsere Technologie unsere Menschlichkeit überholt hat.“ „Albert Einstein.“ „Ja, ich seh‘ dich an und denke, ich denke, dass irgendwann unsere Menschlichkeit vielleicht nicht mehr übertroffen wird von der Technologie.“ Dialog „Donald Ripley und Jeremy „Powder“ Reed“, Powder, 1996

So nebenbei. In der Regel gebe ich niemandem Bescheid, wenn ich an einem neuen Beitrag arbeite, sich jedoch Hinweise in Form von Gedankenfragmenten mitunter „wie passende Puzzleteile“ hinzugesellen. Bspw. ein Zitat vom Autor von „Dune – Der Wüstenplanet“, Frank Herbert:

„Einst überließen die Menschen ihr Denken den Maschinen in der Hoffnung, dass dies sie befreien würde. Aber das ermöglichte es nur anderen Menschen mit Maschinen, sie zu versklaven.“

Was die KI angeht: Ob sich darüber hinaus mit menschlichem Wissen nochmals Geld verdienen lässt, bleibt fraglich, erscheint die KI im Dialog wie ein „angenehmer Spiegel“, was einem meist mit Angst vor Veränderung behafteten Mensch-Mensch-Dialog entgegensteht.

Des Öfteren habe ich bereits beschrieben, dass sich die in der Gesellschaft gewohnt herrschenden Denkweise durch eine Zunahme der Komplexität in ihren geschaffenen Strukturen zum Ausdruck bringt, indem Probleme, die nur Symptome sind, dort „behandelt“ (kaschiert, bekämpft) werden, wo sie sicht- und spürbar in Erscheinung treten, während die Ursachen weiterhin unbetrachtet bleiben und es mitunter leichter erscheint, ein paar Schuldige zu benennen oder mit komplexem Software-Gigantismen den „gesellschaftlichen Problemen“ entgegenwirken zu wollen.

Dabei darf nicht vergessen werden, wenn es doch darum geht, ökologisch zu handeln, was bringt es dann, wenn der Energieverbrauch für KI-Services über den Nutzen liegt.
Ein sich aufzehrendes Geschäft?

„Ein Problem mag dank seiner vielen Symptome übermächtig erscheinen, verbunden mit der (Wunsch)Vorstellung, es mit einer noch größeren Lösung „erschlagen“ zu wollen, ist die Regulierung der Ursachen jedoch von einfacher Natur, was voraussetzt, sie werden erkannt oder wollen vom Betrachter erkannt werden. Schuldzuweisungen hierbei natürlich ausgeschlossen.“

„Die richtige Information im richtigen Moment, ist tödlicher, als jede Waffe.“ „Martin Connels“, Westworld 3. Staffel, Episode 4

Hinweis aus Anti-Oculus: Es nutzt nichts, sich nur ein Che-Guevara-T-Shirt zu kaufen, um später damit auf der Straße herumzulaufen.

Musikalische Nachbetrachtung: