Vom spannenden Exodus

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(v1.0) Reporter live über Muhammad Ali: „Da berührte er ihre Augen und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben!“

Ein Unternehmen zu verlassen, weil man die Arbeitsbedingungen, die typischen Machtspielchen, die Willkür der Vorgesetzten, das übliche Kompetenzgerangel mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann, ist im Kern einfach. Es bedarf „lediglich“ des Willens und der Entscheidung.

Man bewirbt sich bei einem anderen oder „drückt noch mal schnell die Schulbank“ und schiebt nach einer längeren Ausbildung eine Weiterbildung und einen Titel hinterher. Und wenn gar nichts klappt, holt man sich einen „H4-Gutschein“ oder fährt Lkw („Ha, ha“).

Schwieriger erscheint es, wenn man mit den gewohnten Statussymbolen (Haus, Auto, Familie usw.) „verbandelt“ ist und sich im Modus gesellschaftlicher Entsprechung und liebgewonnener Angewohnheiten bewegt.
Wer meint erst mal zu haben, wird an Hab und Gut festzuhalten gedenken. (Anmerkung: Häufig ist das ganze Tamtam begleitet von Wunschvorstellungen, während mit Hilfe der „gekünstlerten“ Außendarstellung in innere Realität überzeichnet wird. Das hat man davon, wenn man künstlichen Vorstellungen hinterherzulaufen meint, in der Annahme, es sei ja schon immer so gewesen und „normal“.)

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot.“ Werbung der Sparkassen, 1995

In der Regel spielt sich das tägliche Leben zwischen Unternehmen, Bank, Kaufmannsladen und zu Hause ab und gelegentlich geht es in die Lieblingsgaststätte mit seinen Lieblingsfreunden.
Urlaub braucht man ja auch, wenn einem die Arbeit und das ganze Tamtam zu Kopf gestiegen ist, was in der Regel auf mangelnde Organisationsfähigkeit und auf das gewohnte „mehr des Selben“ (im Hamsterrad) zurückzuführen ist – ebenso, wenn man im selbst gemachten Durcheinander zu ersticken droht.

Wer ahnt schon, dass die Zinsen von einem Dar-Lehen, was irgendein anderer „für sich“ aufgenommen hat dazu führt, dass man selbst auch mitstrampeln muss?

Und all das nur, weil man in der Vorstellung lebt, dass einem etwas oder jemand gehören würde oder sollte – möglichst auf Dauer. Und was man das ganze Leben gesammelt hat, soll dann noch an die Nachkommenschaft vererbt werden – letztlich ist es nur das Etikette „Sklave“ und damit verbundene Pfründe, was vererbt wird. Denn nur wer etwas sein Eigen nennt, dem kann es auch genommen werden.

„Eigentum verpflichtet… zu Gehorsam.“

Was die Organisationsfähigkeit angeht, ist sie dazu gedacht Ordnung und Übersichtlichkeit zu schaffen, wirkt so Wunder und schafft (geistige) Freiräume – jedoch nicht im Rahmen gewohnter Vorgehensweisen.
Das gewohnte „Ich“ hingegen behauptet, dass es das Chaos ja beherrschen würde – was es selbst geschaffen hat.

Der durch Ordnung entstehende Freiraum ist für die eigene Entwicklung gedacht und nicht dazu, noch mehr zu arbeiten, um noch mehr haben zu wollen. Deutlich erkennbar, dass die Entwicklung des Seins in die Entwicklung des Habens umgelenkt wurde.

Um andere Völker bspw. für sich arbeiten zu lassen, inszeniert man einen Krieg, kauft sich vorher den „Führer“, um nach einer Kapitulation die gehorsamsbereite Bevölkerung gleich mit „unter Dauervertrag“ zu nehmen.
Vor allem dann, wenn sich herausstellt, wie leistungsfähig diese Bevölkerung ist.
Das ist allenfalls noch besser, als den ersonnenen „Feind“ zu vernichten. Es wäre ja auch schade um das schöne Potential!
Dann belädt man die Bevölkerung mit einer Erbschuld und lässt sie diese abarbeiten – am besten für immer. Tja… das hat jedoch nicht so ganz geklappt.

Oder wie der Richter zu einem Bekannten vor kurzem sinngemäß sagte: „Die Staatsschulden sind ja nur virtuell.“

Zwar unterwerfen sich die Menschen am Anfang unter Zwang und mit Gewalt; aber diejenigen, die nach ihnen kommen, gehorchen ohne Bedauern und tun bereitwillig, was ihre Vorgänger getan haben, weil sie es mussten.
Deshalb sind Männer, die unter dem Joch geboren und dann in der Sklaverei genährt und aufgezogen wurden, damit zufrieden, ohne weitere Anstrengung in ihren ursprünglichen Umständen zu leben, ohne sich eines anderen Zustandes oder Rechts bewusst zu sein und den Zustand, in den sie geboren wurden, als ganz natürlich anzusehen.
… der mächtige Einfluss der Sitte ist in keiner Hinsicht zwingender als in dieser, nämlich der Gewöhnung an die Unterwerfung.“ Étienne de La Boétie, 1530-1563

Die Thematik, warum solch eine „Nummer“ recht lange funktioniert, liegt in der Tat daran, dass die meisten es nicht anders kennen, da es für sie gewohnt und „normal“ erscheint und sie unter ihresgleichen an Werte zu glauben meinen, durch die sie erst fremd bestimmbar werden.

Mir ging das früher auch so und ich war wirklich bemüht, ein – für das System – fleißiger Mensch zu sein. Ich denke da gerade an die Optimierung eines Arbeitsvorgangs von 2 Tage auf 2,5 Stunden, vor vielen Jahren und was darauf geschah. Im Grunde wollen alle nur ihre Ruhe haben. Tja, die gibt es wohl nur auf dem Friedhof.

Das System der alten Ordnung ist dazu gedacht, dass sich der Mensch wieder auf den Weg seiner Entwicklung macht und das Geistige ins Tägliche bringt.

Was sich dabei als „Widerstand“ zeigt, sind lediglich die eigenen Denk- und Verhaltensmuster, die sich gegen Veränderungen zur Wehr setzen, was sich im Außen wiederum durch auftauchende „Gegnerschaften“, „Feinde“ und „Widersacher“ zum Ausdruck bringt. Das ist aber auch schon alles. Falsch.

Die Nummer ist noch besser, wenn die ersonnenen „Gegner“ wissen, wie die Masse tickt und mit viel Pomp und Tamtam nur so getan wird, als ob sie die „Bösen“ sind. Warum?
Weil sie immer wieder auf die Luftigkeit ihres Tuns aufmerksam machen und in einem kurzen Moment das Wahre von sich geben.

„Ihr Daseinszweck ist es nicht zu herrschen, sondern das Verursachen von Leid und Schmerz und Tod. So ist es gewesen, so ist es jetzt noch, und so wird es immer sein. Und alles nur, damit andere ihretwegen über sich hinauswachsen können.“ „Mobius M. Mobius“ zu „Loki“, Loki, 2021

Wenn man erkennt, dass die anderen dazu gedacht sind, einen dazu anzuleiten, doch mal wieder den eigenen Kopf anzustrengen, wird auch schnell klar, dass die übliche Ausgrenzung und Stigmatisierung von Entwicklung und Intelligenz – im Rahmen gewohnter Entsprechung – vermehrt in den unteren und mittleren Rängen der gesellschaftlichen Hierarchie stattfindet, wo gearbeitet oder auf die Arbeiter aufgepasst wird.

„…und die Sklaven haben sich bewaffnet.“ „Ich kann das nicht leiden, dieses Wort… das ‚S-Wort‘,… das ‚S-Wort‘.“ „Verzeihung. Die gefangenen Arbeiter haben sich bewaffnet.“ „Okay, das ist besser. Das ist viel besser.“ Dialog aus Thor: Ragnarök, 2017

Der einzige Überlebenskampf von dem hier und da ab und zu gesprochen wird, wäre demnach der gegen Seinesgleichen. Das Streben nach Statussymbolen, Anerkennung, Belohnung usw., was sich umgangssprachlich Karriere nennt und die Beseitigung möglicher Konkurrenten.

Jeder hat eine Aufgabe, wobei man wirklich zwischen Job (Man macht was, damit man „Flocken“ hat), Beruf (Man macht das, was einem Freude bereitet und man damit sein „tägliches Brot nebenbei verdient“) und Berufung (Man macht das, was das Leben als Aufgabe für einen vorgesehen hat.) unterscheiden kann.

„Corona“ ist dazu gedacht, dem Gehorsamen, der im Irrglauben lebt, ihm gehöre „sein Leben“, was er somit auch verlieren könnte, seine Gehorsamsbereitschaft und seine Unterwürfigkeit vor Augen zu führen. Das Spiel kann man mit der Masse beliebig treiben, da diese es ja nicht anders kennt.

Es funktioniert auch nur deswegen, weil man sich gesellschaftlich voneinander abgewandt und den Blick a) auf die gerechten Vorgesetzten“ und/oder b) auf die vermeintlichen Unterdrücker wirft, die mit reichlich Possen die einfache Bevölkerung „bei der Stange halten“ können. Denn wer nicht hört, gefährdet die ihm wohlwollend zugestandenen Privilegien und „Grundrechte“.

Wer mag schon wissen wollen, dass es sich lediglich um ein Rollenspiel handelt, an das sich in der Regel aus Angst und Verzweiflung festgekrallt wird und sogar das „eigene Fleisch und Blut“ stigmatisiert und ausgegrenzt wird, nur damit die eigene Illusion in der alten Nummer noch etwas weitergehen kann?

Wer mag schon wissen wollen, dass er unter seinen gewohnten Bedingungen und Haltungen ein winziger Teil eines Verbrechens gegen das Leben und sich selbst ist? Also die Betrachtung und Infragestellung der eigenen Denk- und Verhaltensmuster unabdingbar sind.

Es ist auffällig, warum sich noch weiter mit Inszenierungen lebhaft auseinandergesetzt wird, die das gewohnte Opferverhalten jeden Tag noch ein kleines bisschen mehr traktieren sollen, damit man sich weiter daran festhalten kann und die Kommentarfunktion mehr und mehr den Besuch beim Psychologen ersetzt.

Die Rolle des Klagenden und Jammernden gehört ebenfalls zur alten Ordnung, aus Untergebenen und ihren Erhabenen und ist nicht erst eine Erfindung der Neuzeit oder entspricht nun dem Wesen der neuen „Weltordnung“ – für jene in der Opferrolle schon.

Diese Ordnung hat auch nichts mit Zeit zu tun, denn es ist eine kollektiv anerzogene und konkludent angenommene, geistige Haltung und nicht mit dem Altertum zu verwechseln. Der Rest in der Materie leitet sich lediglich davon ab.

Die erkannten „Feinde“ (und Freunde) sind dabei die projizierten Bilder des eigenen „Ichs“. Streng trennend zwischen „Bestehendes“ und seiner möglichen „Veränderung“.

Die Hoffnung, dass man (bei seinen Herren) nur laut genug zu klagen braucht, führt jedoch zu keiner wirklichen Veränderung und man kann sich Spaziergänge und Demonstrationen getrost ersparen. Sie dienen lediglich dem selbst geschaffenen Frust und Leid als Ventilfunktion.

Um es mal so auszudrücken: Zum „Tiefen Staat“ gehören auch all jene, die zwar fordern, dass sich endlich etwas ändert, während jene selbst bemüht sind, nicht von einer Veränderung betroffen zu sein, weshalb der sehnsuchtsvolle Hundeblick nach USA vordringlich reine Selbstablenkung ist, und sich die wesentliche Aufgabe noch immer vor der eigenen Haustüre findet.

Die Alternativen unterscheiden sich prinzipiell nicht vom Mainstream, sondern nur von ihren den Inhalten. Doch was nutzen Inhalte, wenn nur mit dem gewohnten Blick des „unschuldigen Opfers der Umstände“ und der Hoffnung auf Vergeltung geschaut wird?

Was das Ganze bisher mit am Laufen hält, ist eine invertierte Form der Zusammenarbeit, die sich durch konsequentes Gegeneinander zum Ausdruck bringt.

Die Bemühungen um Dialog der letzten zwei Jahre sind – bezogen auf die Rückmeldungen – recht spärlich ausgefallen.

Sichtlich gibt es welche, die in Seminaren reichlich Wissen „getankt“ haben, was ihnen jedoch bei näherer Betrachtung nichts nutzt, weil sie immer noch fragen, was sie denn tun können.

„Beschließen Sie nicht mehr zu dienen, und Sie sind sofort befreit. Ich verlange nicht, dass Sie dem Tyrannen die Hände auflegen, um ihn zu stürzen, sondern dass Sie ihn einfach nicht mehr unterstützen; dann wirst du ihn sehen, wie ein großer Koloss, dessen Sockel weggezogen wurde, von seinem eigenen Gewicht herabfällt und in Stücke bricht.“ Étienne de La Boétie, 1530-1563

Letztlich ist – wie ich dies bereits des Öfteren dargelegt habe – die ganze Angelegenheit eine reine Kopfsache und dann fällt der „Turm zu Babel“ in sich zusammen.

Oder hat der eine oder andere gedacht, dass es „einfach“ wird oder „eben mal schnell“ vonstatten geht oder ein „Reich“ die Lösung sei?

Und für alle, die das Weite suchen: Das System ist im Kopf und solange es unbetrachtet bleibt, solange „tanzt man nach dessen Pfeife“.